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| 18:30 |
Alle Jahre wieder - Kultfilme im Thalia
Was soll man nach jahrzehntelanger und alljährlicher Wiederholung eines genialen Kultstreifens noch sagen? Dass einem die satten Schwarz- Weiss-Bilder aus Robby Müllers Kamera auf direkten Wege ins Mark gebrannt werden, oder die Konstellation John Lurie, Roberto Benigni und Tom Waits zu den Sternstunden des Autorenkinos zählt und man bereits nach dem Vorspann den Soundtrack von John Lurie und Tom Waits begehrt.
Der Radio-DJ Zack, der Zuhälter Jack und der Falschspieler Roberto sitzen gemeinsam im Knast ein, und obwohl Letzterer für reichlich fröhlichen Schluckauf sorgt, beschließen die drei kurzerhand die Flucht zu ergreifen..., yeah "we’re escaped, like in the american movies."
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| 21:45 |
Losgelöst von Ort und Zeit reisen wir mit Jim Jarmusch einmal rund um die Uhr und den Globus. Und verlassen doch dabei eigentlich keinen Ort wirklich. Denn der ganze Film spielt auf eng begrenztem Raum; im Inneren eines Taxis. Corky (Winona Ryder) chauffiert mit dem Telefonbuch unterm Hintern und mit großer Klappe zwischen den einzelnen Zigaretten quer durch Hollywood. Sie verblüfft eine Casting- Agentin (Gena Rowlands) durch ihre kategorische Ablehnung des gängigsten aller Westküsten-Klischees. Sie will nicht zum Film...
Noch nicht ganz vertraut mit der Taxi-Materie scheint Helmut Grokenberger (A.Müller-Stahl). Weder kennt er sich in New Yorks Straßen aus noch im Inneren seines Wagens. Sein erster Fahrgast YoYo (Ciancarlo Esposito) gibt ihm daher gleichzeitig Fahrstunden (D - is to drive.), Sightseeing und lebensrettende Hinweise... Um so besser kennt sich das blinde Mädchen (Beatrice Dalle) in den Straßen von Paris aus, denn sie lässt sich nicht mit einem kleinen Umweg und folglich mit einer höheren Rechnung übers Ohr hauen... Ein Pater bringt Gino (Roberto Benigni) die langersehnte Erlösung vom nächtlichen Einbahnstraßen-Einerlei sowie Erleuchtung auf Roms finsteren Gassen, bezahlt dafür jedoch bei Ginos lebhafter Beichte einen zu hohen Fahrpreis... Die letzte Tour endet im Morgengrauen von Helsinki mit den Worten: ""Hallo Aki, weißt du wo du bist? - Ja, Helsinki"". Kein geringerer als Matti Pellonpää selbst chauffiert drei Säufer solange durch die tiefverschneite Stadt, bis sie wieder nüchtern sind und einmütig beschließen: Es gibt Schlimmeres als Job weg, Frau weg und Auto weg.
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| 18:15 | ||||||
| 21:45 |
Algier, 1938. Meursault (Benjamin Voisin), ein ruhiger, unauffälliger Angestellter Anfang dreißig, nimmt ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teil und beginnt kurz danach eine Affäre mit seiner früheren Kollegin Marie (Rebecca Marder). Sein gleichförmiger Alltag wird von einem Nachbarn gestört, der Meursault in zwielichtige Situationen hineinzieht…
François Ozon adaptiert Albert Camus’ Klassiker von 1942 für die Leinwand und reiht sich damit in eine überschaubare Reihe filmischer Umsetzungen ein: Nach Luchino Viscontis »Lo Straniero« (1967) und Zeki Demirkubuz’ türkische Interpretation »Yazgı« (2001) folgt nun seine mit besonderer formaler Strenge inszenierte Version. Der überaus produktive französische Regisseur hält sich eng an Camus’ Text, integriert aber Archivmaterial, das die französische Kolonialherrschaft in Algier verherrlicht und verweist so auf die sozialen Spannungen, ohne sie zum zentralen Handlungselement zu machen. Im Zentrum steht Meursaults Indifferenz gegenüber gesellschaftlichen Ritualen und menschlichen Bindungen. Vom Tod seiner Mutter über deren Beerdigung und die darauf folgenden Tage bis hin zu einem schicksalhaften Ereignis am Strand von Algier verfolgt der Film Meursaults Reaktionen - weniger das Geschehen selbst als seine Wahrnehmung davon, seine Distanziertheit und existentielle Gleichgültigkeit. Die Geliebte Marie (Rebecca Marder) fungiert als Kontrastfolie, während Rückblenden die Abfolge der Ereignisse strukturieren und Meursaults Perspektive betonen.
Ozon findet schmerzhaft klare Bilder für die innere Isolation des Protagonisten. Das körnige Schwarz-Weiß des Filmmaterials sorgt für elegante Bilder und atmosphärische Dichte, die einen reizvollen Kontrast zum spröden Plot bilden. Die virtuose Neuinterpretation des gleichnamigen Literaturklassikers von Albert Camus feierte ihre Weltpremiere im Wettbewerb des Venedig Filmfest 2025.
Grit Dora
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Die Legende von William Shakespeare ist untrennbar mit den großen Dramen der Weltliteratur verbunden - doch was geschieht, wenn der Mythos beiseite geschoben wird und man auf die Frau blickt, die hinter dem Schöpfer stand? Die Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao (»Nomadland«) adaptiert Maggie O’Farrells gefeierten Roman und wählt für ihre Inszenierung konsequent die Perspektive von Agnes Hathaway (Jessie Buckley), Shakespeares empfindsamer Ehefrau. Ausgangspunkt ihrer Erzählung ist die tiefe, fast naturverbundene Darstellung ihrer frühen Liebe. Agnes und der junge, aufstrebende Barde (Paul Mescal) planen ein gemeinsames Leben, das durch die unaufhaltsame Gravitation seines Talents bald ins Getriebe Londons gerät. Die Geschichte einer großen Liebe droht aber nicht an den äußeren Umständen, sondern an einem zutiefst persönlichen Schicksal zu zerbrechen. Als der einzige Sohn des Paares, der elfjährige Hamnet, der Pest zum Opfer fällt, zerbricht das Leben der Familie. Ihre Trauer entfaltet eine zertrümmernde Kraft, die ihre Beziehung zu ersticken droht. Zhao inszeniert diesen Verlust nicht als historischen Fakt, sondern als intime, unentrinnbare Familientragödie. Inmitten dieser furchtbaren persönlichen Verzweiflung beginnt Shakespeare mit dem Versuch, das Unfassbare zu kanalisieren. Aus dem Schmerz um seinen verlorenen Sohn Hamnet entsteht mit dem Drama Hamlet eine der größten Schöpfungen der Literaturgeschichte. Zhao kontrastiert Shakespeares Kreativität und die sanfte Empfindsamkeit ihrer Protagonistin Agnes mit der brutalen Realität der damaligen Zeit. »Hamnet« untersucht die Verbindung zwischen Kunst und Schmerz, ist eine hypnotische Studie über die Transformation tiefer, individueller Trauer zu (in diesem genialen Fall) universeller und zeitloser Kunst. Die Regisseurin bleibt ihrem charakteristischen Stil der lyrischen Ästhetik treu, ihre Kameraarbeit ist so kontemplativ wie suggestiv und sorgt für stilisierte, maximale Weite.
Grit Dora
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| 21:45 | ||||||
| 22:45 |
Die introvertierte Prinzessin Saira, Tochter der lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis, ist am Boden zerstört: Die heiße Kopfgeldjägerin Kiki hat mit ihr Schluss gemacht - aus lauter Langeweile! Dabei hat Saira ihr ein so schönes Beziehungsalbum gebastelt! Doch als Kiki von den Straight White Maliens entführt wird, den Incels der Zukunft, muss Saira den Safe Space des queeren Weltraums verlassen und sie binnen 24 Stunden freikaufen: Die Maliens fordern nämlich die berühmte königliche Labrys - eine goldene Doppelaxt von schier unglaublicher lesbischer Macht. Nur: Saira hat sie nicht!
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| 22:45 |
Nach 15 Jahren Knast wegen Bankraub kehrt Anker (Nikolaj Lie Kaas) zurück. Die Beute, die sein Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) für ihn vergraben hat, ist verschollen. Manfred leidet seit der Kindheit an einer dissoziativen Identitätsstörung und hat die vielen Jahre ohne Bruder damit verbracht, seine multiplen Persönlichkeiten auszubauen, lebt gänzlich in der Musik, in einem chaotischen Selbst, das sich jedem Zugriff entzieht. Erinnerungen an den verborgenen Schatz? Fehlanzeige.
Anker bringt seinen Bruder ins alte, nun von einer Boxerin über Airbnb vermietete Elternhaus, in der Hoffnung, dass die vertraute Umgebung dessen Gedächtnis auf die Sprünge hilft. Die Zeit drängt, der ehemalige Komplize Friendly Flemming ist ihnen auf den Fersen. Zwischen den dichten Wäldern Dänemarks und der unübersichtlichen Landschaft menschlicher Psychen entfaltet sich eine von absurden Missverständnissen geprägte Jagd.
Regisseur Anders Thomas Jensen, der schon in seinem Debüt »Flickering Lights« die Vorliebe für makabren Humor und Außenseiterfiguren entwickelte und in seinen Erfolgsfilmen »Dänische Delikatessen« und »Adams Äpfel« konsequent ausbaute, vereint in »Therapie für Wikinger« einmal mehr Abgründigkeit, Schadenfreude und überraschende Rührung. Traumata, Missgeschicke, psychische Störungen werden zu komischen, gefährlichen Instrumenten, Schadenfreude und Empathie wechseln in schneller Folge. Die wiederholte Zusammenarbeit mit Mads Mikkelsen, die spätestens seit »Adams Äpfel« Kultstatus hat, verleiht dem absurden Brüderpaar Tiefe und Kontur. Jensen spielt mit den Spannungen zwischen Komik und Boshaftigkeit, zwischen Identität und Selbsttäuschung und macht daraus ein schwarzhumoriges, lebendiges Psychogramm, das die groteske Jagd nach Geld und Selbstverständnis gleichermaßen treibt.
Grit Dora
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| 16:45 |
Die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi gewann mit »Körper und Seele« vor fünf Jahren auf der Berlinale den Goldenen Bären. Auch mit ihrem neuen wunderschönen Film »Silent Friend« bedient sie mit ungewöhnlichen Figuren eine warme, aber nie kitschige Gefühlspalette. Ihre Geschichte spielt über mehrere Jahrzehnte hinweg an ein und demselben Ort, dem Botanischen Garten der Universitätsstadt Marburg in Deutschland. Dort versucht ein Neurowissenschaftler aus Hongkong (Tony Leung Chiu-wai) im Jahr 2020 mit Experimenten herauszufinden, ob ein alter Ginkgobaum Erinnerungen hat. Schon im Jahr 1972 hatte die Studentin Gundula (Marlene Burow) an dieser Uni ähnliche Ambitionen. Dabei lernte sie auch Hannes (Enzo Brumm) kennen und lieben. Als erste Studentin hat sich Grete (Luna Wedler) 1908 an der Universität eingeschrieben und widmet sich ebenfalls der Biologie. Die drei Geschichten sind dabei narrativ nur lose und vor allem durch den Ort verbunden, aber poetisch und emotional spielen sie sich viele Bälle zu. Der titelgebende Silent Friend, der über hundert Jahre alt Baum, ist Dreh- und Angelpunkt der einzelnen Geschichten. Auch wenn man sie auf emotionaler Ebene als Einheit sehen kann, hat Enyedi sie optisch stark voneinander getrennt. Die Geschichte aus der Gegenwart ist digital aufgenommen, die 70er wurden auf 16mm eingefangen und die Geschichte vom Anfang des Jahrhunderts wurde auf monochromem 32mm-Film gedreht. Hinzu kommt das gefühlvolle Spiel aller Darstellenden, u.a. Tony Leung Chiu-wai (»In the Mood for Love«) und Luna Wedler (»22 Bahnen«), die dafür in Venedig als beste Jungdarstellerin ausgezeichnet wurde. Mit »Silent Friend« gelang der Enyedi ein großer Wurf, der zeigt, wie poetisch und schön ein Film sein kann, auch wenn sein Grundton melancholisch ist. Er ist eine Empfehlung für jeden, aber besonders für jene, denen bereits »Körper und Seele« gefallen hat.
Doreen
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| 18:15 | 18:15 |
Eine Fassade ist die repräsentative Außenhülle einer sich dahinter verbergende, Struktur. Hier heißt die Struktur häusliche Gewalt an Frauen. Ein Jahrtausende altes Unterdrückungsspiel, dessen Rollen per se verteilt scheinen, und dessen oberste Spielregel im patriarchalischen Manifest niedergeschrieben steht, formuliert als ewiger Sklavenhalterstatus; die Frau sei dem Manne Untertan. Soweit zum Dunkel. Die Regisseurin Alina Cyranek fragt nun, ob sich hinter gesellschaftlichen Fassaden auch Strukturen verbergen, welche die Sicherheit von Frauen womöglich verhindern. Dazu leuchtet sie die verschiedenen Räume häuslicher Gewalt aus, die Tatorte, die Bürostuben, Vernehmungszimmer, Frauenhäuser, Arztpraxen, Gerichtssäle. Und immer wieder die freien, alltäglich zugänglichen Räume, in denen wir Opfern häuslicher Gewalt begegnen. Und leichthin übersehen, dass etwas faul ist im Staate. Wenn eine vollkommen hysterische Frau „am vermeintlichen Tatort“ vorgefunden wird und ihr später die Verteidigung des Mannes aus solchem Verhalten einen Strick dreht. Wenn Frauen nach mehreren Anläufen bei der Polizei noch nie etwas gehört haben vom Gewaltschutzgesetz (BGBl. I S. 3513). Wenn Nachbarn sämtliche Begebenheiten aufzählen können, bei denen Frauen blöderweise gestürzt oder ausgerutscht sind. Wenn Jahre zurückliegende Verletzungen bei Gericht in Zweifel gezogen und die „mangelnde Nachweispflicht“ der Betroffenen zur Last gelegt wird. Wie ihr Schweigen, sowieso. Wenn die Beamten, um Beistand angegangen, entgegnen; „wir können erst was machen, wenn Sie in ihrer Blutlache liegen.“ Oder Dienst nach Vorschrift leisten. Ohne ihren Spielraum auszuschöpfen, keine Wegweisung, keine Inobhutnahme von Kindern oder sicheres Geleit betroffener Frauen veranlassen. Wenn „das Beweismittel“ selbst bei Gericht detailliert vortragen muss, wessen Blut wohin spritzte, immerfort einer Re-Traumatisierung ausgesetzt, im schlechtesten Falle noch vor Prozessbeginn ferngehalten wird von therapeutischer Betreuung, weil ansonsten ihre Beweiskraft darunter leide. Die Tänzerinnen Gesa Volland und Damian Gmür verkörpern in einer Bühnen-Black-Box all diese toxischen Kraftverhältnisse, Sandra Hüller leiht den Gedächtnisprotokollen ihre Stimme, und gemeinsam mit anderen Betroffenen geben sie dieser fürchterlichen Struktur ein Gesicht.
alpa kino
| Do. | Fr. | Sa. | So. | Mo. | Di. | Mi. |
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| 22:15 |
Agnes (Eva Victor) hat ihr Literaturstudium erfolgreich abgeschlossen und es geschafft, eine befristete Stelle als Professorin aufzutun. Trotz der neuen Position lebt sie noch in ihrem alten Häuschen in New England, umgeben von Büchern, Erinnerungen an die Studien- und WG-Zeit. Sie ist sehr allein. Als ihre beste Freundin Lydie (Naomi Ackie) aus New York zu Besuch kommt, wird deutlich, wie unterschiedlich sich ihre Lebenswege entwickelt haben - und wie sehr Agnes noch immer mit einem einschneidenden Erlebnis kämpft, das ihr Leben weiterhin belastet. In ihrem Debütfilm »Sorry, Baby« erzählt Eva Victor sensibel, mit feinem Gespür für Tonalität von einer Frau, die zwischen beruflichem Erfolg, persönlichen Unsicherheiten und der Suche nach Identität navigiert. Subtile Momente von Humor und Sarkasmus mischen sich mit nachdenklichen, fast beklemmenden Szenen, in denen Agnes kleine Alltagsbegegnungen, etwa mit ihrem Nachbarn Gavin (Lucas Hedges) oder dem Betreiber eines Sandwichladens (John Carroll Lynch), Halt geben. Victor zeigt, wie tiefgreifend und nachhaltig traumatische Erlebnisse das Verhalten und die Beziehungen des betroffenen Menschen beeinflussen, ohne diese je explizit vorzuführen. Gleichzeitig thematisiert der Film Agnes’ Auseinandersetzung mit Gender und Selbstwahrnehmung: Ihr sich wandelnder Kleidungsstil und die bewusste Reflexion über Identität spiegeln ihren inneren Prozess und das Streben nach Authentizität. Die Regisseurin und Hauptdarstellerin inszeniert präzise, sarkastisch und dennoch warmherzig. »Sorry, Baby« ist ein vielschichtiges, bewegendes Drama über Freundschaft, Trauma, Selbstfindung und leise, aber kraftvolle Momente, die das Leben verändern können. Ein Debüt, das auf dem Sundance Film Festival Furore und Eva Victor als Mumblecore-Talent bekannt machte.
Grit Dora
| Do. | Fr. | Sa. | So. | Mo. | Di. | Mi. |
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| 18:00 |
Ein Tag ohne Frauen erzählt die wahre Geschichte eines Tages, der Island zur weltweiten Supermacht für die Gleichberechtigung der Geschlechter katapultierte. Eine Zusammenarbeit zwischen der US-amerikanischen Regisseurin Pamela Hogan, die in den 1970er Jahren als Highschool-Schülerin mit ihrer aktivistischen Mutter für die Verabschiedung des E.R.A., des Equal Rights Amendments, kämpfte und der isländischen Produzentin Hrafnhildur Gunnarsdóttir, die auch Co-Autorin des Drehbuchs ist und im Alter von 7 Jahren ihre Mutter zu eben diesem Streik im Jahr 1975 begleitete und dachte, dass „alles perfekt sein würde, wenn sie am nächsten Morgen aufwachte“. Das E.R.A.wurde in den USA nie verabschiedet und Island ist immer noch nicht perfekt – aber es ist das einzige Land weltweit, das über 90 Prozent seiner Geschlechterkluft geschlossen hat und sich verpflichtet hat, in naher Zukunft vollständige Gleichberechtigung zu erreichen.
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| 22:15 |
Fatima ist 17, die jüngste von drei Töchtern einer französisch-algerischen Familie und wächst in einem Pariser Vorort auf. Ihr Alltag zwischen Schule, Clique und Familie wirkt vorhersehbar, doch unter der Oberfläche beginnt es zu brodeln: Fatima spürt eine zunehmende Anziehung zu Frauen, eine Erkenntnis, die sie zunächst nur zögerlich zulässt. Mit dem Beginn ihres Studiums in Paris tritt sie in eine neue Lebensphase ein, findet Anschluss an die queere Szene, knüpft Freundschaften und verliebt sich leidenschaftlich in die Krankenschwester Ji‑Na (Park Ji‑min). Zwischen muslimischer Tradition und persönlichen Sehnsüchten verläuft ein schmaler Grat, auf dem Fatima ihren Platz in der Welt suchen muss. Regisseurin Hafsia Herzia erzählt in fünf, nach Jahreszeiten gegliederten Kapiteln das Erwachsenwerden einer jungen Frau, die vor allem gegen innere Hindernisse kämpft. Stilistisch bleibt der Film sparsam, mitunter spröde, doch gerade diese Zurückhaltung lenkt den Blick auf Fatimas Wandlung: Szenen in Clubs oder auf Partys, flüchtige Berührungen, kleine Gesten - sie markieren die Momente, in denen Fatima langsam aus ihrer aufgesetzten harten Schale ausbricht. Herzia erzählt subtil und eindringlich vom erotischen Erwachen der Protagonistin. Schauspieldebütantin Nadia Melliti verleiht Fatima Glaubwürdigkeit und Tiefe. Ihr Charakter wird nicht nur von äußeren Konflikten geformt, sondern stark von einem inneren Ringen um religiöse Identität und sexuelle Orientierung. Erst als sie begreift, dass ihr Muslima-Sein und ihr Lesbisch-Sein keine unüberbrückbaren Gegensätze sind, beginnt sie, sich selbst anzunehmen. »Die jüngste Tochter« ist eine berührende Geschichte über das Erwachsenwerden und den Mut, sich den eigenen Widersprüchen zu stellen.
Grit Dora