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Durch das Jogging haben Turnschuhe ihren Eingang in die weltweite Alltagsmode gefunden; Durch Yoga wurden fernöstliche Denkweisen im Westen salonfähig. Der Lifestylekonzern Nike kennt für seine Werbekampagnen des 21. Jahrhunderts nur noch zwei Archetypen des Großstädters: Joggende und Yoginis. Männer gehen laufen, Frauen machen Yoga? Doch was ist das eigentlich, was geschieht, während man das macht? Was ist Yoga? Ein urtümlicher Ritus? Indische Gymnastik? Eine Art Religion - oder doch eher exotisches Variété, im Irgendwo angesiedelt zwischen Schlangenmenschen und gepflegter Hyperventilation?
Regisseur Jan Schmidt-Garre folgt, wie immer in seinen Filmen, seiner persönlichen Neugier und entdeckt, weil Wahrheit mit Wahrheit belohnt wird, Überraschendes.
Auf authentischem Filmmaterial gedreht, in klassisch kadrierte und ausgeleuchtete Bilder gesetzt und komplett in Indien und für die Kinoleinwand produziert, öffnet sich der Blick auf ein ungewohntes, ungewöhnlich normales Indien, das jenseits bunter Holi-Feste und Asche bestäubter Gurus eine ganz eigene Magie entfaltet.
Schmidt-Garres Film ist eine Reise zu den Wurzeln des modernen Yoga, der noch im Indien des frühen zwanzigsten Jahrhunderts eine gering geschätzte Form von Zirkus war: „Nur für Bescheuerte und Verklemmte“, wie sich einer der Protagonisten bitter erinnert.
Was Schmidt-Garre findet, ist der Zauber einer Alltagspraxis, deren mythische Verklärung uns hierzulande oft den Blick auf das unerzählt Wesentliche verstellt. „Der Atmende Gott“ ist dabei vor allem auch ein aufregendes Zeitdokument, das die maßgeblichen Erfinder des modernen Yoga vor einer Kamera vereint: noch nie gezeigte historische Aufnahmen des Yoga-Urvaters Krishnamacharya, seines Schülers Pattabhi Jois, der während der Dreharbeiten starb, sowie des legendären Iyengar, der bereits Yehudi Menuhin die Lehren des Atmenden Gottes beibrachte.
Die Reise des Regisseurs, der selbst Yoga treibt und im Laufe des Films von den großen Alten unterrichtet wird, vollendet sich nach fünf Jahren Drehzeit vor einem spärlich beleuchteten Tempel für Eingeweihte. Hier zeigt man Schmidt-Garre, was zuvor vor den Augen des Westens verborgen gehalten wurde: das Götterbild Narasimhas, des atmenden Gottes. Angeblich war der Körper des Luftwesens zu mehreren Millionen Asanas bereit.
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Die Oberhausener Kurzfilmtage führten 1999 mit dem »MuVi« den weltweit ersten Festivalpreis für deutsche Musikvideos ein - eine internationale Jury entscheidet jährlich über die Preise. Wir freuen uns nunmehr, euch Musik Videos aus dem aktuellen Jahrgang 2011 präsentieren zu können. Mit dabei sind erstaunliche Animationen aus der Feder von Johannes Timpernagel, alptraumhafte Schauspielorgien, wie in dem Track von DIE STERNE, R: Danny Baarz und, Christoph Riccius oder den bildgewordenen Jazz aus dem Hause schnellebuntebilder.de mit dem sonic.art Saxophonquartett.
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Die Verfilmung eines viktorianischen Romans aus dem 19. Jahrhundert ist allein aufgrund der Kostüm-, Bühnen- und Landschaftswahl kein leichtes Spiel. Erschwerend käme hinzu, wenn diese Romanze von Charlotte Brontë bereits einige viele Male zuvor verfilmt worden wäre. Nun ist der Konjunktiv hier ein Indikativ und Jungregisseur Cary Fukunaga sein moderner Bezwinger.
Die 18-jährige Jane Eyre ist ein Waisenkind und wuchs auf einem schmerzhaft strengen Internat auf. Die Geschichte setzt ein, als Jane als Gouvernante auf den menschenleeren Landsitz Thornfield Hall gelangt. Das Anwesen steckt voller Geheimnisse, die Anwohner reden nicht gern und Jane rüttelt mit ihrer leidenschaftlichen Offenheit an verschlossenen Türen. Herr über Haus und seine Gefühle ist Mr. Rochester, dessen verschlossene, tiefstimmige Art Jane allerdings schwer anzieht. Und so dauert es nicht lange, dass sich das Mädchen in den Herren verliebt und einige beängstigende Türen geöffnet werden.
Die zierliche, liebevolle Jane kämpft entscheidend für ihr Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung. Die Wahl zu Mia Wasikowska als Jane (preisgekrönt für ihre Rolle in Alice im Wunderland) und Michael Fassbender in der Rolle von Mr. Rochester scheint dabei nahezu perfekt. Der antithetischen Komposition der Figuren verleihen beide Schauspieler den nötigen Ausgleich an stiller Erregung und ausbrechender Entschlossenheit. Fukunaga unterstützt die allgegenwärtige Anspannung dabei mit Bildern einer grauen Schlosslandschaft und Szenen bei Kerzenlicht, so dass sogar der momentane Dunkelheitseinbruch ab 17 Uhr zu hell erscheint.
Der japano-schwedische Regisseur wurde bereits 2009 beim Sundance Film Festival für sein Abenteuer-Drama »Sin Nombre« feierlich belohnt und lässt viele Jane-Eyre-Fans und düstere Romantiker hochjubelnd jauchzen.
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Das Original ist besser! Original version with German subtitles
Exklusiv im Thalia - englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Sean Penn ist wieder da. Nicht dass er nach »Milk« und »The Tree of Life« richtig weg war, aber er ist wieder neu da, in einer Rolle, die man sich eigentlich gar nicht ausdenken kann und in der er zunächst wie verkleidet wirkt: Penn ist ein so genannter alternder Rockstar, der mal mit Mick Jagger sang („Tatsächlich hat Mick Jagger mit mir gesungen“), jetzt aber in einer depressiven Stimmung steckt, die ihn 30 Jahre älter aussehen lässt. Er bewegt sich auch eher wie ein 80-Jähriger, ist aber erst Mitte 40. Das Auffälligste aber ist sein Äußeres: toupierte, schwarze Haare, roter Lippenstift, Augen-Make-Up - ein Glamrocker eben. Dazu fistelt er immer mit kleiner, leiser, langsamer Stimme. Er klingt immer ironisch-lakonisch, dabei meint er es meist so, wie er es sagt. Seine pragmatische Frau (Frances McDormand) liebt ihn bedingungslos, gerade wegen seiner Macken („Deine Flugangst ist nicht dein einziges Problem“ - „Das stimmt.“ - „Deswegen hab ich mich in dich verliebt“).
Der ziemlich harte Plot des Films steht seltsamerweise nicht so sehr im Vordergrund des Film von Paolo Sorrentino (»Il Divo«) wie die Selbstfindung von Cheyenne. Auch wenn er seiner Frau gegenüber natürlich leugnet, dass es um ihn geht: „Ob ich mich selbst suche? Ich bin in New Mexico, nicht in Indien.“ Und dort ist er, weil er den Mann sucht, der seinen Vater im KZ peinigte. Seinen Vater hatte er seit 30 Jahre nicht gesehen, und als er nach langer Schiffsreise von Irland in die USA endlich ankommt, findet die Beerdigung statt. Der dann folgende Trip quer durchs Land wird von einer Kamera fotografiert, die zu schweben scheint. Sie umkreist Cheyenne und auch die Dinge und Menschen, die ihm begegnen, fährt nach oben oder zurück und ist trotzdem nicht aufdringlich.
Mit der Polit-Groteske »Il Divo« hat dieser neue Film von Sorrentino nicht allzu viel gemein. Es erstaunt, wie ernst man nach dem ersten Schock und Lacher Cheyenne nehmen kann. Man hört auf, Sean Penn in ihm zu sehen. Und nimmt teil an dieser Suche und der Frage, ob Cheyenne wirklich Rache nehmen will und was ihn eigentlich antreibt. Am Ende ist er zurück zu Hause und taucht wieder in dieser bizarren Siedlung auf, im Hintergrund ein gigantisches Stadion aus Glas und Stahl. Natürlich ist ihm der moderne Bau immer noch nicht näher als das kleine Arbeiterhäuschen, er ist immer noch aus der Zeit gefallen, aber er ist geschmeidiger geworden. Da wir das im Verlauf des Films längst verstanden haben, ist der letzte Blick auf ihn fast ein bisschen bedauerlich plakativ.
Petra Wille
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Nora Gomringer schreibt klangvolle, sprachverliebte Gedichte, die nicht hermetisch sein wollen und oft viel Humor besitzen. Mit „Mein Gedicht fragt nicht lange“ werden die Einflüsse und die Entwicklung einer der wichtigsten jungen zeitgenössischen Lyrikerinnen deutscher Sprache sicht- und nachvollziehbar: Performance Lyrik, Poetry Slam, Rap, amerikanische Lyrik von Dorothy Parker oder Mark Strand, moderne Klassiker wie Ernst Jandl und Erich Kästner oder zeitgenössische Vorbilder wie Friederike Mayröcker.
Nora Gomringer, geboren 1980, ist Schweizerin und Deutsche. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Preise, Auszeichnungen und Stipendien. Zuletzt veröffentlichte sie die Gedichtbände „Sag doch mal was zur Nacht“, „Klimaforschung“ und „Nachrichten aus der Luft“ bei Voland & Quist. Seit 2010 leitet sie das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. Im Herbst 2011 erhält sie den Jacob-Grimm-Preis, der Teil des Kulturpreises Deutsche Sprache ist.