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Kinoprogramm Donnerstag, 27.11.2014 - Mittwoch, 03.12.2014

Neues von Pettersson und Findus

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
15:45 15:45

Regie: Albert Hanan Kaminski, Torbjörn Jansson, (Schweden/Deutschland), 2002

Neues von Pettersson und Findus

Der alte Grantler und sein Kater kommen endlich wieder auf die Leinwand, und es wird Zeit, dass Findus etwas ordentlicher wird, meint Pettersson. Die Katze aber sieht das anders. Sie ist der Meinung, dass Aufräumen keinesfalls Katzenarbeit ist. Der alte Herr aber setzt seinen Kater gehörig unter Druck. Da bleibt dem gewitzten Viech nichts anderes übrig, als in einem fantasievollen Brief dem König seine Nöte zu schildern und der soll es dann richten, richtet aber weiter nichts als ein riesiges Chaos an, an dem ein längst vergessener Verwandter, ein Paar Hühner aus dem All, ein cooler Tiger und eine irre und ewig hungrige Maus nicht ganz unschuldig sind. Wie schon den ersten Kinofilm hat Albert Hanan Kaminski auch diesen wundervollen Streifen für die Leinwand illustriert.

Das Original ist besser!Plötzlich Gigolo (OmU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:15 17:15 17:15 17:15 17:15 17:15 17:15

Regie: John Turturro, (USA), 2013

Darsteller: John Turturro, Woody Allen, Vanessa Paradis u.a.

Plötzlich Gigolo (OmU)

Alles beginnt mit einem Witz. Nach einem Arztbesuch jongliert Murray gewagt und auch etwas entrückt mit den feuchten Träumen seiner Hausärztin Dr. Parker, die jenseits der Fünfzig noch von einer gepflegten menage à trois schwärmt. Oh nein, bei Gott, nicht sich selbst sähe er in der Mitte liegen; eher schon seinen besten Freund und von heute an arbeitslosen Ex-Angestellten Fioravante. Jawohl. Dr. Parker annoncierte nämlich, eine ordentliche Summe in das Dreier-Projekt investieren zu wollen. Und jetzt, wo der kleine Buchladen pleite ist und Fioravante nur noch stundenweise als Florist geht, könne er doch jeden Doller gebrauchen. Pikant wird die Sache durch Zweierlei; erstens übersieht Murray keinesfalls für die zukünftig zustande kommenden Schäferstündchen, sagen wir mal sechzig, jawohl, sechzig Cent von jedem Dollar einzubehalten, ein Geschäftsmann durch und durch,… was uns auch gleich zum zweiten pikanten Umstand führt; Murray ist Jude, jenseits der siebzig und wird von Woody Allen verkörpert. Um es gleich vorweg zu nehmen; das Tempo, das Thema und die Haptik der im Film berührten Dinge und Personen verlangen nach einem erwachsenen Publikum. Denn, mit Verlaub, welchen Genuss würden wohl Heranwachsende vergeblich zu erspüren suchen beim Erscheinen der 56-jährigen Sharon Stone. Die zuerst ganz allein und später auch gemeinsam mit ihrer besten Freundin Selima (Sofía Vergara) das Vergnügen haben wird, John Turturro zu empfangen. Der eben noch in Michael Bays »Transformers« Funken sprühte und hier seine 7. Regiearbeit abliefert. Mr. Allen und Mr. Turturro teilen sich denselben Barbier, und dieser verquatschte sich mit Turturros Drehbuchidee bei Woody Allens Haarschnitt. Ein paar Tage später hatte Turturro einen väterlichen Freund und einen Zuhälter. Jetzt brauchte es nur noch etwas sinnliche Zielstrebigkeit sowie einen Nebenplot, der das hysterische Kreischen lüsterner Ehefrauen und das fröhliche Geplapper seines greisen Pimps entschleunigte. Eine Geschichte etwa wie die von der zutiefst chassidisch jüdisch orthodoxen Witwe, bei der Murray die Läuse seiner Stiefkinder behandeln lässt. Ob Avigal (Vanessa Paradis) vielleicht auch ein wenig einsam ist?

alpa kino

Das Salz der Erde

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00 19:00 19:00 19:00 19:00 19:00 19:00

Regie: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, (Frankreich/Brasilien), 2014

Darsteller: Sebastião Salgado u.a.

Das Salz der Erde

Von einem sichtlich bewegten Publikum wurde Wim Wenders dieses Jahr in Cannes gefeiert und für seinen Dokumentarfilm »Das Salz der Erde« in der Rubrik ""Un Certain Regard"" ausgezeichnet. Er blickt darin zurück auf das Werk und das Leben des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, die schwer voneinander zu trennen sind. So machte der junge Salgado seine ersten Fotos als Wirtschaftsreisender in Afrika, was ihn dazu bewegte, seinen aussichtsreichen Job aufzugeben und als Fotoreporter um die Welt zu ziehen. Für seinen späteren Auftraggeber Magnum dokumentierte er über die Jahre u.a. die Hungersnot im Sudan, die Massenmorde in Ruanda, Flüchtlingsströme aus Jugoslawien und brennende Ölfelder im Irak. Erlebnisse, die ihn abstumpften und zugleich den Glauben an das Gute im Menschen raubten, so dass er sich nach Brasilien zurückzog und dort half, verdorrtes Land wieder aufzuforsten. Nach dieser Erfahrung kehrte er zur Fotografie zurück - diesmal allerdings, um als Naturfotograf die Schönheit des Lebens festzuhalten.

Wenders geht in seiner Dokumentation chronologisch vor, beschränkt sich überwiegend auf Salgados eigenes Foto- und Videomaterial, das vom Künstler aus dem Off kommentiert wird, ergänzt diese lediglich um einige kurze Interviews mit dessen Frau und Sohn Juliano Ribeiro, der als Co-Regisseur für die sehr persönliche Färbung verantwortlich ist. Beeindruckend ist die gelassene Art, mit der Salgado, ein Mann, der alles gesehen hat, als heute 70-Jähriger auf sein Werk blickt. Wim Wenders hält sich zurück, lässt die Bilder wirken, die bei aller Dramatik auch eine große Schönheit offenbaren, und zieht somit eine große Portion Hoffnung aus Salgados Geschichte, die einen tatsächlich vor Ehrfurcht erstarren lässt.

Felix

Das Original ist besser!Am Sonntag bist du tot (OmU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:00 21:00 21:00 21:00 21:00 21:00 21:00

Regie: John Michael McDonagh, (Irland), 2014

Darsteller: Brendan Gleeson, Chris O’Dowd, Kelly Reilly u.a.

Am Sonntag bist du tot (OmU)

Vater Lavelle ist ein kerniger Gottesmann, der seinen Platz in der irischen Landschaft gut ausfüllt, ein sympathischer Priester, das Herz auf dem rechten Fleck und mit der nötigen Trinkfestigkeit ausgestattet, die es in einer Gemeinde wie seiner braucht. Er ist Kummer gewohnt, viele der ihm anvertrauten Schäfchen sind schwierige Zeitgenossen. Es überrascht den Vater aber doch, als ihm ein Mann während der Beichte mit dem Tod droht. Netterweise gibt er Lavelle sieben Tage Zeit, seine Angelegenheiten zu regeln. Am nächsten Sonntag will er ihn am Strand töten. Der Unbekannte ist als Kind lange Zeit regelmäßig von einem katholischen Geistlichen missbraucht worden, der inzwischen gestorben ist. Er will Buße: das Leben eines unschuldigen Kirchenmannes. Lavelle gilt als moralisch einwandfreier Gottesdiener. Das Beichtgeheimnis im Nacken, begibt sich der Priester auf die Suche nach seinem zukünftigen Mörder. Die Vorgesetzten halten sich bedeckt, die Gemeindemitglieder kooperieren nicht gern. Der gute Hirte steht allein und plagt sich zunehmend mit Selbstzweifeln. Auch mit seiner psychisch instabilen Tochter (Kelly Reilly) hat er einiges zu klären. Sie hat einen gescheiterten Suizid hinter sich und ihrem Vater etwas zu vergeben. Wer hat schon eine wirklich weiße Weste? Der Landpfarrer geht seinen ganz eigenen Weg nach Golgatha (im Englischen „Calvary“, so der Originaltitel des Films). Praktisch veranlagt, wie er ist, zieht Lavelle alle Möglichkeiten in Betracht, auch die der Notwehr. Mit herbem Charme und trockenem Humor zeichnet Brendan Gleeson den bodenständigen Gottesmann trotz seiner inneren Kämpfe als einen wahren Fels in der irischen Brandung. Kameramann Larry Smith (»Only God forgives«, »The Guard«) spiegelt mit monumentalen Landschaftsaufnahmen kongenial die inneren Kämpfe des Gottesdieners. Regisseur John Michael McDonagh überrascht mit einem dunklen Film, der als Groteske beginnt und in ein Drama mündet. Die Frage nach Schuld und Sühne verpackt er in einen kriminell spannenden Plot. Mit »Am Sonntag bist du tot« kommentiert er einfühlsam und selten intelligent den jahrzehntelang geduldeten Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche.

Grit Dora

Das Original ist besser!Mommy (OmU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
23:00 23:00 23:00 23:00 23:00 23:00 23:00

Regie: Xavier Dolan, (Frankreich/Kanada), 2014

Darsteller: Anne Dorval, Antoine-Olivier Pilon, Suzanne Clément u.a.

Mommy (OmU)

Diane, genannt “Die” ist ihrem 15-jährigen Sohn ähnlicher, als sie es vermutlich selbst wahrhaben möchte: Sie ist laut, emotional und neigt zu Stimmungsschwankungen, wobei zu Tode betrübt deutlich öfter vorkommt als himmelhoch jauchzend. Eigentlich ist Diane seit dem Tod ihres Mannes seelisch und finanziell am Ende, woran ihr hyperaktiver Sohn Steve einen großen Anteil hat: Seine Gewaltausbrüche führen regelmäßig zu Gerichtsverfahren und saftigen Schadensersatzzahlungen. Aber Diane ist trotz allem voller Hoffnung. Sie hofft zum Beispiel, dass ihr Sohn nicht wieder zurück ins Heim muss und den Schulabschluss schafft.

Man gewinnt sie lieb, diese laute, prollige Vorstadtschönheit mit dem Charme einer Dampfwalze, die von einer Minute zur anderen auf Grande Dame wechseln kann und eigentlich nur eines will: ein bisschen Ruhe und Sicherheit. Ihr Sohn Steve ist so nervig, dass es schon beinahe wehtut, ihm zuzuschauen, wie er sich immer mehr aufspult, wie seine Wut wächst und wächst, bis sie schließlich übermächtig wird und er die Kontrolle verliert. Schnell wird klar, dass Steve, der schon mehrfach und fruchtlos in Erziehungsheimen war, seine Probleme weder selbst noch mit Hilfe seiner Mutter lösen kann. Die beurlaubte Lehrerin Kyla, Dianes sanftmütige Nachbarin, entpuppt sich als Helferin in der Not. Sie hat Sprachprobleme – die Gründe dafür sind mysteriös. Jedenfalls redet Kyla nur wenig. Aber genau diese Konstellation ist es, die Steve zu beruhigen scheint. Mit ihr zusammen kann er lernen, und mit ihr gemeinsam verleben Steve und Diane die ersten unbefangen glücklichen Stunden seit langem.

Inhaltlich geht es in dem facettenreichen Drama vor allem um familiär bedingte Widersprüche von Liebe und Hass, ein Thema, das bisher in allen Filmen von Xavier Dolan eine offenkundig autobiographisch geprägte Hauptrolle spielt. Dolan hat für sein ambitioniertes Drama über ein kaputtes Mutter-Kind-Verhältnis das ungewöhnliche 5:4-Format gewählt, das auf der Leinwand beinahe wie 1:1 wirkt. Dieses Format ermöglicht Einzelporträts von großer Aussagekraft, ohne jedes Beiwerk links und rechts rücken die Gesichter in allen Einzelheiten in den Mittelpunkt. Nur gelegentlich – beim ersten Mal durchaus spektakulär eingesetzt – weitet sich der Blick und damit das Bild. Das ist nicht nur innovativ, sondern auch extrem wirkungsvoll. Dolan spielt außerdem mit ungewöhnlichen Blickwinkeln, mit Unschärfen, Zeitlupen und mit einem Soundtrack, der, passend zu den Hauptdarstellern, zwischen rustikalen, lauten Popsongs und leisen, jazzigen Tönen wechselt. Dieser kreative Einsatz filmischer Mittel wirkt manchmal beinahe übermütig, bleibt aber immer durchdacht und effizient.

Anne Dorval spielt mit ungeheurer schauspielerischer Präsenz die Diane, diese Mutter mit ebenso vielen Schwächen wie Stärken, die von allem ein bisschen zu viel hat: Ihre Jeans sind immer ein bisschen zu eng und die Röcke zusätzlich zu kurz, die Blusen zu durchsichtig und die Absätze zu hoch, als dass sie bequem darauf gehen könnte. Sie wirkt intelligent, doch ihre Sprache ist beinahe abstoßend gewöhnlich, und es scheint, als ob diese offenkundig taffe Frau ihr Gesicht nicht einen Moment stillhalten kann. Sie ist gleichzeitig ordinär und elegant, sexy und abstoßend, eine Kämpferin, die weder sich noch ihren Sohn aufgeben will und ganz selbstverständlich als Putzfrau arbeitet, weil sie nichts anderes finden kann. Dianes Nachbarin Kyla spielt Suzanne Clément, eine zierliche Dame mit großen, scheuen Augen und einem zarten Lächeln. Sie verkörpert alles, was Diane gerne sein möchte, ist gebildet, hat einen angesehenen Beruf, einen Ehemann, eine wohlerzogene Tochter und ein schönes Haus. Suzanne Clément verleiht ihr eleganten Charme und einen Hauch Mysterium, denn die Gründe für Kylas Sprachstörung bleiben im Dunkeln, obwohl es Anhaltspunkte gibt.

Und dann ist da noch dieser unglaubliche Junge: Antoine-Olivier Pilon, der als Steve alle schauspielerischen Grenzen zu überwinden scheint. Er ist zärtlich, wild und anmutig, aber auch grausam, hässlich und hemmungslos – ein zorniger, junger Mann von der alptraumhaften Sorte, der im Verlauf der Geschichte immer sympathischer wird. Wie Xavier Dolan, selbst kaum dem Teenageralter entwachsen, seine Schauspieler zu derart reifen, intensiven Leistungen aktivieren kann, ist vielleicht das größte Wunder dieses Films, der schrecklich schön und ungeheuer spannend ist: ein cineastisches Erlebnis mit überwältigender Wirkung.

Gaby Sikorski

Bundesstart - Das Debüt im Thalia