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Kinoprogramm Donnerstag, 22.09.2016 - Mittwoch, 28.09.2016

Das Original ist besser!Captain Fantastic (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45 17:45
21:30

Regie: Matt Ross, (USA), 2016

Darsteller: Viggo Mortensen, George MacKay, Samantha Isler u.a.

Captain Fantastic (OmdU)

Der sechsfache Vater Ben (Viggo Mortensen) lässt seine Kinder in der nordwestamerikanischen Wildnis aufwachsen. Die Erfindung eines familiären Paradieses im Wald ist sein Gegenentwurf zum Leben in der amerikanischen Zivilisation. Die Kinder erlernen Selbstversorgung und trainieren Überlebensstrategien. Ben, klug und hochgebildet, unterrichtet sie selbst, er bringt ihnen ein Wissen bei, das weit über den üblichen Bildungsstandards liegt. Von allen weiteren Errungenschaften, Annehmlichkeiten und Auswüchsen der Gegenwart hält er sie konsequent fern. Seine Frau Leslie trägt Bens Konzept mit. Als sie stirbt, reisen Ben und seine Kinder mit einem klapprigen Schulbus zu den Großeltern, um die Erfüllung von Mamas letztem Wunsch zu überwachen. Es kommt zum Culture Clash: Beim Treffen mit Leslies Schwester Harper und deren Familie prallen Wohlstands- und Waldkinder aufeinander. Die Waldmenschen bestaunen den westlichen Alltag en Detail: Hot Dogs, Coca Cola, das Durchschnittsgewicht der Durchschnittsamerikaner, ihre Lebens- und Essgewohnheiten, ihre Spiele und Rituale. In skurrilen und berührenden Szenen werden die unterschiedlichen Wertesysteme gegenübergestellt. Ben, überzeugt von der Überlegenheit seines Erziehungskonzeptes, gesteht sich schließlich ein, dass der totale Zivilisationsentzug zum Wohle seiner Sprösslinge zu eindimensional gedacht war.

Mit »Captain Fantastic« ist Regisseur Matt Ross trotz des nicht besonders neuen Plots ein beeindruckendes Plädoyer für die Suche nach alternativen Lebensmöglichkeiten gelungen, eine Tragikomödie, die weder die Aussteiger idealisiert noch das System platt kritisiert. Den Kniff, aus quasi unberührten Kinderaugen auf den Status quo zu schauen, setzt Ross angst- und leidlich klischeefrei ein.

Viggo Mortensen spielt mit Verve den ungewöhnlichen Vater, unterstützt von dem großartigen Ensemble der jugendlichen Spieler. Ein kurzer frontaler Nacktauftritt Mortensens, den er knapp kommentiert (”Es ist nur ein Penis.”), führte in den USA zu einer Einstufung, die Eltern davon abhalten soll, ihren Kindern diesen Film zu erlauben. Die spinnen, die Amerikaner!

Grit Dora

Das Original ist besser!Quo vado? - Der Vollposten (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00 20:00 20:00 20:00

Regie: Gennaro Nunziante, (Italien), 2015

Darsteller: Checco Zalone, Eleonora Giovanardi, Sonia Bergamasco u.a.

Quo vado? - Der Vollposten (OmdU)

Das süße Leben auf italienisch ist auch durch Eurozone und Globalisierung unter Druck geraten. Diese kulturellen Umwälzungen nimmt diese erfolgreiche Komödie mit Checco Zalone sehr unterhaltsam aufs Korn und avancierte prompt zu einem der meist gesehenen Filme in Italien.

Genüsslich nimmt die Culture-Clash-Komödie um den liebenswerten Macho Zalone Beamtentum, Versorgungssicherheit und kulturelle Klischees auf die Schippe und feiert das italienische Lebensgefühl. In seinem Heimatland kamen fast 10 Millionen Kinozuschauer aus dem Lachen nicht mehr heraus und machten den Film zu einem der erfolgreichsten Filme der letzten Jahre.

Checco führt ein sorgloses, beneidenswertes Leben, bis sich eines Tages alles ändert. Die Regierung verabschiedet eine Verwaltungsreform und damit Personalkürzungen. Checco wird ins Ministerium bestellt, wo ihn die gnadenlose Beamtin Sironi vor die Wahl stellt: freiwillige Kündigung oder Versetzung weit weg von zu Hause. Sein Vollposten ist Checco heilig, und so entscheidet er sich für die Versetzung. Doch Sironi will ihn unbedingt loswerden. In der Hoffnung, dass er doch noch kündigt, beordert sie ihn an Orte in ganz Italien, wo er die verrücktesten und gefährlichsten Jobs machen muss. Doch Checco lässt sich nicht kleinkriegen.

In der deutschen Fassung wird der italienische Comedy-Star Checco Zalone von Bastian Pastewka gesprochen. Zalone ist für seine Imitationen italienischer Prominenter bekannt und beliebt.

Produzent Pietro Valsecchi fasst das treffend zusammen: ""Ich denke, dass sich Checco mit diesem Film noch einmal selbst übertroffen hat. Die Geschichte ist unterhaltend und einzigartig. Der Zuschauer erlebt ein großes Abenteuer, ausgehend von einem kleinen apulischen Dorf über den Nordpol und Norwegen bis hin in die afrikanische Savanne. Umrahmt ist das Ganze von ungeheuer lustigen Szenen.""

ak

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Julieta (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00 18:00
21:30

Regie: Pedro Almodóvar, (Spanien), 2016

Darsteller: Adriana Ugarte, Emma Suárez, Rossy de Palma u.a.

Julieta (OmdU)

Julieta (Emma Suárez, Adriana Ugarte) will mit ihrem Lebensgefährten Lorenzo (Darío Grandinetti) nach Portugal ziehen. Bei einer zufälligen Begegnung hört sie zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder etwas von ihrer Tochter. Antía (Blanca Parés, Priscilla Delgado) verließ Julieta an ihrem 18. Geburtstag ohne Abschied. Erneut macht sich Julieta auf die Suche nach ihrem Kind und nach den Antworten auf dieses plötzliche Verlassenwerden. Es geht um über 30 Jahre ihres Lebens. Einschneidender Wendepunkt für beide Frauen war der Tod von Xoan (Daniel Grao), dem Mann und Vater.

Ein größerer Gegensatz ist kaum denkbar: hier Pedro Almodóvar, der bildgewaltige Exzentriker, da Alice Munro, die unsentimentale Skeptikerin. Gemeinsam sind ihnen dann aber doch ihre Obsession für menschliche Abgründe und die Verneinung tröstlicher Gewissheiten. Aus drei Kurzgeschichten der kanadischen Nobelpreisträgerin entwickelt der Spanier einen komplexen Plot, den er schlussendlich doch in seinem Heimatland ansiedelt, obschon er vorhatte, mit »Julieta« seinen ersten englischsprachigen Film zu drehen. Vermutlich eine weise Beschränkung - schwer vorstellbar, dass Almodóvars Herz außerhalb Spaniens wirklich schlägt. Er dämpft seine expressive Bildsprache, um Munros Erzählung mehr Raum zu geben und ist doch ganz er selbst in diesem Melodram über Liebe und Schmerz, Schuld und Versagen. Obwohl der Plot um den Verlust eines Mannes kreist, inszeniert Almodóvar wieder das, was er von jeher am besten kann: Eine Reflexion über die Beziehungen zwischen Frauen. In seinem 21. Film zeigt der Regisseur die Frau als geheimnisvolle Blonde in bester Hitchcock-Tradition - unergründlich nicht nur für ihre Vertrauten sondern auch für sich selbst. Ganz nebenbei feiert er in den Passagen über Julietas Jugend in den 1980er Jahren auch seine eigene. Adriana Ugarte wirkt als junge Julieta im Glam-Rock-Outfit wie eine wilde Mischung aus Tom Hulces Amadeus in Milos Formans Mozart-Biopic von 1984 und dem jungen Almodóvar. Wild, sophisticated, wunderschön!

Grit Dora

Toni Erdmann

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:30

Regie: Maren Ade, (Deutschland/Österreich/Rumänien), 2016

Darsteller: Sandra Hüller, Peter Simonischek, Michael Wittenborn u.a.

Toni Erdmann

Toni Erdmann, der eigentlich Winfried Conradi heißt, ist der coolste Lehrer you've ever seen.

Ob er einmal Musik unterrichtet hat, wird nicht ausgeführt. Wenn, dann nicht an einer staatlichen Schule (zumindest nicht in Sachsen). Nun ist er im Rentenalter und verdient sich ein paar Groschen mit Privatunterricht dazu. Da jedoch sein augenscheinlich einziger Schüler gerade das Handtuch geworfen hat, ergeben sich ungeahnte Freiräume.

Toni hat eine Tochter Ines - eigentlich zwei, aber die eine ist nur als Ersatz engagiert, weil die erste so wenig Zeit hat (O-Ton Erdmann). Ines arbeitet als „Unternehmensberaterin“ in Rumänien und Toni nutzt seine freie gewordene Zeit, um ihr einen spontanen Besuch abzustatten.

Dabei kann er seinem Affen so richtig Zucker geben, seinem skurrilen Humor, der schon in der Eingangsszene einen verdatterten Postboten zurücklässt, freien Lauf lassen. Mit einer unvergleichlichen Art, durch das Spiel mit verschiedenen Identitäten und sein ganzes eigenwilliges Auftreten, bei dem die Gegenüber oft nicht wissen, ist es jetzt Spaß oder Ernst, wirbelt er dabei Ines’ Leben gehörig durcheinander und provoziert scheinbar völlig irrationale Reaktionen, die in der Big-Business-Welt, wo scheinbar alles unter Kontrolle ist, mehr als ungewöhnlich sind.

Der Jury in Cannes war das leider keinen Preis wert, obwohl der Film dort von Kritikern und Publikum gefeiert wurde. Lag das nun daran, dass Toni zu skurril daher kam oder war er den Juroren nicht schräg genug? Ich befürchte Ersteres, was leider gar nicht für die Innovationskraft des weltgrößten Filmfestivals spräche.

Hätte er diese ganze Macht-Sex-Geld-Ausbeutungs-Maschine noch mehr bloß stellen sollen? Verdient hätte sie's. Doch das wäre ein ganz anderer Film geworden.

TCR

Das Original ist besser!Mahana - Eine Maori-Saga (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:30

Regie: Lee Tamahori, (Neuseeland/Australien), 2015

Darsteller: Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning u.a.

Mahana - Eine Maori-Saga (OmdU)

Jeder Familien-Clan wird angeführt von einem Oberhaupt, welches das Zeug dazu hat. So sagen die Meisten. Nur Wenige vermuten im Anführer jeweils den größten Schwächling der Sippe, der, ausgestattet mit der Macht, zum Tyrannen wird. Bei der Maori-Familie Mahana gilt Tamihanas Wort als Gesetz. Er lehrte die Seinen, mit guter und harter Arbeit als Schafscherer großes Ansehen und ein Einkommen bei den weißen Neuseeländern zu erlangen. Er gebietet über Leid und Freud; wen die Tochter heiraten oder ob der Sohn sich eigenes Land kaufen darf, entscheidet der Alte. Den Enkelkindern reglementiert er die Kinobesuche und immer straft er mit harter Hand und zusätzlicher Arbeit. Tamihanas 14-jähriger Enkelsohn Simeon (Akuhata Keefe) hinterfragt als Einziger den Machtanspruch seines Großvaters. In den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts ist das nichts Ungewöhnliches. Der Junge weigert sich auch, außerhalb des Elternhauses Ungerechtigkeiten einfach so hinzunehmen. Dass er sich ausgerechnet in Poppy verliebt, ein Mädchen aus dem Poata-Clan und dass er einen Sohn der Poata-Familie während einer Gerichtsverhandlung zu verteidigen sucht, erzürnt den Patriarchen gleich doppelt. Denn die Poatas, als Schafscherer direkte wirtschaftliche Konkurrenten, gelten seit Jahrzehnten als die Erzfeinde des Mahana-Clans. Bald findet Simeon heraus, auf welcher Begebenheit diese Feindschaft gründet. Er entdeckt ein altes Foto, auf dem seine Großmutter Ramona und Rupeni, der Anführer der Paotas, als junges Paar zu sehen sind. Wer hier wem die Frau weggenommen hat, muss der Junge erst noch in Erfahrung bringen. Doch schon jetzt lässt er sich von seinem Großvater keine Befehle mehr erteilen. Dass Simeons Vater an dieser Stelle zu seinem Sohn hält, führt zum offenen Bruch innerhalb der Familie, doch es birgt auch die Chance, sich endlich aus der Umklammerung Tamihanas zu lösen. Souverän inszeniert Lee Tamahori (»Whale Rider«) eine epische Familiensaga seines Heimatlandes und kehrt damit zu den Wurzeln seiner internationalen Erfolge zurück.

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