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Kinoprogramm Donnerstag, 17.01.2019 - Mittwoch, 23.01.2019

Genesis 2.0

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30 17:30

Regie: Christian Frei, Maxim Arbugaev, (Schweiz/China/Russland/Südkorea), 2018

Genesis 2.0

Es ist wie ein Goldrausch: Auf weit abgelegenen sibirischen Inseln im arktischen Ozean suchen Jäger nach Mammut-Stoßzähnen. Noch nie ist der Preis für das weiße Gold höher gewesen.

Vom auftauenden Permafrostboden werden hervorragend erhalten gebliebene Körper dieser Spezies freigegeben - ein Eldorado für Gentechniker, die davon träumen, die ausgestorbenen wollenen Riesen wieder zum Leben zu erwecken.

Ein Film über die Geheimnisse und Mysterien der Natur und die neue Rolle des Menschen als „Schöpfer“ in einer Art Genesis 2.0.

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Capernaum - Stadt der Hoffnung (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:45 19:45
22:00

Regie: Nadine Labaki, (Libanon/USA), 2018

Darsteller: Zain Al Rafeea, Yordanos Shiferaw, Boluwatife Treasure Bankole u.a.

Capernaum - Stadt der Hoffnung (OmdU)

In jedem Jahr ist es spannend zu sehen, welches Spektrum sich bei den Auslands-Oscars abzeichnet. Wenn man sich bewusst dafür entscheidet, diese Filme im Kino zu erleben, sollte man sich auf jeden Fall »Capernaum - Stadt der Hoffnung« anschauen. Er gewann in Cannes nicht nur den Großen Preis der Jury, sondern erhielt auch minutenlange Standing Ovations. Die libanesische Regisseurin Nadine Labaki schuf einen Film, der mehr Dokumentation als Fiktion ist und mit zwei konstruierten Handlungssträngen eine wahre Geschichte erzählt.

Der zwölfjährige Zain (Zain Al Rafeea) lebt in einer Großfamilie im Armutsviertel von Beirut und flüchtet sich immer mehr in kleine kriminelle Handlungen, spätestens ab dem Zeitpunkt, als seine geliebte Schwester Sahar (Haita Izam) von seiner Familie verkauft wurde. Auf der Straße lernt er die Illegale Rahil (Yordanos Shiferaw) und ihren kleinen Sohn Yonas (Boluwatife Treasure Bankole) kennen und merkt, wie sich eine Familie wirklich anfühlen kann. So beschließt er nach einer extremen Tat, seine Familie selbst zu verklagen. Unter dem Titel des Wohn- und Wirkungsortes Jesu Christus, Capharnaüm, erzählt Labaki eine bewegende Geschichte. Dabei fällt der Film aus vielen Gründen aus der Masse der Armut anklagenden Spielfilme heraus. Zum einen durch ihren fast dokumentarischen Ansatz, dazu gehören der Dreh an Originalschauplätzen und die Wahl von Laiendarstellern. Zum anderen durch den Verzicht auf musikalische Untermalung und den Einsatz einer bewegten Kamera. Wunderbar ist auch die stetige Perspektivhaltung bei dem Antihelden Zain. So befinden wir uns fast immer auf seiner Blickhöhe und sehen die Welt aus seinen Augen. Hinzu kommt, dass die Regisseurin Charakterisierungen in Gut und Böse sowie sämtlichen Kitsch vermeidet. Das macht »Capernaum - Stadt der Hoffnung« im Gesamten zu einem starken Oscar-Anwärter, welchen man im Kino (Start: 17. Januar 2019) auf keinen Fall verpassen sollte.

Doreen

Bundestart - Das Original ist besser!

Fahrenheit 11/9

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30
22:00 22:00

Regie: Michael Moore, (USA), 2018

Fahrenheit 11/9

Michael Moore recycelt einen seiner Filmtitel und sofort fragt man sich, welches der Ereignisse die USA schwerer getroffen haben mag, die 9/11-Attacke von 2001 oder die 11/9-Wahlsiegnacht für Donald Trump 2016. Der amerikanische Doku-Schulter-&-Schenkelklopfer Michael Moore wusste es schon vorher. Eindringlich hatte er 2016 vor der weinerlichen Arroganz der Demokraten gewarnt, die 90 % ihres Wahlkampfes damit zubrachten, nicht zu kämpfen, sondern ob der offensichtlichen Unwählbarkeit eines solchen Menschen siegessicher zu lächeln. Moore verbringt die meiste Lebenszeit dort, wo es weh tut; mit der Kamera auf der Straße. Trotzdem ist auch er schockiert wie so viele. Und möchte ein wenig von dem Schock zurückgeben an sein Publikum, aber mehr noch an seine Landsleute, damit sie endlich ihren Arsch von der Couch bekommen. Er vergleicht sie hier mit den ""guten Deutschen"" von 1933, jenen, die der Meinung waren, so schlimm würde es wohl nicht kommen. Und wo Moore schon am Austeilen ist, macht er als medialen Urknall von Trumps Wahlsieg den Erfolg der Sängerin Gwen Stefani aus. Sie hatte mit ihrer Performance bei der Casting-Show ""The Voice"" Donald Trump vom Fernseh-Thron bei der NBC gestoßen. Der Narziss grummelte wohl: how to make Me great again und ließ sich aufstellen, nur so aus Jux, für die 45. Präsidentschaftswahlen. Seitdem kann jemand wie Moore wahllos illustratives Filmmaterial aus den Abgründen der zerrissenen amerikanischen Gesellschaft sammeln, oder schlicht all seine bisherigen Dok-Filme in die Kamera halten, um klagende Beispiele auf die Leinwand zu werfen. Allen voran des Präsidenten Kuschelkurs mit den Far-Right-Demonstranten von Charlottesville oder das Highschool-Massaker von Parkland, wo Trump Lehrer, Opfer und Polizisten verhöhnte und welche sicher unter vielen anderen ihren Anteil hatten an dem blauen Ansturm bei den aktuellen Kongresswahlen.

Alpa Kino

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Shoplifters - Familienbande (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:45

Regie: Hirokazu Kore-eda, (Japan), 2018

Darsteller: Lily Franky, Jyo Kairi, Sasaki Miyu u.a.

Shoplifters - Familienbande (OmdU)

Was macht Familie aus? Das dicke Blut? Oder doch eher Liebe und Fürsorge? Dieser Frage geht der vielfach preisgekrönte Regisseur Hirokazu Kore-eda in seinem neuen Film »Shoplifters - Familienbande« nach. Auch der gewann schon wieder Preise, räumte unter anderen die Goldene Palme in Cannes ab.

Die Familie, die Kore-eda hier porträtiert, hält sich mit Gaunereien und fragwürdigen Jobs über Wasser. Dennoch nehmen sie die kleine Yuri bei sich auf, geben ihr zu essen und neue Kleidung. Das Mädchen ist schüchtern, öffnet aber nach und nach ihr Herz und ihren Mund. Auch vom Rest der Familie, die in einem kleinen alten Haus, umgeben von Neubauten wohnt, erfährt der Zuschauer nach einer Weile mehr. Und das ist die Crux, denn der Film weist mitunter ordentliche Längen auf - zumal einige familiäre Verstrickungen schwierig zu begreifen sind. Da hilft auch nicht die deutsche Synchronisation, die »Shoplifters« einiges von seinem Lokalkolorit nimmt, das dem Regisseur darüber hinaus gut gelingt.

Letzteres ist die Stärke des Films, denn Kore-eda biedert sich keinen westlichen Sehgewohnheiten an und nimmt hier ein aktuelles Problem in den Fokus. Denn wie die japanische Regierung vor einigen Jahren feststellen musste, kassieren Hunderttausende Familien des Landes die Renten von verstorbenen Verwandten ein, indem sie den Tod des Angehörigen verschleiern. In einem Land, in dem Selbstlosigkeit und der Dienst an der Gesellschaft im Vordergrund stehen, ist das ebenso ein Verrat an der eigenen Kultur wie die anderen Gaunereien.

Nadine Faust