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Es ist Sommer, die Bienen summen, die Luft flirrt, der Schäfer ist auf seiner Alm beschäftigt. Was nach Naturdoku klingt, die auch im Fernsehen laufen könnte, ist weit mehr als man mit Worten beschreiben kann: eine schwarz-weiß gedrehte Beobachtung des Jahreskreislaufs in den rumänischen Karpaten, fast zeitlos die Menschen und ihre Arbeit. Der Schäfer, mit einem dicken Schafsfell über den Schultern, schert, melkt und schlachtet die Tiere und gibt seinem 16-jährigen Sohn das Wissen weiter. Er ist nicht sehr gesprächig, außer wenn er seinem Sohn alte Mythen erzählt und sich wundert, dass der noch nie davon gehört hat. Selbst wenn er gar nicht sprechen würde - der Film lebt vom Beobachten seiner Tätigkeiten und der fantastischen Landschaft. Vor- und Abspann legen nahe, dass der als Regisseur fungierende Titus Faschina auch den Kameramann Bernd Fischer letztlich als „Filmemacher“ verstanden wissen möchte. Entstanden ist dieser visuell sehr starke Film, bei dem man die Farbe nicht eine Sekunde vermisst.
In was für einer Welt lebt die Familie Stanciu? Leicht erliegen wir der nicht-elektrifizierten Idylle, doch immer wieder wird klar, dass die einfachen Mittel letztlich der Armut geschuldet sind. Keine landwirtschaftliche Errungenschaft des 20. Jahrhunderts hat hier bisher Einzug gehalten. Schäfer Dumitru berichtet außerdem von Problemen mit Wölfen, die die Schafe reißen und den nicht mehr vorhandenen Nachbarn, mit denen man zusammen solchen Gefahren begegnen könnte. Der Sohn hat schon eine Weile keine anderen Kinder zum Spielen auf der Alm, alle zogen sie ins Tal. Doch: „es liegt alles in Gottes Hand“, findet Dumitru und sein Sohn geht zwar in der Stadt in die Schule (was ihn mehrere Stunden Fußmarsch und Busfahrt kostet), aber dort zu leben, kann er sich nicht vorstellen. Zu unfrei.
Wie man auf den Almen der Karpaten lebt und arbeitet, ist allerdings in Zeiten der EU-Mitbestimmung keine private Entscheidung mehr. Bereits heute verkauft die Familie den Käse unter der Hand, weitere einschneidende Veränderungen stehen vor der Tür. Doch viele dieser Hintergrundinformationen fließen nicht explizit in den Film ein, sie sind auch so zu spüren, während man dem vermeintlich archaischen Leben der Familie Stanciu zuschaut und Dumitru sagen hört: „Es gibt keine Zukunft, keine Chance“. »Dem Himmel ganz nah« ist ein sehenswertes filmisches Denkmal einer aussterbenden Tradition und Kultur.
Petra Wille
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Das Original ist besser! Original version with German subtitles
Exklusiv im Thalia - spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Immer mal heißt es, dass in Zukunft die Gefahr von bewaffneten Auseinandersetzungen um Trinkwasser besteht. Wer weiß schon, dass Bolivien seinen Guerra del Agua („Wasserkrieg“) bereits im Jahr 2000 in Cochabamba führte? Die Wasserversorgung war privatisiert und in die Hände eines Konzerns gelegt worden, die Preise stiegen. Durch Proteste und Streiks konnte dies wieder rückgängig gemacht werden, der Preis waren bürgerkriegsähnliche Zustände, sieben Tote und zahlreiche Verletzte.
Vor diesem Hintergrund spielt der Film der spanischen Filmemacherin Icíar Bollaín. Doch die sozialen Unruhen sind nur ein Teil der Geschichte um das soziale Oben und Unten, um Kolonialherren und Kolonialisierte. Die Kerngeschichte dreht sich um ein Filmteam, das in Bolivien die „wahre“ Geschichte des heldenhaften Christoph Kolumbus erzählen will: die Gier nach Gold und die Ausbeutung der Indios. Der idealistische Regisseur Sebastian ist mit Gael Garcia Bernal sehr passend besetzt, ebenso wie der Produzent Costa (Luis Tosar). Dieser hat vor allem das Budget im Blick und daher kein Problem damit, dass die als Komparsen angeheuerten Indios einen Tageslohn von zwei Dollar bekommen.
Sehr geschickt werden die zeitlichen Ebenen miteinander verwoben. Immer wieder zeigt der Film im Film, wie grausam Kolumbus und seine Leute ihre Interessen durchsetzten. Die Opfer von damals sind auch heute wieder die Benachteiligten, aber sie wehren sich. Es gibt ständig Demonstrationen und Versammlungen, und der rebellische Komparse Daniel wird zu einer Art Anführer. Er landet schließlich im Gefängnis - eine Katastrophe für das Filmteam. Ständig werden unter ihnen Diskussionen geführt, die zeigen, dass auch bei den Dreharbeiten die indigenen Darsteller alles andere als gleich(berechtigt) sind. Dem Film gelingt es weitgehend, die komplexen und verzwickten Verhältnisse nachvollziehbar darzustellen: Die Interessen dieser spanischen Filmleute sind einfach andere als die der dort lebenden Menschen, und wer etwas anderes behauptet, der wird schnell als scheinheiliger Gutmensch entlarvt.
Am Ende wird der Bogen jedoch recht weit gespannt: Die Auseinandersetzungen eskalieren, das Filmteam muss die Stadt verlassen. Geläutert und vorbildlich - oder doch nur naiv, das mag man sich nach der 180-Grad-Wende eines der Protagonisten fragen, der eine scheinbar sinnlose Rettungsaktion vornimmt. Ohne hier zu viel zu verraten: Da wäre weniger mehr gewesen.
Petra Wille
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Jonas ist 18 und mehrfacher Sitzenbleiber. Seine allerletzte Chance auf einen weiterführenden Schulabschluss ist eine 10. Klasse der Brandenburger Gesamtschule Paul-Dessau. Nach sechs Wochen wird sich entscheiden, ob Jonas´ Noten und Verhalten den weiteren Verbleib auf der Schule zulassen oder ob er sein zukünftiges Leben ohne Schulabschluss gestalten muss…
Grimme-Preisträger, Schriftsteller und Schauspieler Christian Ulmen erlebt noch einmal seinen ganz persönlichen Albtraum in Spiel?lmlänge: Schule. Freiwillig und mit allen Konsequenzen. Denn gedreht wurde unter Regie von Robert Wilde im tatsächlichen Unterricht mit realen Schülern und Lehrern. Während der Drehzeit musste Ulmen sämtliche Tests mitschreiben, mündliche Prüfungen über sich ergehen lassen und auch seine Freizeit als „Jonas“ verbringen. Entstanden ist eine subversiv-unterhaltsame und erfrischend entlarvende Komödie in dokumentarischer Qualität über ein authentisches Gesamtschulprojekt, die seltene Einblicke in den normalen Schulalltag gewährt und dadurch ein aktuelles Abbild eines ganz besonderen Universums zeichnet. Ein faszinierender Film über Pubertät, Erziehung, Glauben und die Liebe, multipliziert mit der Feuerzangenbowle, erweitert um die Musik von Funny van Dannen, Die Sterne, und Helge Schneider. Leider hat Christian Ulmen aber auch „heute noch immer keinen blassen Schimmer, was ein Logarithmus ist.“
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Nach dem Erfolg des 2010 erschienen Debütalbums »On Claws« (Bestes Album des Jahres, 3voor12award, NL) legt der aus Utrecht stammende Thijs Kuijken sogleich sein neuestes Werk »Oasem« nach und zeigt darauf, dass sich I Am Oak vom beschaulichen Schlafzimmerprojekt zum Bandgefüge entwickelt hat.
Auf »Oasem« wandeln Banjo, Bass und sogar ein Balafon auf breiten Orgel- und Synthesizer-Flächen und verschwimmen mit harmonischen Vocals und minimalistischen Beats zu intimen Folk-Songs, die in warmen, beruhigenden Ambient-Charme leuchten.
»Die Songs sind wie Reisen. Sie beginnen an einem Horizont und bewegen sich durch Landschaften, in denen ich Dinge sehe, höre und sie reflektiere, um dann an einem neuen Horizont anzukommen und doch zu merken, dass es eine endlose Suche ist.« Thijs Kuijken im Interview mit motor.de