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THALIA - Cinema . Coffee and Cycling

Kinoprogramm Donnerstag, 26.02.2026 - Mittwoch, 04.03.2026

Nachsitzen! KultKino im NanoplexStranger than paradise (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:15

Regie: Jim Jarmusch, (USA/BRD), 1984

Darsteller: John Lurie, Eszter Balint, Richard Edson u.a.

Stranger than paradise (OmdU)

Bereits Jarmuschs zweiter Film, »Stranger Than Paradise«, sollte den Durchbruch bringen. John Lurie übernahm die Rolle des Ungarn Willie, der sich in New York gemeinsam mit seinem Freund Eddie mittels Glücksspiel über Wasser hält, als seine 16jährige Cousine Eva aus Ungarn auftaucht, die in den USA das Paradies zu finden hofft. Von der Begegnung mit Willie enttäuscht, fährt sie bald zur gemeinsamen Tante Lottie nach Ohio weiter. Dort besuchen sie die beiden Männer und überreden sie zu einer Reise aus dem verschneiten Cleveland ins sonnige Florida. Die Straße erweist sich für die drei, die das wahre Amerika suchen, als wenig paradiesisch, denn hier gerät das andere Amerika, fernab des Traumfabrik-Klischees, in den Blick. In Europa wurde »Stranger Than Paradise« zum Ereignis und mit Preisen überhäuft.

Reservierungen sind per Mail, sowie leibhaftig, oder telefonisch zu den Öffnungszeiten möglich.

Nachsitzen! KultKino im NanoplexMystery Train (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45

Regie: Jim Jarmusch, (USA), 1988/89

Darsteller: Mastoshi Nagase, Youki Kudoh, Nicoletta Braschi u.a.

Mystery Train (OmdU)

»Mystery Train« ist wie ein gut gemachter Eintopf. Schmeckt total irre, doch man weiß nicht wieso. Drei Episoden drehen sich um eine Nacht in demselben Hotel, und dann gibt es da noch den Schuss, den alle hören. Und alle hören Radio; der RadioDJ (kein anderer als Tom Waits) spielt Elvis. Und Elvis hört nicht auf, den Gästen zu erscheinen.

»Mystery Train« ist Pures Kino. Zeitlos, Raumlos und Grundlos. Da sagte mal Einer von der schreibenden Zunft; „Jim Jarmusch Filme seien wie der Nachthimmel. Je angestrengter man in die Dunkelheit starre, desto weniger begreife man von der Unendlichkeit.“

Unser Tip: macht es so wie die beiden Typen an der Rezeption des Hotels Arcade. Sie sitzen da, sehen der Zeit zu beim Vergehen und haben aufgehört, sich über die Dinge zu wundern.

Mystery Train ist neben Night On Earth der engste Berührungspunkt zwischen den beiden Independants Jim Jarmusch und Aki Kaurismäki. Kaurismäki gelang mit den Lenigrad Cowboys seinerzeit in Charlie’s BarberShop in Memphis die witzigere Szene. Er ließ in »I Hired A Contract Killer« Joe Strummer nicht nur auftreten, sondern auch musizieren. Doch das kennt ma ja. Bei Kaurismäki wird permanent Musik gemacht. Bei Jarmusch treten immer wieder Musiker vor die Kamera, John Lurie, Tom Waits, Neil Young, Iggy Pop, und in »Mystery Train« Joe Strummer, Rufus Thomas und an der Hotelrezeption Screaming Jay Hawkins.

Reservierungen sind per Mail, sowie leibhaftig, oder telefonisch zu den Öffnungszeiten möglich.

Das Original ist besser!Father Mother Sister Brother (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
15:00
15:30
19:30 19:30
20:00 20:00 20:00 20:00
21:45

Regie: Jim Jarmusch, (USA/Irland/Frankreich), 2025

Darsteller: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik u.a.

Father Mother Sister Brother (OmdU)

Der Film ist ein behutsam als Triptychon komponierter Spielfilm. Die drei Geschichten kreisen um die Beziehungen erwachsener Kinder zu ihren teils distanzierten Eltern und untereinander. Jedes der drei Kapitel spielt in der Gegenwart, jedes in einem anderen Land: »Father« ist im Nordosten der USA angesiedelt, »Mother« in Dublin und »Sister, Brother« in Paris. Es ist eine Reihe von Charakterstudien, ruhig, beobachtend und ohne Wertung – und zugleich eine Komödie, durchzogen von feinen Fäden der Melancholie.

Das Original ist besser!Hamnet (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:15
17:45 17:45

Regie: Chloé Zhao, (Großbritannien), 2025

Darsteller: Paul Mescal, Jessie Buckley, Joe Alwyn u.a.

Hamnet (OmdU)

Die Legende von William Shakespeare ist untrennbar mit den großen Dramen der Weltliteratur verbunden - doch was geschieht, wenn der Mythos beiseite geschoben wird und man auf die Frau blickt, die hinter dem Schöpfer stand? Die Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao (»Nomadland«) adaptiert Maggie O’Farrells gefeierten Roman und wählt für ihre Inszenierung konsequent die Perspektive von Agnes Hathaway (Jessie Buckley), Shakespeares empfindsamer Ehefrau. Ausgangspunkt ihrer Erzählung ist die tiefe, fast naturverbundene Darstellung ihrer frühen Liebe. Agnes und der junge, aufstrebende Barde (Paul Mescal) planen ein gemeinsames Leben, das durch die unaufhaltsame Gravitation seines Talents bald ins Getriebe Londons gerät. Die Geschichte einer großen Liebe droht aber nicht an den äußeren Umständen, sondern an einem zutiefst persönlichen Schicksal zu zerbrechen. Als der einzige Sohn des Paares, der elfjährige Hamnet, der Pest zum Opfer fällt, zerbricht das Leben der Familie. Ihre Trauer entfaltet eine zertrümmernde Kraft, die ihre Beziehung zu ersticken droht. Zhao inszeniert diesen Verlust nicht als historischen Fakt, sondern als intime, unentrinnbare Familientragödie. Inmitten dieser furchtbaren persönlichen Verzweiflung beginnt Shakespeare mit dem Versuch, das Unfassbare zu kanalisieren. Aus dem Schmerz um seinen verlorenen Sohn Hamnet entsteht mit dem Drama Hamlet eine der größten Schöpfungen der Literaturgeschichte. Zhao kontrastiert Shakespeares Kreativität und die sanfte Empfindsamkeit ihrer Protagonistin Agnes mit der brutalen Realität der damaligen Zeit. »Hamnet« untersucht die Verbindung zwischen Kunst und Schmerz, ist eine hypnotische Studie über die Transformation tiefer, individueller Trauer zu (in diesem genialen Fall) universeller und zeitloser Kunst. Die Regisseurin bleibt ihrem charakteristischen Stil der lyrischen Ästhetik treu, ihre Kameraarbeit ist so kontemplativ wie suggestiv und sorgt für stilisierte, maximale Weite.

Grit Dora

Das Original ist besser!The Moment (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30
22:15

Regie: Aidan Zamiri, (USA), 2026

Darsteller: Charli XCX, Rosanna Arquette, Kate Berlant u.a.

The Moment (OmdU)

Na, wissen wir noch alle, was der „brat summer“ war? Versetzen wir uns mal zurück ins Jahr 2024. Das neue Album von Charlie xcx ist in aller Munde und Musikabspielgeräten. „brat“ vor einem neongrünen Hintergrund, das ist alles. Und es löste ein ganz besonderes kulturelles Phänomen aus, welches sich sogar auf die Politik ausbreitete (Angela Merkel als brat girl?). Aber was steckte da eigentlich dahinter?

»The Moment« ist eine Mockumentary - also eine Fake-Doku im Stile von »The Office« - über genau diesen Sommer. 

Die gefeierte Popsängerin Charlie xcx ist mitten in den Vorbereitungen für ihre erste große Arena-Tour. Gerade ist ihr sechstes Studioalbum „brat“ erschienen und der Druck der Musikindustrie wird immer größer. Voller Terminplan, extreme Selbstzweifel und Chaos wohin man schaut - das ist ihr Alltag. Dennoch versucht Charlie sich nicht unterkriegen zu lassen. Neben Charlie gibt es auch noch ihre sehr ambitionierte Beraterin (Hailey Benton Gates) und ein suspekter Branchenprofi (Alexander Skarsgård). Doch nicht jeder Rat ist immer hilfreich…

Der Weg, hinter die ganze Fassade des Popstar-Alltags zu blicken und dabei einen ironischen Mockumentary-Stil zu verwenden, lässt alle Türen offen. Dinge werden radikal, überspitzt und unglaubwürdig dargestellt, zeigen aber dennoch im Kern eine wahrhaftige Version. Ob Charlie es trotz dieses ganzen Druckes schafft, ihrer eigenen künstlerischen Vision treu zu bleiben?

Regisseur Aidan Zamiri feiert mit »The Moment« sein Spielfilmdebüt. Er hatte bereits das Musikvideo zu Charlies Song „360“ gedreht und macht so auf sich aufmerksam.

Anne

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Silent Friend

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:15

Regie: Ildikó Enyedi, (Deutschland/Ungarn), 2025

Darsteller: Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler, Enzo Brumm u.a.

Silent Friend

Die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi gewann mit »Körper und Seele« vor fünf Jahren auf der Berlinale den Goldenen Bären. Auch mit ihrem neuen wunderschönen Film »Silent Friend« bedient sie mit ungewöhnlichen Figuren eine warme, aber nie kitschige Gefühlspalette. Ihre Geschichte spielt über mehrere Jahrzehnte hinweg an ein und demselben Ort, dem Botanischen Garten der Universitätsstadt Marburg in Deutschland. Dort versucht ein Neurowissenschaftler aus Hongkong (Tony Leung Chiu-wai) im Jahr 2020 mit Experimenten herauszufinden, ob ein alter Ginkgobaum Erinnerungen hat. Schon im Jahr 1972 hatte die Studentin Gundula (Marlene Burow) an dieser Uni ähnliche Ambitionen. Dabei lernte sie auch Hannes (Enzo Brumm) kennen und lieben. Als erste Studentin hat sich Grete (Luna Wedler) 1908 an der Universität eingeschrieben und widmet sich ebenfalls der Biologie. Die drei Geschichten sind dabei narrativ nur lose und vor allem durch den Ort verbunden, aber poetisch und emotional spielen sie sich viele Bälle zu. Der titelgebende Silent Friend, der über hundert Jahre alt Baum, ist Dreh- und Angelpunkt der einzelnen Geschichten. Auch wenn man sie auf emotionaler Ebene als Einheit sehen kann, hat Enyedi sie optisch stark voneinander getrennt. Die Geschichte aus der Gegenwart ist digital aufgenommen, die 70er wurden auf 16mm eingefangen und die Geschichte vom Anfang des Jahrhunderts wurde auf monochromem 32mm-Film gedreht. Hinzu kommt das gefühlvolle Spiel aller Darstellenden, u.a. Tony Leung Chiu-wai (»In the Mood for Love«) und Luna Wedler (»22 Bahnen«), die dafür in Venedig als beste Jungdarstellerin ausgezeichnet wurde. Mit »Silent Friend« gelang der Enyedi ein großer Wurf, der zeigt, wie poetisch und schön ein Film sein kann, auch wenn sein Grundton melancholisch ist. Er ist eine Empfehlung für jeden, aber besonders für jene, denen bereits »Körper und Seele« gefallen hat.

Doreen

Das Original ist besser!Letzte Vorstellung: Sorry, Baby (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45

Regie: Eva Victor, (USA/Spanien/Frankreich), 2025

Darsteller: Eva Victor, Naomie Ackie, John Carroll Lynch u.a.

Letzte Vorstellung: Sorry, Baby (OmdU)

Agnes (Eva Victor) hat ihr Literaturstudium erfolgreich abgeschlossen und es geschafft, eine befristete Stelle als Professorin aufzutun. Trotz der neuen Position lebt sie noch in ihrem alten Häuschen in New England, umgeben von Büchern, Erinnerungen an die Studien- und WG-Zeit. Sie ist sehr allein. Als ihre beste Freundin Lydie (Naomi Ackie) aus New York zu Besuch kommt, wird deutlich, wie unterschiedlich sich ihre Lebenswege entwickelt haben - und wie sehr Agnes noch immer mit einem einschneidenden Erlebnis kämpft, das ihr Leben weiterhin belastet. In ihrem Debütfilm »Sorry, Baby« erzählt Eva Victor sensibel, mit feinem Gespür für Tonalität von einer Frau, die zwischen beruflichem Erfolg, persönlichen Unsicherheiten und der Suche nach Identität navigiert. Subtile Momente von Humor und Sarkasmus mischen sich mit nachdenklichen, fast beklemmenden Szenen, in denen Agnes kleine Alltagsbegegnungen, etwa mit ihrem Nachbarn Gavin (Lucas Hedges) oder dem Betreiber eines Sandwichladens (John Carroll Lynch), Halt geben. Victor zeigt, wie tiefgreifend und nachhaltig traumatische Erlebnisse das Verhalten und die Beziehungen des betroffenen Menschen beeinflussen, ohne diese je explizit vorzuführen. Gleichzeitig thematisiert der Film Agnes’ Auseinandersetzung mit Gender und Selbstwahrnehmung: Ihr sich wandelnder Kleidungsstil und die bewusste Reflexion über Identität spiegeln ihren inneren Prozess und das Streben nach Authentizität. Die Regisseurin und Hauptdarstellerin inszeniert präzise, sarkastisch und dennoch warmherzig. »Sorry, Baby« ist ein vielschichtiges, bewegendes Drama über Freundschaft, Trauma, Selbstfindung und leise, aber kraftvolle Momente, die das Leben verändern können. Ein Debüt, das auf dem Sundance Film Festival Furore und Eva Victor als Mumblecore-Talent bekannt machte.

Grit Dora

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Letzte Vorstellung: Lesbian Space Princess (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:15

Regie: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs, (Australien), 2025

Letzte Vorstellung: Lesbian Space Princess (OmdU)

Die introvertierte Prinzessin Saira, Tochter der lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis, ist am Boden zerstört: Die heiße Kopfgeldjägerin Kiki hat mit ihr Schluss gemacht - aus lauter Langeweile! Dabei hat Saira ihr ein so schönes Beziehungsalbum gebastelt! Doch als Kiki von den Straight White Maliens entführt wird, den Incels der Zukunft, muss Saira den Safe Space des queeren Weltraums verlassen und sie binnen 24 Stunden freikaufen: Die Maliens fordern nämlich die berühmte königliche Labrys - eine goldene Doppelaxt von schier unglaublicher lesbischer Macht. Nur: Saira hat sie nicht!

Das Original ist besser!Letzte Vorstellung: Der Fremde - L’Étranger (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45

Regie: François Ozon, (Frankreich), 2025

Darsteller: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin u.a.

Letzte Vorstellung: Der Fremde - L’Étranger (OmdU)

Algier, 1938. Meursault (Benjamin Voisin), ein ruhiger, unauffälliger Angestellter Anfang dreißig, nimmt ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teil und beginnt kurz danach eine Affäre mit seiner früheren Kollegin Marie (Rebecca Marder). Sein gleichförmiger Alltag wird von einem Nachbarn gestört, der Meursault in zwielichtige Situationen hineinzieht…

François Ozon adaptiert Albert Camus’ Klassiker von 1942 für die Leinwand und reiht sich damit in eine überschaubare Reihe filmischer Umsetzungen ein: Nach Luchino Viscontis »Lo Straniero« (1967) und Zeki Demirkubuz’ türkische Interpretation »Yazgı« (2001) folgt nun seine mit besonderer formaler Strenge inszenierte Version. Der überaus produktive französische Regisseur hält sich eng an Camus’ Text, integriert aber Archivmaterial, das die französische Kolonialherrschaft in Algier verherrlicht und verweist so auf die sozialen Spannungen, ohne sie zum zentralen Handlungselement zu machen. Im Zentrum steht Meursaults Indifferenz gegenüber gesellschaftlichen Ritualen und menschlichen Bindungen. Vom Tod seiner Mutter über deren Beerdigung und die darauf folgenden Tage bis hin zu einem schicksalhaften Ereignis am Strand von Algier verfolgt der Film Meursaults Reaktionen - weniger das Geschehen selbst als seine Wahrnehmung davon, seine Distanziertheit und existentielle Gleichgültigkeit. Die Geliebte Marie (Rebecca Marder) fungiert als Kontrastfolie, während Rückblenden die Abfolge der Ereignisse strukturieren und Meursaults Perspektive betonen.

Ozon findet schmerzhaft klare Bilder für die innere Isolation des Protagonisten. Das körnige Schwarz-Weiß des Filmmaterials sorgt für elegante Bilder und atmosphärische Dichte, die einen reizvollen Kontrast zum spröden Plot bilden. Die virtuose Neuinterpretation des gleichnamigen Literaturklassikers von Albert Camus feierte ihre Weltpremiere im Wettbewerb des Venedig Filmfest 2025.

Grit Dora