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Kinoprogramm Donnerstag, 19.09.2019 - Mittwoch, 25.09.2019

Premiere: Playland USA

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Regie: Benjamin Schindler, (Deutschland), 2019

Premiere: Playland USA

Eine traumhafte Reise durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten unternimmt diese spielerische Dokumentation und kreist dabei besonders um ein Thema: die alles durchdringende Selbsttäuschung auf der weltgrößten Theaterbühne. Die US-amerikanische Wirklichkeit speist sich offenbar aus einer nicht enden wollenden »Truman Show«. Jede Inszenierung beginnt mit »The American Dream«, mündet in landesweiten Vergnügungsparks aus religiösen Wahn, historischen Mythen oder unbarmherzigen TV-Entertainment und endet bestenfalls in einer obskuren »Twilight Zone«. Oder in einem durch-inszenierten Krieg wie bei »Wag The Dog«, als der amerikanische Präsident das Sex-Malheur mit einem Schlag gegen Albanien aus den TV-Nachrichten kegelte. Ein Jahr vor der Lewinsky-Affäre. Ehrlich gesagt, weiß man nie so recht, ob die wahren Geschichtsschreiber in Hollywood oder in Washington sitzen. Es ist das Huhn-Ei-Paradoxon und die Frage ist, glauben die Amerikaner, was sie sehen, oder sehen sie, was sie glauben. Probleme mit Fake & Fiktion existieren in den USA nicht erst seitdem ein blonder TV-Klon Präsident ist, dessen Lieblingssätze mit »Believe me …« beginnen und mit »… not true!« enden.

Benjamin Schindler durchdringt das Dickicht aus Hollywood-Tag-Träumen und steingewordenen Fantasie-Orten in einer akribischen Fleißarbeit auf der ständigen Suche nach dem letzten Vorhang. Hinter dem sich endlich nichts weiter erheben würde, als eine ehrliche Realität. Es gibt sie. Aber sie wird verdeckt von apokalyptischen Predigern, die auf Westernhelden treffen, von Ghostbusters, die mit dem guten alten Santa Claus frühstücken oder UFO-Jägern, die durch kindliche Beauty-Castings stolpern…

Alpa Kino

Im Anschluss Filmgespräch mit Regisseur Benjamin Schindler

Das Original ist besser!Once upon a time... in Hollywood (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00
20:30 20:30
21:15

Regie: Quentin Tarantino, (USA/Großbritannien), 2019

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie u.a.

Once upon a time... in Hollywood (OmdU)

Zwei Typen wie aus dem Filmlexikon: Western-Serienheld Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) versuchen damit klarzukommen, dass Daltons beste Zeit vorbei zu sein scheint. Rick versinkt in Selbstmitleid und Alkohol, Cliff bleibt gelassen. Produzent Marvin Schwarz (Al Pacino, noch geradeso hinter seiner Maske zu erkennen) will Dalton nach Italien exportieren, die Zeit der Spaghetti-Western bricht an. Doch Rick ist für Europa nicht zu begeistern. Lieber spielt er irgendwelche Wurzen als Bösewicht und lässt sich von Junggemüse leinwandwirksam zusammenwatschen. Der Stillstand seiner Karriere wird durch den Einzug neuer Nachbarn noch offensichtlicher. Es sind der junge Regiestar Roman Polanski (Rafal Zawierucha) und dessen Frau, die Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie). Rick versucht bei ihnen anzudocken. Cliff besucht derweil seinen alten Bekannten George Spahn (Bruce Dern). Dort in der Westernkulissenstadt hat sich auch die Manson-Familie eingenistet… man macht sich bekannt. Es ist das Jahr des Herrn 1969: Mondlandung, Woodstock und die Tate/LaBianca-Morde. Letztere sorgen für einen typisch tarantinoesken Showdown.

Sein neunter Film kommt in satten Braun- und Orange-Tönen und selbstverständlich auf 35mm. Die Zitat- und Stardichte ist enorm, Tarantino opfert dem Götzen ­Hollywood und sich selbst. Er nimmt sich dafür viel Zeit. Mit gewohnt knappem, kantigen Humor allerdings und gezielten Seitenhieben etwa gegen die „gottverdammten Hippies“. Politisch korrekt war Tarantino noch nie, aber immer brillant. »Once Upon A Time In… Hollywood« ist einmal mehr Kino pur.

Grit Dora

Das Original ist besser!Leid und Herrlichkeit - Dolor y gloria (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45

Regie: Pedro Almodóvar, (Spanien), 2019

Darsteller: Penélope Cruz, Antonio Banderas, Cecilia Roth u.a.

Leid und Herrlichkeit - Dolor y gloria (OmdU)

Um den Inhalt des Films in eine Zeile zu packen, reicht ein Zitat von Regisseur Pedro Almodóvar: „Basiert »Leid und Herrlichkeit« auf meinem Leben? Nein, und ja, auf jeden Fall.“ Der spanische Starregisseur entwirft ein faszinierendes Spiel zwischen Fiktion und autobiographischer Wahrheit, in dessen Mitte er sein fiktionales Abbild, Regisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas), setzt. Gegen Ende seiner Laufbahn blick Salvador zurück auf drei Epochen seines schillernden Lebens: Am Beginn steht seine Kindheit in den 60ern, als er mit seiner Familie auf der Suche nach Wohlstand nach Valencia emigriert. Seine liebevolle Mutter (Penélope Cruz) versucht alles, ihm ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Dennoch wird sie ihm später vorhalten, dass er angesichts ihrer Opfer kein guter Sohn gewesen sei. In den 80er Jahren zieht es Salvador nach Madrid, wo er mit dem Argentinier Federico seine erste große Liebe trifft. Der Schmerz der Trennung treibt ihn zum Schreiben. Die Kreativität wird seine Therapie und bald ist er einer der innovativsten und erfolgreichsten Filmschaffenden Spaniens. Im Hier und Jetzt reflektiert er mithilfe dieser Erinnerungen, alter Weggefährten und einer Dosis Heroin über die Jahre, in denen er als Regisseur große Erfolge feierte und schmerzliche Verluste verdauen musste. Die Verarbeitung der Vergangenheit hilft ihm schließlich, den Weg in ein neues Leben zu finden. Sowohl Banderas als auch Cruz waren stets Teil Almodóvars Filmgeschichte. Dass sie somit in seinem intimsten, aber womöglich auch bestem Film mitwirken, scheint passend. Banderas war nie besser!

Viktoria Franke

Das Original ist besser!Synonymes (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15

Regie: Nadav Lapid, (Frankreich/Deutschland/Israel), 2019

Darsteller: Tom Mercier, Quentin Dolmaire, Louise Chevillotte u.a.

Synonymes (OmdU)

Einem jungen Filmemacher könnte nichts besseres passieren, als sich mitten im Zentrum eines Meteoriteneinschlages zu befinden, bildlich gesprochen, wie es Nadav Lapid erging, als er beim Casting auf den stattlichen Schauspielstudenten Tom Mercier traf. Bereits hier verwarf Mercier den hebräischen Text und stammelte eindrucksvoll in geborgten Französisch. Ein ähnliches Naturereignis widerfährt auch dem angehenden Autor Emile (Quentin Dolmaire), als er den nackten Yoav (Tom Mercier) in seine Wohnung einlässt. Sein erster Impuls; besteige diese Kanonenkugel und wage einen Ritt… So wird seine Freundin Caroline (Louise Chevillotte) später auch in etwa denken, wenn sie ihren Körper zwischen die entstehende Männerfreundschaft zu schieben versucht. Noch ahnen beide nicht, wie sehr der all seiner Kleider und seiner Habe beraubte Israeli Caroline und Emile mit sich reißen wird. Noch betören Emile nur die theatralisch deklamierten Vokabeln des frisch gebackenen Exilanten, der vor allem eines will; nie mehr ein Israeli sein. Gierig eignet sich Yoav Wörter aus der französischen Sprache an, um mit diesen ein Futteral zu flechten, welches ihn vor seiner israelischen Vergangenheit schützen soll. So wie es der märchenhafte Mantel aus Charlottes Kleiderschrank vermag, mit dem Yoav vorderhand ausgestattet wird und in dem er wie ein gelber Riese durch Paris spukt. Auf der Suche nach einer neuen Identität und neuen Wurzeln. Er eröffnet der Welt die israelische Botschaft, scheitert als Sparringspartner für Neonazis und bewundert die kleinen Brüste der Französinnen. Er befriedigt Emile mit Fiktionen übers israelische Militär, sich selbst für einen Pornoproduzenten und erschrickt sich an der blutrünstigen Marseillaise. Mit jeder Begegnung wächst in ihm der Verdacht, dass ihn die Synonyme allein nicht vor neuen Enttäuschungen bewahren können. Sein Vokabular muss leben und nicht nur er, sondern auch sein Leben muss eine neue Sprache sprechen. Der Gewinner des Goldenen Bären als Bester Film 2019 steht als Synonym für das Kino schlechthin.

Alpa Kino

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!The Dead Don't Die (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:30

Regie: Jim Jarmusch, (USA/Schweden), 2019

Darsteller: Tilda Swinton, Chloë Sevigny, Adam Driver u.a.

The Dead Don't Die (OmdU)

Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen. Einen Albtraum, in dem Tom Waits, wenn er gerade nicht Fuck Farmer Miller (Steve Buscemi) die Hühner klaut, als bärtiger Kommentator eines absurden Kopf-Ab-Spieles auftritt. In der Kleinstadt Centerville bemerkt die staatliche Exekutivmacht Chief Cliff Robertson (Bill Murray), Buddy Ronnie Peterson (Adam Driver) und Trainee Mindy Morrison (Chloë Sevigny) eine sprunghafte Zunahme von verschwundenen Hühnern und geschlachteten Mitbürgern. Als sie den Zusammenhang erkennen zwischen Kommunikationszusammenbruch, Fracking an den Polkappen und Zombie-Invasion in Centerville, wissen sie, das geht nicht gut aus. Zumal die Regierung alles leugnet. Die Zombies von heute brauchen vor allem WLAN. Da ist es kein Wunder, dass selbst die Toten aus ihren Kisten steigen, als in Centerville das Netz streikt. Wie bei den guten alten George A. Romero-Cousins stolpern die Untoten hier auf der Suche nach ihren Herzensdingen ständig über die Lebenden. Was Zelda (Tilda Swinton), der Besitzerin der örtlichen Leichenhalle, viel Arbeit bereitet, doppelte Arbeit quasi. Bereits hergerichtete Leichen muss sie aufwendig nochmals herrichten, nachdem sie ihnen mit ihrem Samuraischwert die Köpfe heruntergeschlagen hat. Kill the head, so lautet fortan die Bedienungsanleitung… Die internationale Filmbranche wusste ja bereits vorher, diese Metapher steht für ein ganzes Land (wohl eher die leichenstarre Das-geht-bestimmt-von-allein-wieder-weg-Attitüde steht für dieses Land). Trotzdem darf man genüsslich johlen, wenn ausgerechnet Fuck Farmer Miller mit seiner Trumpmütze nicht auf irgendeinen lumpigen Mittelschicht-Zombie trifft, natürlich nicht, denn wer Schwarze so sehr hasst wie Chicken-Miller, hat einen Tod erster Klasse verdient… Alle übrigen Albträume enden übrigens, wie sie beginnen, einfach so.

Alpa Kino

Lord of the Toys

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00

Regie: Pablo Ben Yakov, (Deutschland), 2018

Lord of the Toys

Der Dokumentarfilm löste einen Skandal und Shitstorm beim letztjährigen Leipziger Dok-Filmfestivals aus. In erster Linie wohl, weil die Protagonisten rechtsextreme Sprüche klopfen. Die Empörung war groß, aber die Goldene Taube, der Hauptpreis des Dok-Festivals für Ben-Yakov und André Krummel, entschädigt die Filmemacher. Nicht der Überbringer der Nachricht sollte geschmäht werden sondern die Realität in unserem Land. Insofern erübrigt sich die Frage „Ob man das zeigen darf?“. Solches Kino muss gezeigt werden, erst recht hier in Dresden.

Max „Adlersson“ Herzberg aus Dresden, 20 Jahre alt, hat entschieden, sein Leben nicht mit Arbeit zu verbringen. Seitdem referiert er über Messer und alle möglichen andere Produkte, öffnet Gangsta-Rap-Fanboxen, erzählt von sich selbst, besäuft sich in aller Öffentlichkeit, pöbelt und grölt herum, erniedrigt Schwächere, reißt derbe Witze und testet jede Grenze aus, die er sieht - Max ist YouTuber und lebt davon.

Die meisten seiner Freunde haben eigene Kanäle auf YouTube und Instagram, einige sogar recht erfolgreich. Max und seine Clique sind zweifelhafte Vorbilder, aber sicherlich Prominente ihrer Generation mit mehr als 300.000 aktiven Fans.

Ist Max ein gewaltverherrlichender Influencer mit rechten Tendenzen oder ein gewöhnlicher Heranwachsender auf der Suche nach Halt und Identität, in einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Privatleben und Öffentlichkeit zunehmend verschwinden? Womöglich ist er beides, wahrscheinlich, ohne sich dessen allzu bewusst zu sein.

Ben-Yakov und André Krummel begleiteten Max und seine Clique einen Sommer lang, und sie hinterlassen ein dystopisches Bild der ersten Generation junger Erwachsener, die ein Leben ohne Internet, YouTube und Instagram nicht kennen. Der Film portraitiert sie und untersucht die Welt, in der ihre Lebensmodelle gedeihen: den Westen im Allgemeinen und den deutschen Osten im Speziellen.

ak

Dok-Leipzig: Bester Film