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Kinoprogramm Donnerstag, 22.06.2017 - Mittwoch, 28.06.2017

Berlin Rebel High School

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30 17:30 17:30

Regie: Alexander Kleider, (Deutschland), 2017

Berlin Rebel High School

Ich will hier kein bashing betreiben, obwohl man natürlich Tausenderlei am hiesigen Schulsystem kritisieren könnte - ob nun die Zersplitterung innerhalb Deutschlands oder die viel zu frühe Trennung zwischen Gut und Böse, sprich zwischen Gymnasium und Hauptschule. Auch Bundesländer, die im Pisa-Vergleich gut abschneiden, erkaufen sich dies durch hohen Leistungsdruck und nehmen in Kauf, dass so mancher Jugendlicher ausgemustert wird und von der Schule fliegt. Völlig unnötig! Wie die Berliner „Schule für Erwachsenenbildung“ zeigt. Sie ist vielleicht nicht das einzige Auffangbecken für Gestrauchelte, aber eines der wenigen radikal alternativen UND funktionierenden Beispiele im deutschen Bildungswesen. Ein Jammer und ein Segen, dass es dergleichen geben muss - ein Jammer, weil es die großen Defizite aufdeckt, die im staatlichen Schulsystem herrschen und ein Segen, weil es für viele Schüler, die sonst aus dem Raster fallen würden, die letzte Chance ist, um ihren Schulabschluss nachzuholen und im (Erwerbs)leben tritt zu fassen.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Das wird keine neoliberale Argumentation in dem Sinne, dass nur ein junger Mensch mit „ordentlichen“ Zeugnissen etwas taugt und Jede(r) - Mann wie Frau - „gebraucht“ wird, um dem „Arbeitsmarkt“ zur Verfügung zu stehen. Nein, die Spielregeln sind nun mal so: Papiere mit Noten und Punktdurchschnitten drauf bestimmen über Zukunftsaussichten der/des Einzelnen, und da sich dies nur langsam ändern lässt, sind Institutionen wie die „Berlin Rebell Highschool“ so dringend von Nöten.

Regisseur Alexander Kleider war selbst Schüler dort, weiß, wovon er spricht und könnte ein Lied von den Problemen singen. Statt dessen hat er einen Film gedreht, der ein leidenschaftliches Plädoyer ist, eindringlich, aber ohne Zeigefinger - ein Plädoyer für die Freiheit.

Schön zu sehen, wie ein Kind der 68er, gegründet 1973, groß geworden ist und seine Ideale dabei nicht verloren hat. Auf dass noch zahlreiche Jahrgänge von Schülerinnen & Schülern in den Genuss dieser Freiheit kommen!

Shunya

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:15 19:15 19:15 19:15
21:00

Regie: Matti Geschonneck, (Deutschland), 2017

Darsteller: Bruno Ganz, Sylvester Groth, Hildegard Schmahl u.a.

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Die Geschichte kümmert sich einen Dreck um ihre Helden, sie marschiert einfach weiter. Powileit müsste es eigentlich wissen. So wie der Altstalinist und verdiente Genosse des Volkes Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) an seinem 90. Geburtstag, des immer gleichen sozialistischen Ganges seit Langem überdrüssig, in seiner Villa hockt, die einmal einem Nazibonzen gehörte. Draußen wütet die Konterrevolution, 1989 im Herbst, diesmal mit russischen Reformen. Drinnen fürchtet sich Genosse Powileit davor, von seiner Frau vergiftet zu werden. Ein letztes Mal wird er alles über sich ergehen lassen. Er weiß es, er ist ja nicht plemplem. Dass der Enkelsohn Sascha (Alexander Fehling), den er mehr liebt als den eigenen Stiefsohn Kurt (Sylvester Groth), in der Nacht vor der Feier die Republik Richtung Westen verlassen hat, soll so lange wie möglich vor dem Jubilar verheimlicht werden. Powileit hasst Menschen, die in diesen Zeiten solch nichtsnutzige Kinder in ihrer Familie haben. Saschas Mutter Irina (Evgenia Dodina) nimmt ein paar Gläser Wodka und torpediert die ganze potemkinsche Veranstaltung. Wo andere Phrasen und Orden verschenken, sagt sie die Wahrheit; wer seine Kinder verliert, verliert die Zukunft.

Regisseur Matti Geschonnek und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase handeln die Agonie des Gesellschaftssystems am Zerfall einer Familie ab. Sie destillieren dabei aus Eugen Ruges Generationen-Roman all jene Figuren und Fabeln, die sich an einem 90. Geburtstag zusammenführen lassen. Schmerzlich überlagern sich dabei die Lügen vom Anfang der DDR mit denen von ihrem Ende. Und doch geht alles irgendwie weiter. Denn die Geschichte kümmert sich einen Dreck um Wahrheit oder Lüge, sie marschiert einfach voran.

Alpa Kino

Das Original ist besser!Innen leben (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:15 21:15 21:15 21:15

Regie: Philippe Van Leeuw, (Belgien/Frankreich/Libanon), 2017

Darsteller: Hiam Abbass, Diamand Bou Abboud, Juliette Navis u.a.

Innen leben (OmdU)

Am Krieg zeigt sich das ganze Unvermögen des Menschen. Weder ist er in der Lage, seinen Sinn zu verstehen, sich seiner für immer zu entledigen oder, wie hierzulande und heutzutage, sich den Krieg überhaupt noch vorstellen zu können. In einem Wohnhaus, das gar nicht mal so explizit in Damaskus steht, sondern einfach irgendwo mittleren Osten unter Beschuss gerät, verschanzen sich Menschen in einer Wohnung. Eine junge Familie, Mutter - Vater - Kind, kommt bei den Nachbarn unter und plant ganz pragmatisch die Flucht nach Beirut, die Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen. Um letzte Details mit den Fluchthelfern zu klären, lässt Samir seine Familie in Oum Yassins Appartement zurück, wird jedoch direkt vorm Haus von Scharfschützen niedergestreckt. Das Hausmädchen beobachtet die Szene und läuft zu Oum Yassin, doch diese will der Frau von Samir erst einmal nichts davon erzählen; Halima könnte sonst alle gefährden. Hier drinnen hätten die Verbliebenen eine Überlebenschance. Halima erwartet Samirs Rückkehr, doch noch bevor sich die Frauen mit dem Schicksal des Mannes auseinandersetzen können, dringen bewaffnete Kämpfer in die Wohnung ein. Einzig Halima und ihrem Baby gelingt es nicht, sich in die Küche zu flüchten. Wo das Kinopublikum im Folgenden mit Oum Yassins Familie hockt und mitanhören muss, wie Halima draußen vergewaltigt wird.

„Es haben die Völker zu allen Zeiten jede Schlacht um den Frieden verloren.“ resümierte einst Martin Niemöller. Ebenso universell mahnt »Insyriated« des belgischen Regisseurs Philippe Van Leeuw, in dem die Israelin Hiam Abbass, während der Dreharbeiten im Libanon, eine syrische Mutter spielt, die das Unvermögen des Menschen erfährt, im Krieg die falschen von den richtigen Entscheidungen zu unterscheiden.

Alpa Kino

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Born to Be Blue (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:45

Regie: Robert Budreau, (Kanada/Großbritannien), 2015

Darsteller: Ethan Hawke, Carmen Ejogo, Callum Keith Rennie u.a.

Born to Be Blue (OmdU)

Wer weiß, wie es dem Jazz ergangen wäre, hätte Chet Baker (Ethan Hawke) sich zuerst in eine Frau wie Jane (Carmen Ejogo) verliebt, statt sein trauriges Herz ans Heroin zu hängen. Das Zeug machte ihn fröhlich und es brachte ihn um. Sein Leben lang. Ständig war er auf dem Sprung. Verlor die Zähne an ein paar Dealer oder seine Freiheit für den nächsten Schuss. Im Knast, am Boden liegend, imaginiert er seine früheren Auftritte im New Yorker Jazzclub Birland, als ihm Dizzy Gillespie und Miles Davis lauschten und seinen zuckersüßen Ton bemängelten, dem man direkt anhöre, dass Baker in seiner sauberen Westcoastwelt von L.A. noch kein bisschen Leben gelebt hätte. Da braucht es Dreck in den Ventilen und Gram in der Stimme. Dass er diesen Rat befolgt hat, lässt sich im Gesicht des Mannes ablesen, betrachtet man mal zwei Chet Baker Fotografien, sie wissen schon, jene 1954 am Klavier, das William Claxton-Foto und dann die vom Let's Get Lost Cover (1987)…

Vorliegendes Biopic greift sich jene Zeit heraus, als Chet Baker im Methadon-Programm um sein Comeback ringt, nicht zuletzt, weil er das Trompete Spielen komplett neu erlernen musste. Nachdem ihm ein paar Gläubiger die Fresse poliert hatten, war sein Ansatz futsch. Dabei lief gerade alles bestens, er war im Begriff, einen Film über sein Leben zu drehen und hatte dabei die Schauspielerin Jane kennenlernt. Sie steht hier stellvertretend für verschiedene Damen, mit denen der Trompeter mal was am Laufen hatte. Jedenfalls hätte er mit ihr ein wenig Schwung in sein verkorkstes Leben bringen können. Pfiffig arrangiert Regisseur Robert Budreau seine Improvisation über Chet Bakers Leben, in der zauberhafte Rückblenden oder Film im Film Sequenzen immer wieder den Rhythmus verändern.

Alpa Kino

Zwischen den Stühlen

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:15 17:15

Regie: Jakob Schmidt, (Deutschland), 2016

Zwischen den Stühlen

Der Film »Zwischen den Stühlen« beschreibt die Feuerprobe, die angehende Lehrer heute in Deutschland auf dem Weg zum Examen durchlaufen müssen. Die Dokumentation erhielt gleich mehrere Auszeichnungen beim 59. DOK Filmfestival Leipzig.

Lehrer als Berufswunsch zu haben ist etwas, das viele schon im Ansatz nicht nachvollziehen können. Ein dickes Fell und ein großes Selbstbewusstsein sind gemeinhin neben einigen anderen geeigneten Eigenschaften wohl die wichtigsten Essenzen, um in diesem Beruf bestehen zu können. Und ein dickes Fell wird kaum einer schon zu Beginn seiner Laufbahn mitbringen.

Tatsächlich werden die drei Protagonisten Anna, Katja und Ralf auf eine harte Probe gestellt. Problemschüler, Elternabende, Intrigen im Lehrerzimmer und Prüfungsängste stellen die Ideale der Anwärter schon stark in Frage.

Der Film begleitet die drei Studenten während ihres Referendariats. Ein Jahr, das nach einem theoriebeladenen Studium absolviert werden muss. Und eine Zeit, in der sie einerseits Noten vergeben und andererseits selbst benotet werden, in der sie sich sozusagen zwischen den Stühlen befinden. Die Dokumentation gibt einen beeindruckenden wie unverstellten, auch humorvollen Einblick hinter die Kulissen des Schulsystems. Dabei stellt sie unter anderem die Frage, in welcher Gesellschaft wir heute leben wollen.

Interessant, dass gleich mehrere Seminarleiter etwas gegen ein anwesendes Kamerateam hatten.

Sie hatten Bedenken, zu stark von offiziellen Richtlinien für die Lehrerausbildung abzuweichen, Fehler zu machen, nicht den Erwartungen der Vorgesetzten zu entsprechen und sich damit Karrierechancen zu verbauen. Eine vorgesehene Protagonistin zog daraufhin ihre Teilnahme zurück.

BSC

Innen Leben (deutsche Synchronisation))

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:15

Regie: Philippe Van Leeuw, (Belgien/Frankreich/Libanon), 2017

Darsteller: Hiam Abbass, Diamand Bou Abboud, Juliette Navis u.a.

Innen Leben (deutsche Synchronisation))

Während draußen der Krieg tobt, verwandelt die resolute Oum Yazan ihre kleine Wohnung in einen sicheren Hafen für Familie und Nachbarn. Verzweifelt versucht sie, zum Schutz der Gemeinschaft den Alltag aufrechtzuerhalten und das Geschehen außerhalb auszublenden. Doch früher oder später muss auch sie die Tür öffnen und die Wirklichkeit hereinlassen…

Bestürzend intensiv zieht »Innen Leben« den Zuschauer hinein in die Kriegswirklichkeit der einfachen Menschen, für die das einst traute Heim zum Gefängnis wird und jede noch so kleine Entscheidung über Leben und Tod bestimmen kann.

»Innen Leben« ist ein universelles, humanistisches Plädoyer von großer Dringlichkeit. Der Film gewann auf der 67. BERLINALE den Publikumspreis der Sektion Panorama.

Bundesstart - Das Debüt im Thalia