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Kinoprogramm Donnerstag, 05.12.2019 - Mittwoch, 11.12.2019

Aretha Franklin: Amazing Grace

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:15 17:15

Regie: Sydney Pollack, Alan Elliott, (USA), 2018

Darsteller: Aretha Franklin u.a.

Aretha Franklin: Amazing Grace

Dass es vom meistverkauften Gospelalbum der Welt, Amazing Grace - Aretha Franklin (Atlantic Records 1972), eine vollkommene Filmaufnahme gibt, wusste nicht nur der damals mit den Aufnahmen beauftragte Sidney Pollack sein Leben lang. Und doch kam erst 2007, ein Jahr vor Pollacks Tod, Bewegung in die Sache mit den Filmrollen aus der New Temple Missionary Baptist Church in Los Angeles. Das technische Problem mit der nicht synchronisierbaren Tonspur konnte der Filmemacher Alan Elliott schließlich beheben, doch nun sperrte sich die Queen des Soul selbst gegen die Veröffentlichung. Pietätvoll hielt Alan Elliott inne, als die Diva 2018 verstarb, doch dann stürmte er auf die Erben los und siehe da, die Zeitkapsel öffnet sich nun endlich für alle, die damals nicht dabei sein konnten. Begleitet wurde Aretha Franklin bei der erklärten Rückbesinnung auf ihre Wurzeln vom großartigen Reverend James Cleveland und dem Southern California Community Choir. Demütig steht sie hinter einem Mikrofon und gibt sich Song für Song dem quasi religiösen Real Book hin. Die 87 Minuten währende Andacht erlebt der Zuschauer, indem er umherfliegt wie ein verirrter Engel. Alan Elliott verzichtete auf jegliches Polieren der Bilder, Schneiden auf den Rhythmus der Musik oder die sonst üblichen Ideen. Statt dessen hüpft das Auge des Betrachter hin und her, erwischt Chor und Sängerin, beobachtet wie heimlich Publikum und Begleitung auf ihrem Weg zu Gott. Denn das ist diese musikalische Andacht in erster Linie; ein Gottesdienst, so, wie man ihn aus anderen baptistischen Kirchen auch kennt, voller Hingabe und Erfüllung. Voll von dieser erstaunlichen Gnade, die jenem Moment innewohnt, wo Menschen aus religiöser Überzeugung miteinander singen und tanzen.

Alpa Kino

Systemsprenger

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00

Regie: Nora Fingscheidt, (Deutschland), 2019

Darsteller: Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide u.a.

Systemsprenger

Drei Wochen 1:1-Betreuung im Wald - ein Anti-Aggressionstraining, eigentlich für auffällige Jugendliche gedacht. In diesem Fall ist es die beinahe letzte Idee vor der dauerhaften Unterbringung eines neunjährigen Mädchens in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Benni ist ein „Systemsprenger, so der Fachjargon des Jugendamtes: Voller unbändiger Energie, brutal, wütend, unkontrollierbar. Ein um sich tretender Hilfeschrei. Sie hat schon Klinikaufenthalte, Pflegefamilien, Wohngruppen hinter sich. Fliegt immer wieder raus. Will heim zu ihrer Familie, der Mutter, den kleineren Geschwistern. Ein Rückweg, der versperrt ist, die Mutter hat Angst vor Bennis sozialer Sprengkraft und traut sich eh nichts zu. Im Hintergrund hält sich ein gewalttätiger Freund auf, Bildfetzen aus Bennis Albträumen, kurze Rückblenden legen eine atmosphärisch dichte Spur in die Vergangenheit. Der Fokus aber liegt auf der Gegenwart. Micha, der Anti-Gewalttrainer engagiert sich und verliert dabei fast die Distanz, die Sozialarbeiterin Frau Bafané sucht immer wieder einen neuen Weg, Ärzte, Erzieher, alle sind guten Willens, wollen nicht das Handtuch werfen. Trotzdem findet sich kein dauerhafter Platz für Benni, kein Ausgang, kein Zuhause. Regisseurin Nora Fingscheidt ist mit ihrem Spielfilmdebüt ein großer Wurf gelungen. Sie findet starke virtuose Bilder für Bennis inneres Drama. Am ehesten lässt sich die beklemmende Wucht von »Systemsprenger« mit Sean Bakers herausragendem »The Florida Project« (2018) vergleichen. Eine Fürsprache für die nicht Konformen - mit der nötigen ästhetischen Zugkraft für die große Leinwand. Zurecht auf der Berlinale ausgezeichnet. Helena Zengel spielt kraftvoll und authentisch Benni und hat die wunderbare Gabriela Maria Schmeide als Sozialarbeiterin an ihrer Seite.

Grit Dora

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Das Original ist besser!Parasite

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:15

Regie: Bong Joon-ho, (Südkorea), 2019

Darsteller: Song Kang-ho, Lee Sun-kyun, Cho Yeo-jeong u.a.

Parasite

Parasitismus nennt man den Ressourcenhandel, den sich ein kleiner Organismus bei einem viel stärkeren Wirt erschleicht. Im Erschleichen von Ressourcen ist die Familie Ki recht bewandert, die arbeitslosen Eltern hausen mit ihren fast erwachsenen Kindern in einer Art dreckigen Souterrain-Höhle und ergreifen jede sich bietende Möglichkeit, einen schnellen Won zu machen. Ki-woo (Choi Woo-shik) und seine Schwester Ki-Jung (Park So-dam) sind nicht auf den Kopf gefallen, sie hatten bloß noch kein Chance, zu zeigen, was für Talente in ihnen schlummern. Diese Gelegenheit bietet sich unverhofft für Ki-woo, als er sich bei der wohlhabenden Familie Park um die Stelle als Englischlehrer bewirbt. Den Papierkram erledigt seine Schwester, das Vortäuschen eines erfolgreichen Englischstudiums bleibt Ki-woo vorbehalten. Mit dem einen Fuß in der Tür der Reichen gibt sich Familie Ki aber nicht zufrieden, schließlich könnte der kleine Park-Sohn gut eine neue Kunsterzieherin, die Dame des Hauses eine neue Putzkraft und alle zusammen vielleicht einen Chauffeur gebrauchen…

Regisseur Bong Joon-hos gefiel von Anfang an die Idee einer bedrückenden Symbiose, welche die Familie Ki und die Familie Park hier eingehen. Zweifellos braucht der kleine Da-song Zuwendung, seine traumatischen Bilder, die seine Mutter für Kunst hält, sprechen jedenfalls davon. Und wenn erst einmal ein wenig Licht auf das ganze schöne Gebilde fällt, erinnert man sich wieder, wer im Kapitalismus eigentlich auf wessen Kosten lebt. Dass die ausgezeichneten Sozialdramen gerade aus dem asiatischen Raum kommen, muss nicht verwundern, hat sich doch die kapitalistische Produktionsmaschine in den letzten Jahrzehnten genau hier angesiedelt. Doch all das ist nur die ausgezeichnete Goldene Palme-Folie, auf der Regisseur Bong Joon-hos eine ganz andere Geschichte erzählen möchte. Und die beginnt damit, dass der kleine Da-song sich fragt, warum all diese neuen Leute jenen seltsamen Kellergeruch an sich haben.

Alpa Kino

Das Original ist besser!Porträt einer jungen Frau in Flammen

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00

Regie: Céline Sciamma, (Frankreich), 2019

Darsteller: Valeria Golino, Adèle Haenel, Noémie Merlant u.a.

Porträt einer jungen Frau in Flammen

»Porträt einer jungen Frau in Flammen« ist ein Drama, das in Frankreich des 18. Jahrhunderts spielt.

Die Pariser Malerin Marianne (Noémie Merlant) bekommt 1770 einen ungewöhnlichen Auftrag. Eine verwitwete Gräfin (Valeria Golino) möchte, dass ihre Tochter für ein Hochzeitsporträt gezeichnet wird. Klingt einfach, ist es aber nicht. Héloïse (Adele Haenel), die Tochter, rebelliert gegen die Mutter und weigert sich, Modell zu sitzen, um so gegen ihre arrangierte Ehe zu protestieren. Die junge Héloïse hat gerade die Klosterschule für adlige Frauen verlassen und soll schon bald heiraten. Dabei ist die Familie angewiesen auf ein solches Porträt, denn nur so kann die Eheschließung mit einem ihr unbekannten Mann aus Mailand offiziell bekannt gemacht werden.

Auf einer abgelegenen Insel in der Bretagne soll Marianne sie nun beobachten und am Abend aus dem Gedächtnis zeichnen. So bleibt der Malerin nichts anderes übrig, als Héloïse während ihrer Spaziergänge an der Meeresküste genau zu beobachten. Sie verkleidet sich als Hausmädchen, um so Héloïses Vertrauen zu gewinnen. Das gelingt. Und je länger die beiden Frauen Zeit miteinander verbringen, je tiefer die beiden sich dabei in die Augen sehen, desto näher kommen sie sich.

Der Film von Céline Sciamma ist eine sehr feine Liebesgeschichte, die zugleich ein kraftvolles, modernes Statement über die Situation der Frau über die Jahrhunderte hinweg gibt. Viele Einstellungen im Film erinnern selbst an wunderschöne Gemälde. »Porträt einer jungen Frau in Flammen« ist der Publikums- und Kritikerliebling in Cannes und wurde für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

BSC

Das Original ist besser!Joker

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:15

Joker

Regie: Todd Phillips, (USA), 2019

Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz u.a.

Joker

Joaquin Phoenix ist der neue Joker. Im Gegensatz zum letzten Spaßmacher Jared Leto aus der recht belanglosen »Suicide Squad« Verfilmung (2016), bei dem Millionen von Mädchen und (jungen) Frauen in pubertäre Schwingungen verfielen, hält sich der Sexappealfaktor beim abgemagerten Mr. Hasenscharte in Grenzen. Dafür bedeutet die Solostrecke des Erzschurken nunmehr die Verbindung aus Comicverfilmung und Arthouse Kunst, also Sex fürs Gehirn. Unter der Regie von Todd Phillips, der auch als Drehbuchautor fungierte, wird die Geschichte von Arthur Fleck, einem verkappten Comedian, der erfolglos bleibt und sein Vorbild Murray Franklin (Robert De Niro) im Fernsehen anhimmelt, erzählt. Er lebt mit seiner Mutter Penny in einem schäbigen Apartment, ist Party Clown, einsam und zutiefst verstört. Während er im Alltag untergeht, wird auch seine Stadt Gotham City in einen Sumpf aus Dreck und Verbrechen gezogen. Banden mit Clownsmasken ziehen durch die Straßen und Fleck findet ein Ziel für seine innere Wut: Superreiche wie den Milliardär Thomas Wayne (Brett Cullen). Im Gegensatz zum geschichtslosen Irren in der »Dark Knight« Variante von Heath Ledger dargeboten, geht der neue Film den ganzen Weg des Elends mit, den es braucht, um aus einem gewöhnlichen Menschen die wahnsinnige Bestie des Comic Jokers zu machen. Dabei ist Phoenix sicherlich eine ungewöhnliche Wahl, aber auch ein Schauspieler, der sowohl eine Kinder- und Jugendstarphase, Alkohol- und Drogenexzesse und den Verlust seines Bruders River Phoenix verarbeiten musste. Und auch, wenn dieser Film ausdrücklich kein Teil des aktuellen DC Comicfilmuniversums ist, könnte es der beste Beitrag seit Langem sein, der diese Welt umfasst.

Pinselbube