I like Thalia Kino Dresden on Facebook

Kinoprogramm Donnerstag, 10.10.2019 - Mittwoch, 16.10.2019

Das Original ist besser!Leid und Herrlichkeit - Dolor y gloria

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45

Leid und Herrlichkeit - Dolor y gloria (OmdU)

Regie: Pedro Almodóvar, (Spanien), 2019

Darsteller: Penélope Cruz, Antonio Banderas, Cecilia Roth u.a.

Leid und Herrlichkeit - Dolor y gloria (OmdU)

Um den Inhalt des Films in eine Zeile zu packen, reicht ein Zitat von Regisseur Pedro Almodóvar: „Basiert »Leid und Herrlichkeit« auf meinem Leben? Nein, und ja, auf jeden Fall.“ Der spanische Starregisseur entwirft ein faszinierendes Spiel zwischen Fiktion und autobiographischer Wahrheit, in dessen Mitte er sein fiktionales Abbild, Regisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas), setzt. Gegen Ende seiner Laufbahn blick Salvador zurück auf drei Epochen seines schillernden Lebens: Am Beginn steht seine Kindheit in den 60ern, als er mit seiner Familie auf der Suche nach Wohlstand nach Valencia emigriert. Seine liebevolle Mutter (Penélope Cruz) versucht alles, ihm ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Dennoch wird sie ihm später vorhalten, dass er angesichts ihrer Opfer kein guter Sohn gewesen sei. In den 80er Jahren zieht es Salvador nach Madrid, wo er mit dem Argentinier Federico seine erste große Liebe trifft. Der Schmerz der Trennung treibt ihn zum Schreiben. Die Kreativität wird seine Therapie und bald ist er einer der innovativsten und erfolgreichsten Filmschaffenden Spaniens. Im Hier und Jetzt reflektiert er mithilfe dieser Erinnerungen, alter Weggefährten und einer Dosis Heroin über die Jahre, in denen er als Regisseur große Erfolge feierte und schmerzliche Verluste verdauen musste. Die Verarbeitung der Vergangenheit hilft ihm schließlich, den Weg in ein neues Leben zu finden. Sowohl Banderas als auch Cruz waren stets Teil Almodóvars Filmgeschichte. Dass sie somit in seinem intimsten, aber womöglich auch bestem Film mitwirken, scheint passend. Banderas war nie besser!

Viktoria Franke

Systemsprenger

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Regie: Nora Fingscheidt, (Deutschland), 2019

Darsteller: Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide u.a.

Systemsprenger

Drei Wochen 1:1-Betreuung im Wald - ein Anti-Aggressionstraining, eigentlich für auffällige Jugendliche gedacht. In diesem Fall ist es die beinahe letzte Idee vor der dauerhaften Unterbringung eines neunjährigen Mädchens in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Benni ist ein „Systemsprenger, so der Fachjargon des Jugendamtes: Voller unbändiger Energie, brutal, wütend, unkontrollierbar. Ein um sich tretender Hilfeschrei. Sie hat schon Klinikaufenthalte, Pflegefamilien, Wohngruppen hinter sich. Fliegt immer wieder raus. Will heim zu ihrer Familie, der Mutter, den kleineren Geschwistern. Ein Rückweg, der versperrt ist, die Mutter hat Angst vor Bennis sozialer Sprengkraft und traut sich eh nichts zu. Im Hintergrund hält sich ein gewalttätiger Freund auf, Bildfetzen aus Bennis Albträumen, kurze Rückblenden legen eine atmosphärisch dichte Spur in die Vergangenheit. Der Fokus aber liegt auf der Gegenwart. Micha, der Anti-Gewalttrainer engagiert sich und verliert dabei fast die Distanz, die Sozialarbeiterin Frau Bafané sucht immer wieder einen neuen Weg, Ärzte, Erzieher, alle sind guten Willens, wollen nicht das Handtuch werfen. Trotzdem findet sich kein dauerhafter Platz für Benni, kein Ausgang, kein Zuhause. Regisseurin Nora Fingscheidt ist mit ihrem Spielfilmdebüt ein großer Wurf gelungen. Sie findet starke virtuose Bilder für Bennis inneres Drama. Am ehesten lässt sich die beklemmende Wucht von »Systemsprenger« mit Sean Bakers herausragendem »The Florida Project« (2018) vergleichen. Eine Fürsprache für die nicht Konformen - mit der nötigen ästhetischen Zugkraft für die große Leinwand. Zurecht auf der Berlinale ausgezeichnet. Helena Zengel spielt kraftvoll und authentisch Benni und hat die wunderbare Gabriela Maria Schmeide als Sozialarbeiterin an ihrer Seite.

Grit Dora

Das Original ist besser!Midsommar

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:30

Midsommar (OmdU)

Regie: Ari Aster, (USA), 2019

Darsteller: Florence Pugh, Will Poulter, William Jackson Harper u.a.

Midsommar (OmdU)

Vor nicht allzu vielen Monaten war ich begeistert, wie Regisseur Jordon Peel dem Horrorgenre zu neuem Glanz verhalf. Neulich schaute er den Rohschnitt von »Midsommar« und meinte sofort, dass „Wicker Man“, der ultimative Happy Pagan Horror Meilenstein schlechthin, gerade entthront wurde. Na dann mal los.

Christian (Jack Reynor) will sich eigentlich schon längst von seiner Freundin Dani (Florence Pugh) trennen. Aber als sie mit einem schrecklichen Unglück in ihrer Familie konfrontiert wird, fasst er sich nochmal ans Herz und lädt sie stattdessen ein, mit ihm und seinen Kumpels Pelle (Vilhelm Blomgren), Josh (William Jackson Harper) und Mark (Will Poulter) den Sommern in Schweden zu verbringen. Dort feiert Pelles Dorfgemeinschaft ein neuntägiges, in dieser Art nur alle 90 Jahre stattfindendes Festival. Neben Kultgefühl und Spiritualität gibt es dazu noch alles übers Grillen, Party, „special way of life“ Sachen und selbstverständlich auch ne Runde psychedelische Drogen. Das hört sich erstmal nach dem, übrigens verdächtig nah am Releasedate stattfindenden, Burning Man Festival an. Doch Regisseur Ari Aster, der mit seinem Debütfilm »Hereditary - Das Vermächtnis« einen soliden Start hinlegte, liefert nun ein, ich sag mal Trennungsfilm und Folklore-Mythen-Horror Meisterwerk. Wenn dann auch noch A24 als Produktionsfirma dahintersteckt, sollte klar sein, dass dieser Film nicht optional ist, sondern Pflichtprogramm.

José Bäßler