Ab sofort sind neue Gutscheine erhältlich!
| Do. | Fr. | Sa. | So. | Mo. | Di. | Mi. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 17:30 |
Nach dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Massaker, bei dem rund 1200 Menschen ermordet und etwa 250 Geiseln genommen wurden, reagierte Israel mit beispielloser Härte. Eine der am besten ausgerüsteten Streitkräfte der Welt drang in den nur knapp 40 Kilometer langen und sechs- zwölf Kilometer breiten Gaza-Streifen ein, mit dem erklärten Ziel, die dort herrschende Terror-Organisation Hamas zu vernichten.
Schnell mehrten sich jedoch Berichte von zivilen Toten, von wahllosen Zerstörungen von Gebäuden, dem gezielten Angriff auf Infrastruktur, auf Krankenhäuser, der Wasserversorgung. Inzwischen sind weit mehr als 70.000 Menschen in Gaza gestorben, die Mehrheit von ihnen Frauen und Kinder. Unvermeidliche Kollateralschaden heißt es dazu von Seiten der israelischen Armee, zumal sich die Hamas gezielt hinter menschlichen Schutzschilden versteckt halte. Doch Israel sei die „moralischste Armee der Welt“ heißt es, nie habe eine Armee sich so sehr bemüht, zivile Opfer zu vermeiden.
Immer mehr Menschenrechtsorganisationen zweifeln dies an, werfen Israel und seiner Armee, der IDF, vor, zumindest Kriegsverbrechen zu begehen, auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag ging sogar eine Klage ein, die das Vorgehen Israels als Genozid bezeichnet. Bis dieser Prozess entschieden sein wird, dürften Jahre vergehen, bis es soweit ist bleiben Filme wie „Naza“, der in schwer zu ertragenden 80 Minuten einen nüchternen Blick auf die Methoden Israels wirft.
24 Armeemitglieder, Soldaten und Techniker kommen zu Wort, interviewt von Yuval Abraham, des Nachts in der Metropole Tel Aviv, einer modernen Stadt, nur 60 Kilometer Nördlich des Gaza-Streifens. Im Schutz der Dunkelheit, zusätzlich mit verfremdeter Stimme, um ihre Anonymität zu wahren und unweigerliche Repressionen möglichst zu verhindern, wird von den ausgefeilten Methoden berichtet, mit denen in Gaza Terroristen gejagt werden.
Die Überwachung ist vollständig, jedes Telefon- oder Handy-Gespräch, das die dort lebenden Palästinenser führen, wird abgehört, per Drohnen-Aufklärung werden präzise Modelle der Gebäude in Gaza angefertigt, um exakt orten zu können, wo sich ein mutmaßlicher Terrorist aufhält. Doch da dieser Terrorist selten allein ist stellt sich die Frage, wie viele Zivilisten bei einem Angriff auch getötet werden dürfen, wie hoch der Kollateralschaden sein darf, der Naza, wie das hebräische Akronym lautet. Mal sind es „nur“ ein paar, in anderen Phasen des Krieges waren angeblich 20 völlig akzeptabel, einzelne der Interviewten sprechen gar von 200 oder sogar 500 Nazas, die als akzeptabel galten.
Überprüfen lässt sich all das nicht, das liegt in der Natur der Sache, Gründe an den Aussagen der Zeugen zu zweifeln gibt es jedoch nicht. Zu sehr ähneln sich die Berichte der Männer und wenigen Frauen, zu selbstverständlich, ja geradezu beiläufig berichten sie vom systematischen Inkaufnehmen ziviler Opfer, zu sehr stützen die Bilder aus Gaza, die seit drei Jahren von der Vernichtung einer Region zeugen, die Aussagen der Zeugen.
Neu sind die Berichte in „Naza“ meist nicht, bei der britischen Zeitung The Guardian, die den Film auch co-produzierte, und der israelischen Webseite +972, waren viele der Aussagen der Zeugen schon zu lesen. Was Yuval Abraham und Rachel Szor in „Naza“ jedoch machen, ist auf subtile Weise anzudeuten, wie sehr Anklagen israelischer Politiker auch auf das eigene Land zutreffen. Einmal sieht man den israelischen UN-Botschafter, der alle Bewohner Gazas der Mitwisserschaft beschuldigt. Doch was soll man über Israelis sagen, die den Krieg in Gaza Live im Fernsehen verfolgen, wie Abraham und Szor andeuten, indem sie mit der Kamera immer wieder über die nächtlichen Fassaden Tel Avis streifen, wo in den erleuchteten Fenster Fernseher leuchten.
Und schließlich eine Aussage Benjamin Netanjahus, der vor vielen Jahren in einem TV-Interview seine Definition von Terrorismus gab: Dies sei der Fall, wenn gezielt Zivilisten angegriffen werden, um politische Ziele zu erreichen. Wenn man dazu Aussagen hört, die von den gezielten Schlägen in Gaza berichten, der Vertreibung der Bevölkerung, dem Erschießen von Zivilisten, die verzweifelt auf der Suche nach Nahrung sind, liegt die Aussage von „Naza“ auf der Hand.
Dass die Regisseure inzwischen von ihrer eigenen Regierung des Landesverrats beschuldigt werden, ihnen mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft gedroht wird, überrascht kaum. Dabei ist „Naza“ kein wütendes, agitatorisches Pamphlet, sondern überzeugt gerade durch seine überlegte, nüchterne Art.
Michael Meyns
| Do. | Fr. | Sa. | So. | Mo. | Di. | Mi. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 19:15 |
Wir sehen in Großaufnahme eine Nähmaschine rattern und hören einen Kontrabass eindringlich sein Lied beginnen. Der da seine Hose näht, ist Gregor Bakovic, er ist unser junger Held. Zumindest ist er auf dem besten Wege, es zu werden. Unsere Sympathie erringt er sich durch zwei, drei unscheinbare Dinge, er mag Vivaldi, fährt für sein Leben gern Zug und er ist verliebt. Für ein richtiges Märchen gehört sich das auch so. Schnell wird das Unwichtige überflüssig. Man muss es nur beiseite schieben. Unser Held zieht die fertige Hose an, streicht den Namen an seinem Türschild aus, kauft sich eine Fahrkarte bis zum nächsten Bahnhof und steigt ein.
Durch eine herbstlich vergoldete Landschaft rollt der kleine Zug. Die eingleisige Nebenstrecke führt uns quer durch Slowenien. Auf jedem Bahnhof möchte man glauben, die Zeit sei stehengeblieben. Während wir die seltsamsten Reisebekannschaften knüpfen - ein Mann mit etlichen Luftballons zwängt sich durch die Abteile, ein anderer mit einem Vogelkäfig sorgt für gehörige Aufregung - finden wir unseren jungen Helden wieder.
Immer wieder wandert sein Blick von der vorbeiziehenden Landschaft zu der jungen Frau gegenüber. Er sitzt in einem Abteil gemeinsam mit Barbara Cerar. Die junge Frau hat sich geradezu häuslich eingerichtet. Sie umgibt sich auf Reisen mit einer Handvoll persönlicher Dinge und über die mitten durch das Abteil gespannte Wäscheleine hinweg erregt sie die Aufmerksamkeit unseres jungen Helden. Am nächsten Bahnhof beschließt er kurzerhand, dass er sich verliebt hat und löst ein weiteres Ticket.
Bevor Igor Sterks traumhafte Zugreise in den Express-Flitterwochen endet, umfängt uns noch eine liebevoll inszenierte Geschichte ganz universeller Art. Kaum dass es hier irgendwelcher Worte bedarf, zwei Menschen verlieben sich, andere fahren schwarz, das Zugpersonal hält unterwegs den Zug an, um das traditionelle Fußballspiel durchzuführen. Igor Sterks Film erinnert uns daran, dass Zugfahren die beste Medizin für kranke Seelen ist, und ein einsamer Bahnhof mitten in Slowenien der schönste Ort für Vivaldis »Vier Jahreszeiten«.
| Do. | Fr. | Sa. | So. | Mo. | Di. | Mi. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 20:45 |
Man fühlt sich der eigenen, lauten und hektischen Welt enthoben, wenn Jakob zum ersten Mal den verwilderten Garten seines Großvaters betritt. Man möchte fast meinen, wieder ein Kind zu sein, das an des Großvaters Hand durch den Garten geführt wird. Den Zuschauer umfängt ein Zauber von mystischer Art, der von den Dingen ausgeht, die uns umgeben. Den einfachen Dingen, wie auch der Natur. Jedoch haben wir seit langer Zeit verlernt, ihnen auf den Grund zu schauen. Jakob widerfahren wundervolle Geschichten, er trifft die wundertätige Jungfrau, begegnet seinem Vater auf ungewöhnliche Weise und bekommt ein neues Verhältnis zum Wert seines bisherigen Lebens. Er findet endlich den Mut, Dinge zu tun und andere zu lassen. Wenn sich die wundertätige Jungfrau am Ende über den Boden der Realität erhebt, dann ist endlich alles so, wie es sein soll. Man schwebt regelrecht aus dem Kino.