I like Thalia Kino Dresden on Facebook

Kinoprogramm Donnerstag, 14.11.2019 - Mittwoch, 20.11.2019

Das Original ist besser!Bis dann, mein Sohn

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:30

Regie: Xiaoshuai Wang, (China), 2019

Darsteller: Liya Ai, Jiang Du Jiang Du, Zhao-Yan Guo-Zhang u.a.

Bis dann, mein Sohn

In kaum einem Land ist, wie in China heutzutage, das Politische auch das Private. Und blickt man nur dreißig Jahre zurück, fragt man sich, ob es in China je anders war. Wenn deine beste Freundin dich zur erfolgreichen Abtreibung deines zweiten Kindes beglückwünscht, und sie tut das öffentlich und im Auftrag der Partei, dann steht man als chinesische Mutter irgendwie mit dem Rücken zur Wand. Mit nur einem Kind. Die Geschichte zweier befreundeter Familien, deren beide Söhne am selben Tag geboren sind und so durch das emotionale Band ihrer Eltern verknüpft waren, beginnt 1985 zur Zeit der Einführung der Ein-Kind-Politik. Eine garstige Laune des Schicksals entreißt den Eheleuten Liu Yaojun und Wang Liyun nach dem politischen Opfer auch noch ihren Sohn Xingxing, der sein Leben bei einem Badeunfall verliert. Dieser Unglücksfall soll sich durch den gesamten Film ziehen wie ein roter Faden und Regisseur Wang Xiaoshuai legt diesen Faden kunstvoll in unzähligen Schlaufen und Schleifen übereinander. An keinem Tag mag Xiaoshuai einen Schluss-Strich ziehen unter das Kapitel Verlust. Und er leuchtet die gesellschaftlichen Miss-Stände aus, weil das Private auch immer das Politische ist. Über einen großen Zeitraum verfolgt er beide Familien, Li Haiyan, die Familienplanungsbeauftragte, und ihren Mann Shen Yingming, den Karrieristen, sowie Wang Liyun, die vom Schicksal betrogene Mutter und ihren Mann Liu Yaojun. Letztere ziehen bald fort, sie suchen eine Bleibe am Meer, passen die Bedürfnisse den Verhältnissen an und finden ein wenig Ablenkung, indem sie einen Jungen adoptieren. Welchen sie Xingxing nennen. Und während der Kommunismus Hochzeit mit den turbokapitalistischen Verheißungen hält, kommen die Menschen nicht zur Ruhe. Li Haiyan plagen nach dreißig Jahren Gewissensbisse, sie sucht angesichts einer unheilbaren Krankheit nach ihrer einstigen Freundin und findet in Wang Liyun eine Frau vor, die nur noch darauf wartet alt zu werden. Beide Hauptdarsteller, Wang Jing-chun und Yong Mei, erhielten auf der Berlinale 2019 den Silbernen Bären für ihre Rolle.

Alpa Kino

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Booksmart

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:45

Regie: Olivia Wilde, (USA), 2019

Darsteller: Beanie Feldstein, Kaitlyn Dever, Billie Lourd u.a.

Booksmart

Molly und Amy sind beste Freundinnen und haben die Highschool ziemlich gut gemeistert. Molly wurde in Yale aufgenommen, doch das ist nur der erste Schritt auf ihrem Weg zum Ziel, eine Arbeit am Obersten Gerichtshof. Amy will einige Zeit in Botswana verbringen. Kurz vor ihrem Abschluss kommt aber beiden die Erkenntnis, dass sie die ganze Zeit nur damit beschäftigt waren, sich um ihre Zukunft zu sorgen. So haben sie es glatt versäumt, Teenager zu sein. Noch nicht einmal Sex hatten sie. Daher versuchen sie, das bisher Versäumte in einer einzigen Nacht zu erleben, der Nacht ihres Abschlussballs...

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Joker

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45

Joker

Regie: Todd Phillips, (USA), 2019

Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz u.a.

Joker

Joaquin Phoenix ist der neue Joker. Im Gegensatz zum letzten Spaßmacher Jared Leto aus der recht belanglosen »Suicide Squad« Verfilmung (2016), bei dem Millionen von Mädchen und (jungen) Frauen in pubertäre Schwingungen verfielen, hält sich der Sexappealfaktor beim abgemagerten Mr. Hasenscharte in Grenzen. Dafür bedeutet die Solostrecke des Erzschurken nunmehr die Verbindung aus Comicverfilmung und Arthouse Kunst, also Sex fürs Gehirn. Unter der Regie von Todd Phillips, der auch als Drehbuchautor fungierte, wird die Geschichte von Arthur Fleck, einem verkappten Comedian, der erfolglos bleibt und sein Vorbild Murray Franklin (Robert De Niro) im Fernsehen anhimmelt, erzählt. Er lebt mit seiner Mutter Penny in einem schäbigen Apartment, ist Party Clown, einsam und zutiefst verstört. Während er im Alltag untergeht, wird auch seine Stadt Gotham City in einen Sumpf aus Dreck und Verbrechen gezogen. Banden mit Clownsmasken ziehen durch die Straßen und Fleck findet ein Ziel für seine innere Wut: Superreiche wie den Milliardär Thomas Wayne (Brett Cullen). Im Gegensatz zum geschichtslosen Irren in der »Dark Knight« Variante von Heath Ledger dargeboten, geht der neue Film den ganzen Weg des Elends mit, den es braucht, um aus einem gewöhnlichen Menschen die wahnsinnige Bestie des Comic Jokers zu machen. Dabei ist Phoenix sicherlich eine ungewöhnliche Wahl, aber auch ein Schauspieler, der sowohl eine Kinder- und Jugendstarphase, Alkohol- und Drogenexzesse und den Verlust seines Bruders River Phoenix verarbeiten musste. Und auch, wenn dieser Film ausdrücklich kein Teil des aktuellen DC Comicfilmuniversums ist, könnte es der beste Beitrag seit Langem sein, der diese Welt umfasst.

Pinselbube