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Kinoprogramm Donnerstag, 22.09.2022 - Mittwoch, 28.09.2022

Das Original ist besser!Der schlimmste Mensch der Welt (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30

Regie: Joachim Trier, (Norwegen/Frankreich/Schweden/Dänemark/USA), 2021

Darsteller: Renate Reinsve, Anders Danielsen Lie, Herbert Nordrum u.a.

Der schlimmste Mensch der Welt (OmdU)

Es gibt ja manche Auszeichnungen, die hat man sich verdient, auf die arbeitet man hin. Andere will man lieber vergessen. Zum Beispiel „Schrägste Frisur“ in der Abi-Abschlusszeitung. Zu diesen Auszeichnungen, die man gar nicht haben will, gehört wohl auch „The Worst Person in the World“ zu sein. Darauf arbeitet nun wirklich niemand (bewusst) hin.

So auch nicht Julie (Renate Reinsve), die Ende 20 ist, sich aber finanziell keine Sorgen machen muss. Sie studiert mal dies und mal das, sucht sich immer neue Leidenschaften, probiert eben gern neue Dinge aus. Als sie den 44-jährigen Comic-Autor Aksel (Anders Danielsen Lie) kennenlernt, ist die Liebe unendlich groß, trotz des Altersunterschieds. Julies Unentschlossenheit bleibt jedoch gleich. Und als sie auch noch Eivind (Herbert Nordrum) kennenlernt, der so alt und so unentschlossen wie sie selbst ist, ist ihr Gedankenchaos perfekt.

»The Worst Person in the World« (Originaltitel: »Verdens verste menneske«) erzählt vier Jahre lang aus dem Leben von Julie und wie sie sich als junge Frau durch Liebesleben, Karriere und allgemein ihren Lebensweg navigiert. Denn auch mit 30 kann man noch am Anfang stehen und herausfinden, was man im Leben eigentlich erreichen will - eine etwas andere Coming of Age-Story sozusagen.

Das Drama wurde von Regisseur Joachim Trier verfilmt und bildet den Abschluss der losen Trilogie mit »Auf Anfang« und »Oslo, 31. August« über den Nachwuchs der Osloer Oberschicht.

Anne

Alle reden übers Wetter

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Regie: Annika Pinske, (Deutschland), 2022

Darsteller: Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld, Anne Schäfer u.a.

Alle reden übers Wetter

Clara hat es fast geschafft. Die junge Doktorandin bewegt sich selbstbewusst durch Berlin und zielstrebig auf den nächsten Karriereschritt zu. Margot, ihre Professorin-Mutter hält zu ihr, unterstützt Clara bei ihrer Doktorarbeit in Philosophie, auch wenn ihren Motivationsreden mitunter eine Art Traurigkeit anhaftet. Margot (Judith Hofmann) macht Clara (Anne Schäfer) fit für den Aufstieg ins Bildungsbürgertum. Eigentlich müsste es Bildungsadel heißen, das merkt auch Clara schnell, denn die Strukturen sind feudaler Natur, die Codes vornehm und verachtend zugleich, obendrein für eine junge Frau aus dem Osten Deutschlands, ohne Bildungstitel in Eltern- oder Großelterngeneration, die alleinstehend und alleinerziehend ist. Ihre Suche nach der eigenen Subjektivität als Forscherin kollidiert hier auch gut pointiert mit ihrer Doktorarbeit zu Hegels Freiheitsbegriff. Als Clara zum 60. Geburtstag ihrer Mutter in ihr Heimatdorf in Mecklenburg fährt, wird ihr schmerzlich bewusst, wie schwer es für die Bildungsaufsteigerin ist, daheim noch für ein paar Stunden einen Fuß in die Tür zu bekommen. Lange schon vermisst Clara die Nestwärme, zu abstrakt erscheint der Mutter das Tun ihrer Tochter. Die Unterhaltungen wandern hier vom Kopf zum Bauch, mitunter auch noch tiefer. Publikationen, Fördergelder oder didaktischer Diskurs interessieren hier niemanden. Und wenn alle mit dem Wetter durch sind, wird auch schonmal gediegen geschwiegen… Aus den vielen leisen und lauten Tönen zwischen den Dialogzeilen spricht eine feine Beobachtungsgabe, die der jungen Regisseurin Annika Pinske hoch angerechnet werden muss. Ihr Drehbuch ordentlich zu spicken mit aktuellen Grundkonflikten wie Stadt & Land, Ost & West, Heimat & Leere, Frauen & Männer, Bildungsbürgertum & sozialer Bodensatz und allen voran, Tochter und Mutter, und das alles federleicht zu inszenieren, selbst zu produzieren und dank großartiger Schauspielerinnen erfolgreich als Hochschul-Abschlussfilm ins Panorama der Berlinale zu katapultieren - das ist eine sehenswerte Promotion für die Frau aus Frankfurt/Oder, die übrigens mit all ihren Kurzfilmen beim Dresdner Filmfest zu Gast war.

alpa kino

Moonage Daydream

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45

Regie: Brett Morgen, (USA), 2022

Darsteller: David Bowie u.a.

Moonage Daydream

»Moonage Daydream« ist eine beeindruckende Reise in den Sound and Vision von David Bowie und lässt Fans und Nicht-Fans verblüfft zurück über sein kreatives Genie im Laufe seiner 50-jährigen Karriere. Die Dokumentation ist anders als vieles, was man bisher gesehen hat und unter dem Genre Dokumentation einordnen würde. Autor und Regisseur Brett Morgen (»Cobain: Montage of Heck«) schuf eine umwerfende Sinneserfahrung, die den Zuschauer auf eine audiovisuelle Odyssee durch Bowies Karriere und seine künstlerische Vision mitnimmt. Auf spannende Art präsentiert er einen Mann, der sich schon immer den Fesseln der Zeit widersetzte, sei es wegen des Genderfucks, seiner zukunftsweisenden Lyrik oder seiner ständig wechselnden Persona. Es ist vielleicht nicht die ausführliche Filmbiografie, die sich Kinogänger über David Bowie gewünscht hätten, aber es ist definitiv ein Film, den der Thin White Duke selbst geliebt hätte: spielerisch, intelligent und eine herrlich eindringliche, kaleidoskopische Untersuchung - weniger von Bowies Leben hier auf der Erde, sondern von jenem Leben, das in seinem Kopf und Herzen stattfand und das ihn dazu animierte, jene Kunst zu schaffen, die uns auch in Jahrzehnten noch begeistern wird. Statt geradlinig Bowies Leben zu erzählen, geht es tatsächlich mehr um eine sinnliche Erfahrung, in der man sich mit Ziggy Stardust als Anker durch dessen chaotische Welt tastet. Es ist ein Trip, ein Erlebnis - und wer jetzt noch kein Fan ist, sollte es nach Moonage Daydream hoffentlich sein. Wer allerdings schon jetzt zu den Bowie-Jüngern gehört: Schnallt Euch an. Das wird eine wilde Reise!

Viktoria Franke