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Kinoprogramm Donnerstag, 11.09.2014 - Mittwoch, 17.09.2014

Song from the Forest

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15 18:15 18:15 18:15 18:15 18:15 18:15

Regie: Michael Obert, (Deutschland), 2013

Song from the Forest

Trailer: http://bit.ly/1tEuLv3

Ein Film über die Liebe – die Liebe zur Musik, zur Natur, zur Welt; die Liebe zwischen Vater und Sohn. »Song from the Forest« ist auch ein Film über den Zustand der Welt und über einige der großen Themen zu Beginn des 21. Jahrhunderts – Heimat, Identität, Entfremdung, Interkulturalität, Globalisierung.

In einem modernen Epos begleitet der Journalist und Filmemacher Michael Obert den amerikanischen Musikologen Louis Sarno und seinen Sohn, den Pygmäenjungen Samedi, auf ihrer Reise vom afrikanischen Regenwald nach New York City. Die Doku ist der Gewinner des Internationalen Dokumentarfilmfestivals 2013 Amsterdam und feiert seine Deutschlandpremiere beim DOK.Fest München 2014 in der Reihe DOK.panorama.

Als junger Mann hörte der Amerikaner Louis Sarno im Radio einen Gesang, der ihn nicht mehr losließ. Er folgte den geheimnisvollen Klängen bis in den zentralafrikanischen Regenwald, fand seine Musik bei den Bayaka-Pygmäen – und kam nicht mehr zurück. Heute, 25 Jahre später, ist Louis ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft aus Jägern und Sammlern.

Mit einer Bayaka-Frau hat Louis einen Sohn, den 13-jährigen Pygmäenjungen Samedi. Als Baby war Samedi schwer krank und lag im Sterben. Louis hielt ihn die ganze Nacht und versprach ihm: „Wenn du überlebst, zeige ich dir eines Tages die Welt, aus der ich gekommen bin.” Nun löst er sein Versprechen ein und reist mit seinem Sohn aus dem afrikanischen Regenwald in jenen anderen Dschungel aus Beton, Glas und Asphalt – nach New York City. Hier treffen sie auf Familienangehörige und alte Weggefährten wie Louis´ Studienfreund Jim Jarmusch, in dessen Filmen Dead Man (1995) und Ghost Dog (1999) sich Anklänge an Sarnos Lebensgeschichte finden.

Bundesstart - das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Sag nicht, wer du bist (OmU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:15 20:15 20:15 20:15 20:15 20:15 20:15

Regie: Xavier Dolan, (Kanada/Frankreich), 2013

Darsteller: Xavier Dolan, Pierre-Yves Cardinal, Lise Roy u.a.

Sag nicht, wer du bist (OmU)

Wunderkind ist wahrscheinlich die gängigste Bezeichnung für den kanadischen Filmemacher Xavier Dolan, der bereits mit 20 seinen ersten Film gemacht hat (»Ich habe meine Mutter getötet« (2009)), in dem er nicht nur die Hauptrolle spielt und für Regie, Drehbuch und Schnitt verantwortlich ist, sondern den er auch noch selbst produziert hat. Hierfür und auch für seinen zweiten Film »Herzensbrecher« (2010) gab es reichlich Preise und Anerkennung, so dass er bald darauf mit »Laurence Anyways« (2012) seinen bis dahin reifsten und persönlichsten Film machen konnte. Die Stilsicherheit, mit der Dolan seine Filme durchzieht, die immer um autobiographische Themen wie Homosexualität und -phobie kreisen, ist schon erschreckend, wobei es auch nicht überrascht, dass viele Leute gar nichts mit seinen Sachen anfangen können - denn die sind in ihrer Stilisierung und ihrem Manierismus schon recht eigen.

Dolans neuer Film heißt im Original »Tom à la Ferme« (»Tom auf dem Bauernhof«) und ist sein erster Psychothriller. Auf dem Bauernhof muss der Hipster Tom (natürlich wieder Dolan selbst) Zeit mit der Familie seines verstorbenen Freundes verbringen, zu dessen Beerdigung er angereist ist. Die Mutter des Verstorbenen hat bisher die Augen vor der Homosexualität des Sohnes verschlossen, und ihr anderer Sohn will nicht, dass sich daran etwas ändert, will aber auch nicht, dass Tom den Hof wieder verlässt und zwingt ihn mit Tricks und Spielchen zum Bleiben. Der Film ist, wie seine Vorgänger, teilweise echt witzig und grotesk, dabei aber wesentlich weniger stilisiert, klarer, und zum ersten mal nicht komplett von Dolan selbst geschrieben, sondern die Adaption eines Theaterstücks - dennoch trägt er unverkennbar seine Handschrift und wird dadurch zu einem weiteren Wunderwerk.

Felix

20 Jahre Arthaus vs. 10 Jahre ThaliaTatjana

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:15

Regie: Aki Kaurismäki, (Finnland/Deutschland), 1994

Darsteller: Matti Pellonpää, Mato Valtonen, Kati Outinen u.a.

Tatjana

Valto hat die Faxen dicke

Eben saß er noch an seiner Husquarna-Nähmaschine und stichelte am Spitzenbesatz für ein Frauenkleid herum. Jetzt verlässt er das Haus und seine Mutter. Seinem entschlossenen Blick nach zu urteilen, ist es ein Abschied für immer. Vorsorglich hat er Mutter vorher noch in der Besenkammer eingesperrt. Man kann ja nie wissen. Vielleicht ist sie nachtragend. Valto alias Mato Valtonen ist so um die fünfundvierzig und im richtigen Leben Gründer und Chef der Leningrad Cowboys. Mit seiner neuen 12V Kaffeemaschine schaut er auf einen Sprung bei Reino vorbei. Reino ist Rocker und verdient sein Geld als Automechaniker. Er hat gerade Valtos Wagen repariert. Einen schwarzen Wolga Kombi, Baujahr 1965. Aus der Probefahrt wird eine Spritztour. Aus der Spritztour wird ein Roadmovie. Wir sind eindeutig in Finnland. Während der Wolga sanft federnd über die Landstraßen rollt, spielt der eingebaute 12V Schallplatterspieler (!) eine Renegades-Single nach der anderen. Valto füllt die Kaffeemaschine nach, und Reino erzählt Rockergeschichten. Ginge es nach den beiden, würden sie wohl bis zum Abspann so weiterfahren. Doch dann laufen sie Tatjana und Klavdia, zwei russischen Touristinnen über den Weg. Deren Entschluss ist schnell gefasst. Die zwei Typen sind genau die Sorte Trottel, die sie gesucht haben...

Als dieser Film 1994 in unsere Kinos kam, schien die Welt wieder in Ordnung. Eines der schönsten Leinwand-Liebespaare war wieder vereint. Matti Pellonpää (Reino) und Kati Outinen (Tatjana) sind wie geschaffen füreinander. Beide beherrschen die Kunst der feinen Blicke und fallen sich beim Schweigen nicht gegenseitig ins Wort. In »Schatten im Paradies« trafen sie zum ersten Mal aufeinander. Danach spielten sie bis 1993 zusammen genommen in insgesamt acht Kaurismäki-Filmen. Bevor sie in »Tatjana - Take Care Of Your Scarf« ein zweites und leider letztes Mal gemeinsam vor der Kamera standen.

Die Einschätzung der deutschen Filmkritik, „»Tatjana« sei wie die Quintessenz aller seiner bisherigen Filme“, sollte sich nur zwei Jahre später bewahrheiten. Am 14 Juli 1995 starb Matti Pellonpää vierundvierzigjährig. Sein letzter Auftrag als Moses in der Bibel-Verfilmung »Leningrad Cowboys Meet Moses« war es, die Band wieder heimzuholen nach Finnland. Seither suchen Kaurismäkis Figuren zuhause ihr Glück.

Vorfilm: Coffee and Cigarettes – Somewhere in California R.: J. Jarmusch, (USA), 1993