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Kinoprogramm Donnerstag, 10.10.2019 - Mittwoch, 16.10.2019

Playland USA

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45

Regie: Benjamin Schindler, (Deutschland), 2019

Playland USA

Eine traumhafte Reise durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten unternimmt diese spielerische Dokumentation und kreist dabei besonders um ein Thema: die alles durchdringende Selbsttäuschung auf der weltgrößten Theaterbühne. Die US-amerikanische Wirklichkeit speist sich offenbar aus einer nicht enden wollenden »Truman Show«. Jede Inszenierung beginnt mit »The American Dream«, mündet in landesweiten Vergnügungsparks aus religiösen Wahn, historischen Mythen oder unbarmherzigen TV-Entertainment und endet bestenfalls in einer obskuren »Twilight Zone«. Oder in einem durch-inszenierten Krieg wie bei »Wag The Dog«, als der amerikanische Präsident das Sex-Malheur mit einem Schlag gegen Albanien aus den TV-Nachrichten kegelte. Ein Jahr vor der Lewinsky-Affäre. Ehrlich gesagt, weiß man nie so recht, ob die wahren Geschichtsschreiber in Hollywood oder in Washington sitzen. Es ist das Huhn-Ei-Paradoxon und die Frage ist, glauben die Amerikaner, was sie sehen, oder sehen sie, was sie glauben. Probleme mit Fake & Fiktion existieren in den USA nicht erst seitdem ein blonder TV-Klon Präsident ist, dessen Lieblingssätze mit »Believe me …« beginnen und mit »… not true!« enden.

Benjamin Schindler durchdringt das Dickicht aus Hollywood-Tag-Träumen und steingewordenen Fantasie-Orten in einer akribischen Fleißarbeit auf der ständigen Suche nach dem letzten Vorhang. Hinter dem sich endlich nichts weiter erheben würde, als eine ehrliche Realität. Es gibt sie. Aber sie wird verdeckt von apokalyptischen Predigern, die auf Westernhelden treffen, von Ghostbusters, die mit dem guten alten Santa Claus frühstücken oder UFO-Jägern, die durch kindliche Beauty-Castings stolpern…

Alpa Kino

Systemsprenger

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30
20:00

Regie: Nora Fingscheidt, (Deutschland), 2019

Darsteller: Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide u.a.

Systemsprenger

Drei Wochen 1:1-Betreuung im Wald - ein Anti-Aggressionstraining, eigentlich für auffällige Jugendliche gedacht. In diesem Fall ist es die beinahe letzte Idee vor der dauerhaften Unterbringung eines neunjährigen Mädchens in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Benni ist ein „Systemsprenger, so der Fachjargon des Jugendamtes: Voller unbändiger Energie, brutal, wütend, unkontrollierbar. Ein um sich tretender Hilfeschrei. Sie hat schon Klinikaufenthalte, Pflegefamilien, Wohngruppen hinter sich. Fliegt immer wieder raus. Will heim zu ihrer Familie, der Mutter, den kleineren Geschwistern. Ein Rückweg, der versperrt ist, die Mutter hat Angst vor Bennis sozialer Sprengkraft und traut sich eh nichts zu. Im Hintergrund hält sich ein gewalttätiger Freund auf, Bildfetzen aus Bennis Albträumen, kurze Rückblenden legen eine atmosphärisch dichte Spur in die Vergangenheit. Der Fokus aber liegt auf der Gegenwart. Micha, der Anti-Gewalttrainer engagiert sich und verliert dabei fast die Distanz, die Sozialarbeiterin Frau Bafané sucht immer wieder einen neuen Weg, Ärzte, Erzieher, alle sind guten Willens, wollen nicht das Handtuch werfen. Trotzdem findet sich kein dauerhafter Platz für Benni, kein Ausgang, kein Zuhause. Regisseurin Nora Fingscheidt ist mit ihrem Spielfilmdebüt ein großer Wurf gelungen. Sie findet starke virtuose Bilder für Bennis inneres Drama. Am ehesten lässt sich die beklemmende Wucht von »Systemsprenger« mit Sean Bakers herausragendem »The Florida Project« (2018) vergleichen. Eine Fürsprache für die nicht Konformen - mit der nötigen ästhetischen Zugkraft für die große Leinwand. Zurecht auf der Berlinale ausgezeichnet. Helena Zengel spielt kraftvoll und authentisch Benni und hat die wunderbare Gabriela Maria Schmeide als Sozialarbeiterin an ihrer Seite.

Grit Dora

Das Original ist besser!Once upon a time... in Hollywood

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:00

Once upon a time... in Hollywood (OmdU)

Regie: Quentin Tarantino, (USA/Großbritannien), 2019

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie u.a.

Once upon a time... in Hollywood (OmdU)

Zwei Typen wie aus dem Filmlexikon: Western-Serienheld Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) versuchen damit klarzukommen, dass Daltons beste Zeit vorbei zu sein scheint. Rick versinkt in Selbstmitleid und Alkohol, Cliff bleibt gelassen. Produzent Marvin Schwarz (Al Pacino, noch geradeso hinter seiner Maske zu erkennen) will Dalton nach Italien exportieren, die Zeit der Spaghetti-Western bricht an. Doch Rick ist für Europa nicht zu begeistern. Lieber spielt er irgendwelche Wurzen als Bösewicht und lässt sich von Junggemüse leinwandwirksam zusammenwatschen. Der Stillstand seiner Karriere wird durch den Einzug neuer Nachbarn noch offensichtlicher. Es sind der junge Regiestar Roman Polanski (Rafal Zawierucha) und dessen Frau, die Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie). Rick versucht bei ihnen anzudocken. Cliff besucht derweil seinen alten Bekannten George Spahn (Bruce Dern). Dort in der Westernkulissenstadt hat sich auch die Manson-Familie eingenistet… man macht sich bekannt. Es ist das Jahr des Herrn 1969: Mondlandung, Woodstock und die Tate/LaBianca-Morde. Letztere sorgen für einen typisch tarantinoesken Showdown.

Sein neunter Film kommt in satten Braun- und Orange-Tönen und selbstverständlich auf 35mm. Die Zitat- und Stardichte ist enorm, Tarantino opfert dem Götzen ­Hollywood und sich selbst. Er nimmt sich dafür viel Zeit. Mit gewohnt knappem, kantigen Humor allerdings und gezielten Seitenhieben etwa gegen die „gottverdammten Hippies“. Politisch korrekt war Tarantino noch nie, aber immer brillant. »Once Upon A Time In… Hollywood« ist einmal mehr Kino pur.

Grit Dora

Das Original ist besser!Leid und Herrlichkeit - Dolor y gloria

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45

Leid und Herrlichkeit - Dolor y gloria (OmdU)

Regie: Pedro Almodóvar, (Spanien), 2019

Darsteller: Penélope Cruz, Antonio Banderas, Cecilia Roth u.a.

Leid und Herrlichkeit - Dolor y gloria (OmdU)

Um den Inhalt des Films in eine Zeile zu packen, reicht ein Zitat von Regisseur Pedro Almodóvar: „Basiert »Leid und Herrlichkeit« auf meinem Leben? Nein, und ja, auf jeden Fall.“ Der spanische Starregisseur entwirft ein faszinierendes Spiel zwischen Fiktion und autobiographischer Wahrheit, in dessen Mitte er sein fiktionales Abbild, Regisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas), setzt. Gegen Ende seiner Laufbahn blick Salvador zurück auf drei Epochen seines schillernden Lebens: Am Beginn steht seine Kindheit in den 60ern, als er mit seiner Familie auf der Suche nach Wohlstand nach Valencia emigriert. Seine liebevolle Mutter (Penélope Cruz) versucht alles, ihm ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Dennoch wird sie ihm später vorhalten, dass er angesichts ihrer Opfer kein guter Sohn gewesen sei. In den 80er Jahren zieht es Salvador nach Madrid, wo er mit dem Argentinier Federico seine erste große Liebe trifft. Der Schmerz der Trennung treibt ihn zum Schreiben. Die Kreativität wird seine Therapie und bald ist er einer der innovativsten und erfolgreichsten Filmschaffenden Spaniens. Im Hier und Jetzt reflektiert er mithilfe dieser Erinnerungen, alter Weggefährten und einer Dosis Heroin über die Jahre, in denen er als Regisseur große Erfolge feierte und schmerzliche Verluste verdauen musste. Die Verarbeitung der Vergangenheit hilft ihm schließlich, den Weg in ein neues Leben zu finden. Sowohl Banderas als auch Cruz waren stets Teil Almodóvars Filmgeschichte. Dass sie somit in seinem intimsten, aber womöglich auch bestem Film mitwirken, scheint passend. Banderas war nie besser!

Viktoria Franke

Das Original ist besser!Midsommar

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:30

Midsommar (OmdU)

Regie: Ari Aster, (USA), 2019

Darsteller: Florence Pugh, Will Poulter, William Jackson Harper u.a.

Midsommar (OmdU)

Vor nicht allzu vielen Monaten war ich begeistert, wie Regisseur Jordon Peel dem Horrorgenre zu neuem Glanz verhalf. Neulich schaute er den Rohschnitt von »Midsommar« und meinte sofort, dass „Wicker Man“, der ultimative Happy Pagan Horror Meilenstein schlechthin, gerade entthront wurde. Na dann mal los.

Christian (Jack Reynor) will sich eigentlich schon längst von seiner Freundin Dani (Florence Pugh) trennen. Aber als sie mit einem schrecklichen Unglück in ihrer Familie konfrontiert wird, fasst er sich nochmal ans Herz und lädt sie stattdessen ein, mit ihm und seinen Kumpels Pelle (Vilhelm Blomgren), Josh (William Jackson Harper) und Mark (Will Poulter) den Sommern in Schweden zu verbringen. Dort feiert Pelles Dorfgemeinschaft ein neuntägiges, in dieser Art nur alle 90 Jahre stattfindendes Festival. Neben Kultgefühl und Spiritualität gibt es dazu noch alles übers Grillen, Party, „special way of life“ Sachen und selbstverständlich auch ne Runde psychedelische Drogen. Das hört sich erstmal nach dem, übrigens verdächtig nah am Releasedate stattfindenden, Burning Man Festival an. Doch Regisseur Ari Aster, der mit seinem Debütfilm »Hereditary - Das Vermächtnis« einen soliden Start hinlegte, liefert nun ein, ich sag mal Trennungsfilm und Folklore-Mythen-Horror Meisterwerk. Wenn dann auch noch A24 als Produktionsfirma dahintersteckt, sollte klar sein, dass dieser Film nicht optional ist, sondern Pflichtprogramm.

José Bäßler