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Kinoprogramm Donnerstag, 16.01.2020 - Mittwoch, 22.01.2020

Systemsprenger

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45

Regie: Nora Fingscheidt, (Deutschland), 2019

Darsteller: Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide u.a.

Systemsprenger

Drei Wochen 1:1-Betreuung im Wald - ein Anti-Aggressionstraining, eigentlich für auffällige Jugendliche gedacht. In diesem Fall ist es die beinahe letzte Idee vor der dauerhaften Unterbringung eines neunjährigen Mädchens in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Benni ist ein „Systemsprenger, so der Fachjargon des Jugendamtes: Voller unbändiger Energie, brutal, wütend, unkontrollierbar. Ein um sich tretender Hilfeschrei. Sie hat schon Klinikaufenthalte, Pflegefamilien, Wohngruppen hinter sich. Fliegt immer wieder raus. Will heim zu ihrer Familie, der Mutter, den kleineren Geschwistern. Ein Rückweg, der versperrt ist, die Mutter hat Angst vor Bennis sozialer Sprengkraft und traut sich eh nichts zu. Im Hintergrund hält sich ein gewalttätiger Freund auf, Bildfetzen aus Bennis Albträumen, kurze Rückblenden legen eine atmosphärisch dichte Spur in die Vergangenheit. Der Fokus aber liegt auf der Gegenwart. Micha, der Anti-Gewalttrainer engagiert sich und verliert dabei fast die Distanz, die Sozialarbeiterin Frau Bafané sucht immer wieder einen neuen Weg, Ärzte, Erzieher, alle sind guten Willens, wollen nicht das Handtuch werfen. Trotzdem findet sich kein dauerhafter Platz für Benni, kein Ausgang, kein Zuhause. Regisseurin Nora Fingscheidt ist mit ihrem Spielfilmdebüt ein großer Wurf gelungen. Sie findet starke virtuose Bilder für Bennis inneres Drama. Am ehesten lässt sich die beklemmende Wucht von »Systemsprenger« mit Sean Bakers herausragendem »The Florida Project« (2018) vergleichen. Eine Fürsprache für die nicht Konformen - mit der nötigen ästhetischen Zugkraft für die große Leinwand. Zurecht auf der Berlinale ausgezeichnet. Helena Zengel spielt kraftvoll und authentisch Benni und hat die wunderbare Gabriela Maria Schmeide als Sozialarbeiterin an ihrer Seite.

Grit Dora

german with english subs

Das Original ist besser!Leto - Sommer

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Regie: Kirill Serebrennikow, (Russland/Frankreich), 2018

Darsteller: Yoo Teo, Irina Starshenbaum, Roman Bilyk u.a.

Leto - Sommer

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Auch sowjetische Menschen sind ganz normale Bürger und erfreuen sich eher an den einfachen Dingen des Lebens und die Jugend vor allem am Rock 'n' Roll. Gerade für die aufwachsende Generation, jenseits der mörderischen Jahre der Revolution und des Krieges sind Liebe und Musik wichtiger als die ganzen Geschichten um den ständigen Kampf um den Aufbau des Sozialismus und der neuen, endlich gerechten Gesellschaft. Ihre Realität ist eine ganz andere.

So werden sich auch Mike und seine Frau Natascha mit Viktor in einen unendlich scheinenden Sommer voller Musik und Leidenschaften verlieren. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock 'n' Rolls in der Sowjetunion verändern. Historische Vorbilder sind die Geschichte um die legendäre russische Rockband „Kino“, deren Gründer Viktor Zoi 1990 tödlich verunglückte, und Mike Naumenko, der 1981 Zoopark gründete, eine der bedeutendsten Rock- und Bluesrock-Bands der Sowjetunion. Auch er verstarb viel zu jung mit 36 Jahren 1991. Der Film sorgte im Frühjahr 2018 in Cannes für Aufsehen und begeisterte Kritiken.

»Leto« fängt das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt in klaren schwarz/weiß Bildern und pulsierendem Soundtrack von den Talking Heads über Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. Eine kluge Hymne auf die ungestüme Kraft von Musik, Liebe und Freundschaft.

Regisseur Kirill Serebrennikow über seinen Film: „Unsere Geschichte thematisiert den Glauben, der nötig ist, um diesen sozialen Kontext zu überwinden, und die sorglose Haltung unserer Helden angesichts der Restriktionen. Es ist die Geschichte einer einfachen und unverfälschten Liebe - wie eine Ode an diese zukünftigen Rockikonen an ihre Lebensweisen, die Luft, die sie atmeten. Und es ist die Geschichte des letzten Sommers vor der Perestroika, vor der völligen Umwandlung ihrer Lebenswelt in das heutige Russland.“

ak

Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste präsentiert im Rahmen von Karussell – Zeitgenössische Positionen russischer Kunst

Das Original ist besser!Der Leuchtturm

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:30

Regie: Robert Eggers, (Kanada/USA ), 2019

Darsteller: Willem Dafoe, Robert Pattinson, Valeriia Karaman u.a.

Der Leuchtturm

Der smarte Twilight-Star Robert Pattinson verfällt peu à peu dem Wahnsinn. Eine exzellente, dichte Psychofarce in schwarzweiß. Nichts für schwache Nerven.

Maine, gegen 1890, an der Küste Neuenglands. In einer völlig entlegenen Gegend sollen die Seemänner Thomas Wake (Willem Dafoe, »Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit«) und sein junger Kollege Efraim Winslow (Robert Pattinson, »Twilight, Königin der Wüste«) eine marode Leuchtturmanlage warten und in Gang halten. Vier Wochen sind für diesen Einsatz anberaumt. Nicht einfach für zwei Menschen auf so engem Raum. Efraim wird als Thomas’ Gehilfe an Bord geholt. Obwohl das Protokoll vorsieht, dass sich die beiden abzuwechseln haben, lässt der Alte den Jungen nicht zum Leuchtsignal auf den Turm.

Überhaupt darf er nur die niedersten Arbeiten ausführen. Keine optimale Voraussetzung für zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Efraim fühlt sich ungerecht behandelt, weil es auch nicht so aussieht, als ob sich daran etwas ändert und wird immer misstrauischer. In ihm spukt der Gedanke, dass sein letzter Assistent wahnsinnig geworden ist und den Job auch nicht überlebt hat. Als die vier Wochen um sind, zieht an der rauen, abgeschiedenen Atlantikküste ein Sturm auf, der es unmöglich macht, die Heimreise anzutreten.

Die Spannungen zwischen den beiden bauen sich zunächst ganz subtil auf, werden im Laufe der Zeit immer brutaler und weiten sich in einen nicht enden wollenden Nervenkrieg und Überlebenskampf aus, der schließlich eskaliert.

Nach seinem hochgelobten Debütfilm »The Witch« (2015) drehte der amerikanische Regisseur Robert Eggers auch seinen zweiten Spielfilm in schwarzweiß und im klassischen Bildformat 4:3.

BSC

Miles Davis: Birth of the Cool

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:15
17:45

Regie: Stanley Nelson, (USA), 2019

Miles Davis: Birth of the Cool

Trompeter, Bandleader, Innovator. Elegant, intellektuell, genial und immer wieder auch kontrovers. Ein Mann, der für einen Sound steht, so wundervoll, dass er einem das Herz brechen kann.

»Miles Davis - Birth of the Cool« erzählt von Leben und Karriere eines musikalischen Ausnahmetalents und einer kulturellen Ikone. Ein wahrer Visionär, der in kein Schema passt und dabei eines absolut verkörperte: Coolness.

Zentrales Motto von Miles Davis’ Leben war die stete Entschlossenheit, Grenzen zu sprengen und nach eigenen Regeln zu leben. Dies machte ihn zum Star und gleichzeitig schwierig im privaten Umgang, besonders für die Menschen, die ihm am nächsten standen. Immer wieder brach Davis mit Konventionen, in der Musik und im Leben - und sobald er der Meinung war, selbst Mainstream zu werden, begann er neue Wege zu gehen. Seine kühne Ablehnung von Traditionen, seine klare Vision und sein unersättlicher Hunger nach neuen Erfahrungen machten ihn zum inspirierenden Partner seiner musikalischen Weggefährten und zur kulturellen Ikone von Generationen von Musikliebhabern. Von Bebop bis Cool Jazz, moderne Quintette, orchestrale Musik, Jazz Fusion, Rock’n’Roll und nicht zuletzt Hip Hop - Miles Davis machte Musik jenseits aller Limits.

Das Original ist besser!Knives Out - Mord ist Familiensache

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30
20:00

Regie: Rian Johnson, (USA), 2019

Darsteller: Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis u.a.

Knives Out - Mord ist Familiensache

Mit Christopher Plummer, Daniel Craig, Jamie Lee Curtis und Toni Colette hochkarätig besetzt, kommt mit »Knives Out - Mord ist Familiensache« ein wunderbar britischer und sehr eleganter Thriller in die Kinos. Bis zur letzten Minute ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel.

Auf seinem protzigen Anwesen feiert der renommierte Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer, »Alles Geld der Welt«) seinen 85. Geburtstag. Am nächsten Morgen wird er tot aufgefunden. Klarer Selbstmord, stellen die beiden Polizisten klar. Benoit Blanc (Daniel Craig, »James Bond«), ein privater Ermittler, sieht das anders. Weder die Familie noch das Personal will irgendetwas beobachtet haben. So wenig kooperativ sich jeder einzelne gibt, so pingelig notiert Blanc jedes noch so kleine Detail. Besonders harmonisch scheint die Party am Vortag nicht abgelaufen zu sein. Jeder hat sein Geheimnis. Abgründe tun sich auf. Der Kreis der Verdächtigen wächst sprunghaft.

Die raffinierte Story zelebriert überraschende Wendungen und jede Menge falscher Fährten. Und von Minute zu Minute scheint sie undurchsichtiger und vertrackter zu werden. Ein Meisterwerk von feinem Humor, messerscharfer Intelligenz und schneidendem Witz.

»Star Wars«- Regisseur Rian Johnson (»Star Wars - Episode VIII: Die letzten Jedi«) hat sich diese scharfsinnige, doppelbödige und überaus amüsante Story ausgedacht. Gleichzeitig wirft der Film einen unverhohlenen Blick auf das Familienleben und die sozialen Sitten im 21. Jahrhundert. Johnson verehrt mit »Knives Out« sein großes Idol: Agatha Christie. Jamie Lee Curtis meint „ Ich denke, das ist einer der Filme, die man sich am besten mit seiner dysfunktionalen Familie ansieht.“

BSC

Das Original ist besser!Joker

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:30

Joker

Regie: Todd Phillips, (USA), 2019

Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz u.a.

Joker

Joaquin Phoenix ist der neue Joker. Im Gegensatz zum letzten Spaßmacher Jared Leto aus der recht belanglosen »Suicide Squad« Verfilmung (2016), bei dem Millionen von Mädchen und (jungen) Frauen in pubertäre Schwingungen verfielen, hält sich der Sexappealfaktor beim abgemagerten Mr. Hasenscharte in Grenzen. Dafür bedeutet die Solostrecke des Erzschurken nunmehr die Verbindung aus Comicverfilmung und Arthouse Kunst, also Sex fürs Gehirn. Unter der Regie von Todd Phillips, der auch als Drehbuchautor fungierte, wird die Geschichte von Arthur Fleck, einem verkappten Comedian, der erfolglos bleibt und sein Vorbild Murray Franklin (Robert De Niro) im Fernsehen anhimmelt, erzählt. Er lebt mit seiner Mutter Penny in einem schäbigen Apartment, ist Party Clown, einsam und zutiefst verstört. Während er im Alltag untergeht, wird auch seine Stadt Gotham City in einen Sumpf aus Dreck und Verbrechen gezogen. Banden mit Clownsmasken ziehen durch die Straßen und Fleck findet ein Ziel für seine innere Wut: Superreiche wie den Milliardär Thomas Wayne (Brett Cullen). Im Gegensatz zum geschichtslosen Irren in der »Dark Knight« Variante von Heath Ledger dargeboten, geht der neue Film den ganzen Weg des Elends mit, den es braucht, um aus einem gewöhnlichen Menschen die wahnsinnige Bestie des Comic Jokers zu machen. Dabei ist Phoenix sicherlich eine ungewöhnliche Wahl, aber auch ein Schauspieler, der sowohl eine Kinder- und Jugendstarphase, Alkohol- und Drogenexzesse und den Verlust seines Bruders River Phoenix verarbeiten musste. Und auch, wenn dieser Film ausdrücklich kein Teil des aktuellen DC Comicfilmuniversums ist, könnte es der beste Beitrag seit Langem sein, der diese Welt umfasst.

Pinselbube

Das Original ist besser!Motherless Brooklyn

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:00

Regie: Edward Norton, (USA), 2019

Darsteller: Edward Norton, Bruce Willis, Gugu Mbatha-Raw u.a.

Motherless Brooklyn

Gleich zu Beginn ein paar Argumente dafür, den Film besser heute als morgen zu schauen: Edward Norton, Bruce Willis, Alec Baldwin, Willem Dafoe sowie die bezaubernde Gugu Mbatha-Raw. Wen das noch nicht überzeugt, hier eine Kurzzusammenfassung des Inhalts dieser spannenden Kriminalgeschichte: Im Zentrum der Geschichte im New York der 1950er Jahre steht „Motherless Brooklyn"", der einsame Privatdetektiv Lionel Essrog (Norton), der am Tourette-Syndrom leidet. Nachdem sein Freund und Mentor Frank Minna (Willis) getötet wird, versucht Lionel, den komplizierten Fall zu klären, der Frank zum Verhängnis wurde. Obwohl er durch sein Tourette-Syndrom und die begleitenden Ticks eingeschränkt scheint, ist sein fotografisches Gedächtnis eine wertvolle Waffe in der verwobenen Schnitzeljagd, die Lionel bis ins New Yorker Rathaus und zum zwielichtigen Stadtplaner Moses Randolph (Baldwin) führt.

Ein wunderbarer Kriminalfilm, der auf dem 1999 erschienenen, gleichnamigen Roman von Jonathan Lethem basiert. Bereits kurz nach Herauskommen des Buchs begeisterte sich Norton, der in der Verfilmung nicht nur als Darsteller, sondern auch als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent auftaucht, für die Geschichte. Es dauerte jedoch fast 20 Jahre, bis es der Film - als Hommage an die alte Film Noir-Zeit in die 50er vorverlegt - in einer Topbesetzung auf die Großbildleinwand schaffte. Hier darf man sagen: Diese Wartezeit hat sich gelohnt! Auch wenn der Film mit 144 Minuten durchaus seine Längen hat, so macht das brillante und eindringliche Spiel von Norton doch gerade in dieser Länge unglaublich Spaß.

Viktoria Franke