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Kinoprogramm Donnerstag, 16.05.2013 - Mittwoch, 22.05.2013

Jäger des Augenblicks - Ein Abenteuer am Mount Roraima

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00 18:00 18:00
19:00 19:00 19:00 19:00

Regie: Christian Lonk, Philipp Manderla, Malte Röper, (Österreich), 2012

Darsteller: Stefan Glowacz, Holger Heuber, Kurt Albert u.a.

Jäger des Augenblicks - Ein Abenteuer am Mount Roraima

Der sagenumwobene Tafelberg Roraima im Dreiländereck von Brasilien, Venezuela und Guyana steht gleichsam sinnbildlich für Abenteuer fernab jeglicher Zivilisation und ist von atemberaubender, unvergleichlicher Schönheit. Ende Februar 2010 startet Stefan Glowacz gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern Kurt Albert, Begründer der Rot-Punkt Kletterbewegung, und Holger Heuber zu einer Expedition ins Ungewisse. Das Ziel ist klar, der Weg dorthin (noch) nicht.

Zunächst in Einbäumen über Flussläufe, dann zu Fuß, geht es zwei Wochen durch den Dschungel - „by fair means“, das heißt ohne technische Hilfsmittel zur Fortbewegung, erkämpfen sich die Kletterer bei 40 Grad und Dauerregen den Weg durch jenen Urwald, der auch als „Lost World“ bekannt ist. Schließlich nach 1000 Höhenmetern erreichen sie den gewaltigen, schiffsbugartig aufragenden Felspfeiler namens 'La Proa'. Über diese 600 Meter überhängende Nordwand möchten sie den Tafelberg Roraima via einer neuen spektakulären Route erreichen. Doch der Dauerregen, der riesige Wasserfälle herabstürzen lässt, und eine Verletzung am Fuß zwingen die Freunde, ihr Abenteuer in Wandmitte abzubrechen.

Noch im November des gleichen Jahres kehren Stefan Glowacz und Holger Heuber an diese Stelle zurück, um ihre Route zu vollenden. Es wird jedoch ihre schwerste Tour, denn ihr langjähriger Freund und Kletterpartner Kurt Albert kann sie auf ihrer wochenlangen Expedition im Fels nicht mehr begleiten…

»Jäger des Augenblicks« führt uns an einen magischen Ort der Erde und lässt uns an der spektakulären Tour dreier Männer teilhaben, die leidenschaftlich das extreme Abenteuer suchen.

Die Besteigung des Roraima gerät zu einer Tour de Force, einfühlsam und authentisch in noch nie da gewesener Nähe zu den Protagonisten. Für Qualität bürgt ein hochkarätiges und erfahrenes Filmteam: Kolja Brandt erhielt für »Nordwand« den Bundesfilmpreis für die beste Kamera, Franz Hinterbrandner (2. Kamera) drehte u.a. die Wandaufnahmen in »Am Limit« und »Eternal Flame«.

Die Jagd

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00 20:00 20:00
21:00 21:00 21:00 21:00

Regie: Thomas Vinterberg, (Dänemark/Schweden), 2012

Darsteller: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Alexandra Rapaport u.a.

Die Jagd

Das Kino der Zukunft? „Ich hoffe, dass es mich bewegt. Und mir Schrecken einjagt.“ Das sagt der dänische Regisseur Thomas Vinterberg (»Das Fest«, »Dear Wendy«). Und traut sich was: Er macht einen Film über einen zu Unrecht des Kindesmissbrauchs verdächtigten Mann. »Die Jagd« ist ein nachhaltig wirkender Film über eine Hexenjagd auf Lucas (Mads Mikkelsen). Die kleine Klara (Annika Wedderkopp) begegnet ihm oft: Im Kindergarten, wo er arbeitet, vor dem Supermarkt, wenn sie sich verlaufen hat. Und wenn sich ihre Eltern - gute Freunde von Lucas - streiten und sie traurig vor dem Haus steht, dann nimmt der sie mit in den Kindergarten. Wir sehen einen freundlichen Mann, der immer hilfsbereit ist und den auch die anderen Kinder lieben, weil er mit ihnen tobt. Und wir sehen die Zurückweisung: Sie solle ihn nicht auf den Mund küssen, sagt er ihr. Und das selbst gebastelte Herz lieber ihrer Mutter als ihm schenken. Klara, die zu Hause gerade nicht viel Aufmerksamkeit erfährt, ist gekränkt. Sie vertraut der Kindergärtnerin Grete (Susse Wold) an, Lucas habe sie angefasst und ihr seinen Pipimann gezeigt.

Damit ist es in der Welt. Und da Kinder nicht lügen, wie Grete meint, beginnt ein Karussell von Verunsicherung und Hysterie, das nicht zu stoppen ist. Eltern werden informiert, Kinder befragt, Lucas gemieden, entlassen und schließlich offen angegriffen. Erschrockene Versuche der kleinen Klara die Sache richtig zu stellen, werden von den Erwachsenen übergangen: „Auch wenn es für dich schlimm ist sich zu erinnern: Es ist passiert.“

Dass der Fokus die meiste Zeit auf Lucas liegt, macht das Zusehen besonders schlimm: Man möchte die langjährigen Freunde von Lucas anschreien, warum sie ihn nicht einmal zu Wort kommen lassen, man möchte den Psychologen rauswerfen, der mit suggestiven Fragen eine Situation herauf beschwört, die nicht annähernd stattgefunden hat. Und man möchte die Eltern dafür beschimpfen, dass sie nicht im Traum darauf kommen, dass ihre Tochter schlicht gemein sein wollte und Lucas „bestrafen“. Doch gleichzeitig weiß man, dass Eltern natürlich ihr Kind schützen, wenn ein solch ungeheuerlicher Verdacht im Raum steht. Auch wenn der mutmaßlich Täter der beste Freund seit Kindertagen ist.

Dass die Hexenjagd nicht in einem Lynchmord endet, ist dem Drehbuch von Thomas Vinterberg und Tobias Lindholm zu verdanken. Sie sparen nicht mit Hass und Gewalt, auch wenn Solidarität bei einem alten Freund und Lucas' getrennt lebendem Sohn Marcus zu finden ist. Nach einer Eskalation beim Weihnachtsgottesdienst scheint eine Wende möglich. Aber das Ende hinterlässt doch ein schreckliches, hilfloses Gefühl: Es wird nie aufhören.

Was Thomas Vinterberg vom Kino der Zukunft erwartet, hat er in seinem eigenen Film bereits meisterhaft eingelöst.

Petra Wille

The Master

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:30
22:15 22:15 22:15

Regie: Paul Thomas Anderson, (USA), 2012

Darsteller: Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams u.a.

The Master

Immer wieder als „Scientology-Drama“ angekündigt, kommt mit »The Master« der neue Film von Paul Thomas Anderson (»There Will Be Blood«, »Punch-Drunk Love«, »Magnolia«) ins Kino und mit den drei Hauptdarstellern gleich drei OSCAR-Nominierte. Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix haben in Venedig bereits gemeinsam die Coppa Volpi erhalten. Die beiden verkörpern ein Vater-Sohn-ähnliches Gespann. Ob dies nun die Geschichte des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard ist oder nicht, spielt für den Film keine entscheidende Rolle, es wird folgendes erzählt: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrt Freddie Quell (Joaquin Phoenix) heim. Er ist traumatisiert, alkoholabhängig, aggressiv und unbeherrscht. Neue Jobs verliert er deswegen schnell wieder. Betrunken landet er auf dem Schiff von Lancaster Dodd (Philip Seymour Hoffman), dem Gründer einer obskuren Bewegung namens „The Cause“, der sich als philosophischer Schriftsteller, Wissenschaftler und Arzt bezeichnet. Zusammen mit seiner Frau (Amy Adams), seiner Tochter und einigen Anhängern reist er durch das Land und heilt Menschen mittels Hypnose. Er lässt sich von Freddie mit dessen selbstgebranntem hochprozentigen Getränk versorgen, dem er sehr zugetan ist, weshalb Freddie quasi mit Erlaubnis selbst weiter dem Alkohol frönt. Er schließt sich „The Cause“ und vor allem Dodd so bedingungslos an, dass er Gegnern der Bewegung teilweise gewalttätig begegnet. Dodd versucht ihn mit Übungen und Trainings zu einem „besseren Menschen“ zu erziehen, aber Freddie ist unberechenbar und explodiert immer wieder.

Wie Joaquin Phoenix die Figur des Freddie darstellt, ist völlig unglaublich: Er hat ein schiefes Gesicht und die Haltung ist mehr als schlecht. Er wirkt gleichzeitig gebrechlich und voller Energie, von der man aber vorher nie weiß, in welche Richtung sie sich Bahn bricht. Dodd ist das totale Gegenteil: von sich und seiner Mission überzeugt, pseudo-intellektuell, charismatisch und sehr manipulativ. Wie sehr er von seiner berechnenden Frau gesteuert wird, kommt erst spät heraus.

Paul Thomas Anderson hat ein episches Werk von weit über zwei Stunden geschaffen, das zwar nicht über die ganze Zeit den roten Faden behält, aber durch großartige Schauspielerleistungen überzeugt und eine faszinierende Männerbeziehung aus der US-amerikanischen Nachkriegszeit beschreibt.

Petra Wille

Eric Drooker - Postershow & Diskussion

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:00

Der Grafiker, Illustrator und Cartoonist Eric Drooker ist im Rahmen einer Gastprofessur an der HfBK Saarbrücken auch auf einer kurzen Europatour unterwegs, auf der er seine Arbeiten, die immer auch ein klares politisches Statement sind, präsentiert und diskutiert. Seine Motive finden sich weltweit auf unzähligen Konzertflyern und politischen Plakaten der letzten zwanzig Jahre. Bekannt wurde er außerdem durch seine stark von Frans Masereel beeinflußten Grafikbände, seine Plattencover für u.a. ...But Alive!, Rage Against The Machine, Faith No More und nicht zuletzt für seine Zusammenarbeit mit Allan Ginsberg.

präsentiert von show.your.heart & secretgirlacts