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Kinoprogramm Donnerstag, 20.07.2017 - Mittwoch, 26.07.2017

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30
18:00

Regie: Matti Geschonneck, (Deutschland), 2017

Darsteller: Bruno Ganz, Sylvester Groth, Hildegard Schmahl u.a.

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Die Geschichte kümmert sich einen Dreck um ihre Helden, sie marschiert einfach weiter. Powileit müsste es eigentlich wissen. So wie der Altstalinist und verdiente Genosse des Volkes Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) an seinem 90. Geburtstag, des immer gleichen sozialistischen Ganges seit Langem überdrüssig, in seiner Villa hockt, die einmal einem Nazibonzen gehörte. Draußen wütet die Konterrevolution, 1989 im Herbst, diesmal mit russischen Reformen. Drinnen fürchtet sich Genosse Powileit davor, von seiner Frau vergiftet zu werden. Ein letztes Mal wird er alles über sich ergehen lassen. Er weiß es, er ist ja nicht plemplem. Dass der Enkelsohn Sascha (Alexander Fehling), den er mehr liebt als den eigenen Stiefsohn Kurt (Sylvester Groth), in der Nacht vor der Feier die Republik Richtung Westen verlassen hat, soll so lange wie möglich vor dem Jubilar verheimlicht werden. Powileit hasst Menschen, die in diesen Zeiten solch nichtsnutzige Kinder in ihrer Familie haben. Saschas Mutter Irina (Evgenia Dodina) nimmt ein paar Gläser Wodka und torpediert die ganze potemkinsche Veranstaltung. Wo andere Phrasen und Orden verschenken, sagt sie die Wahrheit; wer seine Kinder verliert, verliert die Zukunft.

Regisseur Matti Geschonnek und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase handeln die Agonie des Gesellschaftssystems am Zerfall einer Familie ab. Sie destillieren dabei aus Eugen Ruges Generationen-Roman all jene Figuren und Fabeln, die sich an einem 90. Geburtstag zusammenführen lassen. Schmerzlich überlagern sich dabei die Lügen vom Anfang der DDR mit denen von ihrem Ende. Und doch geht alles irgendwie weiter. Denn die Geschichte kümmert sich einen Dreck um Wahrheit oder Lüge, sie marschiert einfach voran.

Alpa Kino

Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30 19:30 19:30 19:30
21:15

Regie: Gwendolin Weisser, Patrick Allgaier, (Deutschland), 2017

Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt

Prolog: Uns zieht es hinaus. Mit Rucksack, Zelt und nur dem, was wir wirklich brauchen. Und das alles über Land. Nie den Kontakt zur Erde verlieren. Immer Strecke spüren. Über die Meere mit dem Schiff, denn jeden Meter wollen wir mit all unseren Sinnen wahrnehmen, mit Zeit reisen.

Wir lernen Grenzen kennen. Wollen lernen, was Verzicht heißt und was Genuss bedeutet. Es ist der Versuch, nicht mehr als 5 Euro am Tag auszugeben. 2 oder 3 Jahre. Vielleicht mehr, vielleicht weniger.

Wir sind keine Helden, sind nichts Besonderes, wir hören lediglich auf das Gefühl in unserem Bauch.

Wir verlassen unser Zuhause, um zu lernen, was für andere Heimat bedeutet.

»Weit - Die Geschichte von einem Weg um die Welt« erzählt bunt und authentisch von unserer außergewöhnlichen Reise um die Erde. Zu zweit sind wir in den Osten losgezogen, um dreieinhalb Jahre später zu dritt aus dem Westen wieder nach Hause zu kehren. Ohne zu fliegen, erkundeten wir die Welt, stets von Neugierde und Spontanität begleitet.

Song to Song (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45

Regie: Terrence Malick, (USA), 2016

Darsteller: Michael Fassbender, Natalie Portman, Ryan Gosling u.a.

Song to Song (OmdU)

Der letzte Terrence Malick Film, den ich im Kino sah, war »Knight of Cups«. Mitten im Film verließen Leute den Saal. Objektiv betrachtet verstand ich sie - man konnte leicht den Überblick verlieren, was gerade auf der Leinwand passierte. Aber subjektiv gesehen: Es war ein Terrence Malick-Film! Da weiß man doch, was einen erwartet! Seine letzten sechs Filme seit 1998 - nach einer 20-jährigen Schaffenspause - festigten seinen Ruf als „Poet des Kinos“. Wir alle wissen, wie wunderbar man über Gedichte streiten kann.

»Song to Song« ist ein solches filmisches Gedicht - mit bezaubernden Darstellern (u.a. Fassbender, Gosling, Mara, Portman, Blanchett), deren Auftreten allein schon ein Grund für einen Besuch sein sollte. Es ist ein experimentell anmutender Film über verworrene Liebesgeschichten in der Musikszene von Austin. Die aufstrebenden Musiker Faye (Rooney Mara) und BV (Ryan Gosling) lernen sich auf einer Party des einflussreichen Produzenten Cook (Michael Fassbender) kennen und beginnen eine Beziehung. BV ahnt nicht, dass Faye und Cook bereits seit einiger Zeit eine Affäre haben. Letzterer wiederum lernt nur wenig später die Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) kennen und verführt sie. So dreht sich das Liebeskarussell auf der Bühne, im Studio und auf Festivals - und das schneller und farbenfroher als in „Rom-Coms“. Es dreht sich auf seine ganz eigene Malick-Art mit irren Bildern und großartiger Musik. Der erste Cut des Films war acht Stunden lang, das Drehbuch improvisiert und die Aufnahmen verteilten sich über zwei Jahre - für Filmfreaks steht fest: Ein echter Malick! Und der wirkt vor allem im Kino!

Viktoria Franke

Der Ornithologe

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00
21:45 21:45 21:45

Regie: João Pedro Rodrigues, (Portugal/Frankreich/Brasilien), 2016

Darsteller: Paul Hamy, Xelo Cagiao, João Pedro Rodrigues u.a.

Der Ornithologe

Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde »Der Ornithologe« als Meisterwerk gefeiert und Rodrigues mit dem Silbernen Leoparden für die Beste Regie ausgezeichnet.

Auf der Suche nach einer seltenen Storchenart ist der Ornithologe Fernando mit seinem Kajak auf einem Fluss im Norden Portugals unterwegs. Über sein Handy hält er Kontakt zu seinem Partner Sérgio, doch die Gegend ist so abgelegen, dass die Verbindung immer wieder abbricht. Überwältigt von der Schönheit der Natur, gerät Fernando in eine Stromschnelle, kentert und verliert das Bewusstsein. Als er wieder erwacht, haben ihn zwei chinesische Pilgerinnen aus dem Wasser gezogen, die ganz eigene, bizarre Pläne mit ihm haben. Fernando muss sich vor seinen Helferinnen retten und alleine durch den dichten Wald kämpfen, vorbei an mysteriösen Hindernissen und erotischen Begegnungen. Der Weg führt ihn an seine körperlichen und geistigen Grenzen. Wie durch ein Wunder wird er am Ende ein anderer Mann sein.

João Pedro Rodrigues, der seit seinem kühnen Debütfilm »O Fantasma« (2000) zu den wichtigsten Regisseuren Portugals und den aufregendsten Auteurs des queeren Kinos zählt, hat mehrfach betont, dass »Der Ornithologe« sein bislang persönlichster Film ist. Fernandos Odyssee durch eine betörend surreale Dschungelwelt ist zugleich eine zeitgemäße und höchst intime Interpretation der Legende des Heiligen Antonius, dem portugiesischen Landesheiligen. Ein Film wie ein Traum von Tod, Auferstehung und Märtyrertum, der sexuelle und spirituelle Grenzen auflöst und die Hauptfigur an das Ende einer Suche führt, die schon lange vor der Kajakfahrt begonnen hat.

Das Original ist besser!20th Century Women - Jahrhundertfrauen (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:15

Regie: Mike Mills, (USA), 2016

Darsteller: Annette Bening, Elle Fanning, Greta Gerwig u.a.

20th Century Women - Jahrhundertfrauen (OmdU)

»Jahrhundertfrauen« ist die Geschichte einer allein erziehenden Mutter und ihres Teenagersohns, die Geschichte eines Ablösungsprozesses. Dorothea Fields (Annette Bening), eine starke, eigenständige Mittfünfzigerin spürt, dass sie Unterstützung braucht, um Jamie (Lucas Jade Zumann) auf gute Art durch die Adoleszenz zu lotsen. Sie will ihn verstehen, von ihm verstanden werden und sie versucht, ihre Verlustängste in den Griff zu bekommen. Hilfe kommt von zwei jungen Frauen: der Fotografin Abbie (Greta Gerwig) und Julie (Elle Fanning) der sechzehnjährigen besten Freundin ihres Sohnes.

Unter der warmen Sonne Kaliforniens entwickeln sich skurrile, melancholische und schalkhafte Situationen. Ohne die Bedeutungskeule zu schwingen, wird über Vergänglichkeit, Liebe und Glück parliert. Sprühende Dialoge sorgen für Situationskomik. Stilistisch glänzt Mike Mills Film durch abwechslungsreiche, kunstvolle Verknüpfungen von Voice-Over, Bildmontagen, Blicke in die Zukunft und Vergangenheit in Regenbogen- oder Retrofarben. Obwohl mit völlig anderem Konzept und leichterer Hand umgesetzt, erinnert der Film in seinen großen Momenten an Richard Linklaters unvergleichlichen Coming-of-Age-Film »Boyhood«. »Jahrhundertfrauen« ist ein erstklassiger Ensemblefilm mit durch und durch sympathischen Figuren, angeführt von der leider noch immer nicht OSCAR-gekrönten Annette Bening.

Grit Dora

Das Original ist besser!Preview: The Party (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Regie: Sally Potter, (Großbritannien), 2017

Darsteller: Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Cherry Jones u.a.

Preview: The Party (OmdU)

Die Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) ist gerade zur Gesundheitsministerin eines Schattenkabinetts ernannt wurden und lädt eine kleine feine Runde ausgewählter Gäste in ihr Londoner Stadthaus ein, um das angemessen zu feiern. Nachdem alle Gäste artig ihre Glückwünsche losgeworden sind, platziert Janets Ehemann Bill (Timothy Spall) ein Geständnis, das die Party sprengt. Innerhalb weniger Minuten kippt die wohltemperierte Atmosphäre. Es hagelt Offenbarungen, Vorwürfe, Anschuldigungen - in einem irren temporeichen Kammerspiel sprechen alle sieben Figuren aus, was sonst immer unter den Teppich gekehrt wird. Jegliche Rücksichtnahme wird fallen gelassen, Chaos macht sich breit und nicht nur verbale Gewalt findet statt. Mit minimalistischen bildnerischen Mitteln zeichnet der Film in nur 71 Minuten die (Selbst)Demontage aller Anwesenden auf - ein gemeinsamer Parforce-Ritt des illustren Schauspiel-Ensembles, das Sally Potter gewinnen konnte. Den steten Mittelpunkt bildet die fabelhafte und leider viel zu selten angemessen besetzte Kristin Scott Thomas, angemessen flankiert von der großartigen Patricia Clarkson, die als April durchgehend mit erstklassigen zynischen Sprüchen punktet.

Regisseurin Sally Potter hat in so unterschiedlichen Filmen wie »Orlando«, »Yes« oder »Ginger und Rosa« immer klare Kante gezeigt - sie ist niemals unpolitisch. Hier führt sie mit scharfem Witz die linksliberale Upper Class vor, die Nabelschau von Post-Post-Feministinnen ebenso wie die altbackener Linksintellektueller. Und mit raffiniertem Understatement darf das gesamte Ensemble auf hinreißend bösartige Weise zeigen, wie schlecht es Männer verkraften, wenn ihre Frauen im Mittelpunkt stehen.

Grit Dora