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Kinoprogramm Donnerstag, 28.04.2016 - Mittwoch, 04.05.2016

Atem des Krieges. Fokus: Ukraine – Filmabend zum Konflikt im Donbass

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30

Der kriegerische Konflikt in der Ukraine geht – trotz Minsker Friedensabkommens und trotz medialer Überlagerung durch andere Themen in Deutschland– mit kaum verminderter Härte bis heute weiter. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, den Menschen in Deutschland diese Lage ins Bewusstsein (zurück) zu bringen. Deshalb werden wir im Programmkino Thalia Dresden einen Filmabend mit drei Beiträgen veranstalten, der den Fokus auf das Leiden der Bevölkerung im Krieg in den Mittelpunkt rückt, egal auf welcher Seite.

Mit “Krieger made in Germany” haben die deutschen Journalisten und Filmemacher Brenda Weinel und Matthias Zuber eine Reportage über den jungen Simon gedreht. Simon, 24, ist geboren in Russland und aufgewachsen in Deutschland bei Adoptiveltern. Für mehrere Monaten kämpfte er an der ostukrainischen Front auf der Seite der russischen Separatisten. Simon sucht Heimat und Anerkennung, die er nach Hauptschulabschluss und mehreren abgebrochenen Lehren in Deutschland nicht fand. “Ich bleibe bis zum Tod”, sagt er kämpferisch und avanciert damit auf Facebook zum Helden. “Krieger made in Germany” zeigt ein seltenes, offenes Portrait eines jungen Menschen, zwischen Überzeugung und Zweifeln.

Der ukrainische Filmemacher und Journalist Ruslan Gorovyi hat mit dem Film „Die Ukropen vom Donbas“ ein Paar portraitiert, die im Separatistengebiet lebend, die ukrainische Seite unterstützen und dafür eingesperrt wurden. Trotz der Parteilichkeit der Protagonisten verzichtet der Film auf ein simples Schwarz-Weiß-Schema und gibt einen sehenswerten persönlichen Einblick in die Tragödie des Krieges im Donbas. Die Übersetzerin Natalija Bock ist mit dem Regisseur bekannt und wird den Film kommentieren.

Die russische Reporterin Julia Vishnevets (u.a. für Deutsche Welle Moskau) fuhr im Herbst 2015 ins Kriegsgebiet in der Ostukraine und drehte dort den Film „Haus am Rande“. Dieser Film zeigt das Doppelporträt zweier Frauen mit gleichem Namen (Patronym) Petrovna, fast im gleichen Alter, die einander vermutlich gut verstehen würden. Aber der Krieg hat sie getrennt und auf die verschiedenen Seiten der Kampflinie gebracht. Elena Pagel, die Kuratorin des Abends, ist mit Julia Vishnevets bekannt und wird den Film kommentieren.

Die Journalistin Oxana Evdokimova (Deutsche Welle) moderiert den Filmabend. Zusammen mit den Vortragenden werden Motive, Kontext und Hintergrundinformationen der Filme erläutert und gemeinsam mit dem Publikum diskutiert. Das programm-orientierte Kino Thalia bietet sich mit dem angeschlossenen Café dazu als nahezu idealer Ort an.

Vortragende: Natalija Bock, Elena Pagel und Matthias Zuber
Moderation: Oxana Evdokimova

Letzte Vorstellung: Heart of a Dog

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30

Regie: Laurie Anderson, (USA), 2015

Letzte Vorstellung: Heart of a Dog

Kindheit, Liebe, Tod und Klavier spielende Hunde. Und dann noch ein wenig mehr von dem, was einer Künstlerin wie Laurie Anderson am Lebensabend so durch den Kopf geistert; all das ist die thematische Schnittmenge von ihrem zweiten Kinofilm. Der TV-Sender Arte hatte gefragt, ob sie nicht mal etwas machen könne, worin ihre Lebensphilosophie sichtbar würde. Gott bewahre, nein! Aber von ihren Hunden könnte sie etwas erzählen, multimediale Kurzgeschichten waren immer schon ihr Metier, und später meinte ihr Bruder, es gäbe da auch noch ein paar 8mm Rollen aus alten Familientagen… Als ihr Terrier Lolabelle erblindete, brachte sie ihm Klavier spielen bei. Als Lou Reed erkrankte, unterbrach sie die Arbeit völlig. So zog sich das Projekt über mehrere Jahre hin. Und mit jedem Buchdeckel, den sie lüftete, und jeder visuellen Metapher, die sie einfügte, entstand eine Art Map of Life. Verbindungen wurden sichtbar, verborgene Erinnerungen brachen auf, frische Wunden fügten Schmerzen zu. Innerhalb kürzester Zeit verlor die Performance-Künstlerin ihre Mutter, den Ehemann und ihren Hund Lolabelle. Traurigkeit und Verlust gaben ihren Sinn nicht einfach kampflos preis. Für Anderson galt es herauszufinden, auf welchen Weg einen Tod und Schmerz jetzt verweisen wollten. Überraschend kam für sie die Erkenntnis, welche immense Bedeutung Geräusche und Stimmen für die Erinnerung haben. Ein Leben lang hatte sie beispielsweise jene Todesangst verdrängt, die während eines Krankenhausaufenthaltes täglich auf ihrer Bettdecke hockte, während ringsum täglich Kinder schrieen und starben. Erst die Arbeit an dem Film offenbarte ihr, wie wichtig und wie richtig ihr lebenslanger Performance-Ansatz war. Immer schon hatte sie versucht, komplexere Sinneserfahrungen mit bestimmten Ereignissen zu verbinden. Weil Sprache allein zu schwach ist. Weil sie Erinnerungen beschneidet und Gefühle abstumpft. Ganz zu schweigen vom Vergessen. Ganz im Hier und Jetzt zu leben könnte womöglich die Lösung sein. Und so gibt sie das Schlusswort in ihrem 75-minütigen Bildgedicht ihrem Mann Lou Reed und seiner Lebensphilosophie mit „Turning Time Around“.

alpa kino

Letzte Vorstellung: The Forbidden Room

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:00

Regie: Guy Maddin, Evan Johnson, (Kanada), 2015

Darsteller: Roy Dupuis, Clara Furey, Udo Kier u.a.

Letzte Vorstellung: The Forbidden Room

Bislang gibt es mit Guy Maddin nur einen einzigen Regisseur, der in der Lage ist, wild flackernde Albträume ohne Zwischenpause auf Zelluloid zu brennen. Als trieben seine Hirnströme direkt den Projektor an. Maddins archaische Filmfamilie, ohnehin eine wilde Brut seltsamster Gestalten, bekommt im neuen Werk ganz populären Zuwachs. Mit Charlotte Rampling, Mathieu Amalric und Udo Kier geraten recht viele bekannte Gesichter ins Trommelfeuer seiner bizarren Bilder und Ideen. Ineinander verschlungen winden sich die Geschichten wie durch die Sektionen eines U-Bootes, das im dunklen Traumozean taucht. Dessen Besatzung, ewig Pfannkuchen kauend, um einen plötzlich eingedrungenen Holzfäller geschart, von dessen vergeblichen Versuchen hört, die Amnesie der schönen Margot zu heilen.

Einer Stummfilmdiva gleich, die vom Drachen entführt wurde, hockt Margot in der Höhle der roten Wölfe. Cesare, der Unerschrockene, stapelt für sie Innereien, wiegt Steine und drischt auf die Schweinsblase. Weiter irrt er durch die Wälder von Holstein-Schleswig und endet in einer Bar, wo Geraldine Chaplin dem armen Udo Kier Peitsche schwingend zu Leibe rückt. Letzterer leidet an einer Po-Psychose, er sieht Hinterteile überall und ist auch durch keine zunehmende Hirnamputation heilbar… Die Atemluft wird knapp im U-Boot, also rückt die Mannschaft enger zusammen und sucht den Kapitän. Als könne der alles auflösen. Immer neue Bilder legen sich über die vorhergehenden, der Vulkan spuckt Schicht um Schicht Lava aus, Skelette tanzen, Mörder weinen, Zeppeline kollidieren. In zwei archaischen Kinostunden stoßen Guy Maddin und Co-Regisseur Evan Johnson nie gesehene Tore auf zu verbotenen Zimmern, verscharren Leichen und zerstückeln gekonnt die Filmgeschichte, stürzen, fliegen, schäumen, viragieren, kleben und träumen einen Film. Im Bade.

alpa kino

Im Strahl der Sonne

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:00
18:00

Regie: Vitalij Manskij, (Russland/Deutschland/Lettland/Tschechische Republik/Nordkorea), 2016

Im Strahl der Sonne

Nordkorea ist das schönste Land der Welt! Das hört die 8-jährige Zin-mi aus Pjöngjang jeden Tag - von ihren Eltern, in der Schule und über donnernde Lautsprecher auf den weiten Plätzen der Stadt. Natürlich glaubt sie es. Aus vollster Überzeugung huldigt sie dem „großen Führer“ Kim Jong-un und bereitet sich eifrig auf ihre feierliche Aufnahme bei den Jungpionieren vor, mit der sie endlich zum vollwertigen Mitglied des sozialistischen Staates wird.

Der vielfach ausgezeichnete russisch-ukrainische Regisseur Vitaly Mansky hat Zin-mi ein Jahr lang begleitet. Er erhielt dafür zwar eine offizielle Drehgenehmigung, doch die nordkoreanischen Behörden suchten Drehorte und Interviewpartner aus, postierten Aufpasser am Set und dirigierten ganze Szenen. Der Staat wollte Propaganda: ein vorbildhaftes Kind in einem mustergültigen Umfeld. Aber Mansky ließ die Kamera auch während der sorgsamen Einrichtung der Einstellungen laufen und erklärt sein Material durch einen Kommentar. So dokumentiert er in Wirklichkeit eine erbarmungslose Inszenierung. Tatsächlich ist in Nordkorea nichts so, wie es scheinen soll!

Heimliche Aufnahmen vom öffentlichen Leben gewähren weitere faszinierende Einblicke in ein mit Angst und Schrecken besetztes Land. Hier findet Mansky auch das, wonach er eigentlich gesucht hat: das Menschliche hinter den offiziellen Masken.

Birnenkuchen mit Lavendel

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00
20:00
21:45

Regie: Eric Besnard, (Frankreich), 2016

Darsteller: Virginie Efira, Benjamin Lavernhe, Lucie Fagedet u.a.

Birnenkuchen mit Lavendel

Die Millisekunde, in der Louise (Virginie Efira) beim Fahren auf ihr Handydisplay schaut, genügt, um Pierre (Benjamin Lavernhe) aufzugabeln. Er prallt auf ihre Frontscheibe. In einer französischen Komödie verursacht ein derartig harter Zusammenstoß nicht zwingend schwere Verletzungen, leichte Herzbeschwerden allerdings kann man nie ausschließen. Louise verarztet den schüchternen Fremden, einen Mann, der ein wenig eigen scheint, auf eine Weise, die nicht von dem kleinen Unfall herrühren kann. Sie nimmt Pierre einstweilen auf, hat ohnehin keine Zeit für Nachfragen - ihr Landgut kostet sie alle Kraft. Die Geschäftspartner misstrauen den Fähigkeiten der jungen Witwe. Die Bank droht Louise den Kredit zu streichen, weil sich ihre selbst angebauten Birnen nach dem Tod des Ehegatten nicht mehr so gut auf dem Markt verkaufen.

Pierre will bleiben. Er hat kein wirkliches Zuhause, nur einen Zufluchtsort. Intensiver Empfindungen fähig, genießt er mit allen Sinnen die Atmosphäre auf Louises Birnen- und Bienenplantage und versucht zu helfen. Als Verstärkung auf dem Markt taugt der skurrile Typ allerdings wenig, zu besonders ist sein Umgang mit den Mitmenschen, zu spezifisch seine landwirtschaftlichen Kenntnisse. Seine rationale Ausdrucksweise verstört die Kunden.

Regisseur Eric Besnard hat mit Pierre eine Hauptfigur erfunden, die sich nicht entwickelt, nicht verändert. Was sich wandelt, ist der Blick der Zuschauer auf jemanden, der anders ist. Er bietet die Erkenntnis, dass Anderssein kein Makel sein muss, sondern Vorteile haben kann, von denen alle profitieren.

Eingebettet in das Licht der provenzalischen Drôme erzählt Besnard eine nicht zu weich gezeichnete und sehr sinnliche Liebesgeschichte, die auf dem Muster der romantischen Komödie aufbaut, aber nicht zum klassischen Happy End führt. Zwei Verliebte, die sich nicht berühren, fassen permanent Dinge an, die sich außerordentlich gut anfühlen. Birnen und Lavendel eben.

Grit Dora

Wer hat Angst vor Sibylle Berg?

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45 17:45
20:00
21:00
22:00

Regie: Böller & Brot - Wiltrud Baier, Sigrun Köhler, (Deutschland), 2015

Darsteller: Sibylle Berg u.a.

Wer hat Angst vor Sibylle Berg?

Sibylle Berg provoziert, irgendwie. Ihre Lebensgeschichte vom DDR-Flüchtling zur Bestsellerautorin klingt fast so, als hätte sie sie selbst erfunden. Früher suchte Sibylle Berg das Glück, heute sucht sie ein Haus. Im Portrait der großen ironischen Dramatikerin erfahren wir, wie die männliche Form von „Schriftsteller“ lautet, warum diese auf Fotos meist ihren Kopf stützen, welche nützlichen Dinge (z.B. Eistauchen) man in der DDR lernen konnte, wie Pilze die Gehirne von Politikern steuern - und dass sich hinter jeder scheuen Schriftstellerin ein scheuer Mensch verbirgt.

Bereits seit 2000 arbeiten die Autorinnen und Regisseurinnen Sigrun Köhler und Wiltrud Baier als „Böller und Brot“ zusammen, entstanden sind außergewöhnliche Dokumentarfilme, Kurzfilme, Videoinstallationen und Daumenkinos. Nach u.a. »Schotter wie Heu«, »Der große Navigator« oder auch »Alarm am Hauptbahnhof« präsentieren sie mit »Wer hat Angst vor Sibylle Berg?« nun ihren sechsten abendfüllenden Kinodokumentarfilm.

Bundesstart - Das Debüt im Thalia