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THALIA - Cinema . Coffee and Cycling

Kinoprogramm Donnerstag, 22.10.2026 - Mittwoch, 28.10.2026

Kurz gesehen - Lang gedacht: voll politisch Kurzfilmtour

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00

Kurzfilme können viel: Sie reagieren schnell, erzählen eindringlich – und bringen komplexe Themen auf den Punkt. Gesellschaftliche Konflikte, politische Entwicklungen und Fragen des Miteinanders werden hier künstlerisch zugespitzt, kritisch hinterfragt und emotional greifbar gemacht.

Bereits zum vierten Mal tourt unser Filmprogramm unter dem Titel „Kurz gesehen – lang gedacht“ durch Sachsen – mit ausgezeichneten Kurzfilmen, die politisch Haltung zeigen und zum Nachdenken anregen.

Im Zentrum steht der Gewinnerfilm des „voll politisch – Kurzfilmpreises für demokratische Kultur“, der seit 2021 beim FILMFEST DRESDEN verliehen wird. Der Preis würdigt Filme, die aktuelle politische Themen aus ungewöhnlichen Perspektiven betrachten, Diskussionen anstoßen und Demokratie lebendig machen.

2026 sind wir wieder mit zehn Veranstaltungen in Sachsen unterwegs.

In Kinos und soziokulturellen Zentren zeigen wir ein Programm, das wachrüttelt, irritiert und inspiriert.

Nach dem Filmprogramm laden wir ein zum offenen Gespräch. An ausgewählten Orten sind auch Filmschaffende persönlich vor Ort – für direkte Begegnung und Austausch.

Eintritt frei – Spenden willkommen

Alle Filme werden auf Deutsch oder mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Eintritt frei – Spenden willkommen
Alle Filme werden auf Deutsch oder mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Naza (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15 18:15 18:15 18:15

Regie: Yuval Abraham, Rachel Szor, (Großbritannien), 2026

Naza (OmdU)

Nach dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Massaker, bei dem rund 1200 Menschen ermordet und etwa 250 Geiseln genommen wurden, reagierte Israel mit beispielloser Härte. Eine der am besten ausgerüsteten Streitkräfte der Welt drang in den nur knapp 40 Kilometer langen und sechs- zwölf Kilometer breiten Gaza-Streifen ein, mit dem erklärten Ziel, die dort herrschende Terror-Organisation Hamas zu vernichten.

Schnell mehrten sich jedoch Berichte von zivilen Toten, von wahllosen Zerstörungen von Gebäuden, dem gezielten Angriff auf Infrastruktur, auf Krankenhäuser, der Wasserversorgung. Inzwischen sind weit mehr als 70.000 Menschen in Gaza gestorben, die Mehrheit von ihnen Frauen und Kinder. Unvermeidliche Kollateralschaden heißt es dazu von Seiten der israelischen Armee, zumal sich die Hamas gezielt hinter menschlichen Schutzschilden versteckt halte. Doch Israel sei die „moralischste Armee der Welt“ heißt es, nie habe eine Armee sich so sehr bemüht, zivile Opfer zu vermeiden.

Immer mehr Menschenrechtsorganisationen zweifeln dies an, werfen Israel und seiner Armee, der IDF, vor, zumindest Kriegsverbrechen zu begehen, auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag ging sogar eine Klage ein, die das Vorgehen Israels als Genozid bezeichnet. Bis dieser Prozess entschieden sein wird, dürften Jahre vergehen, bis es soweit ist bleiben Filme wie „Naza“, der in schwer zu ertragenden 80 Minuten einen nüchternen Blick auf die Methoden Israels wirft.

24 Armeemitglieder, Soldaten und Techniker kommen zu Wort, interviewt von Yuval Abraham, des Nachts in der Metropole Tel Aviv, einer modernen Stadt, nur 60 Kilometer Nördlich des Gaza-Streifens. Im Schutz der Dunkelheit, zusätzlich mit verfremdeter Stimme, um ihre Anonymität zu wahren und unweigerliche Repressionen möglichst zu verhindern, wird von den ausgefeilten Methoden berichtet, mit denen in Gaza Terroristen gejagt werden.

Die Überwachung ist vollständig, jedes Telefon- oder Handy-Gespräch, das die dort lebenden Palästinenser führen, wird abgehört, per Drohnen-Aufklärung werden präzise Modelle der Gebäude in Gaza angefertigt, um exakt orten zu können, wo sich ein mutmaßlicher Terrorist aufhält. Doch da dieser Terrorist selten allein ist stellt sich die Frage, wie viele Zivilisten bei einem Angriff auch getötet werden dürfen, wie hoch der Kollateralschaden sein darf, der Naza, wie das hebräische Akronym lautet. Mal sind es „nur“ ein paar, in anderen Phasen des Krieges waren angeblich 20 völlig akzeptabel, einzelne der Interviewten sprechen gar von 200 oder sogar 500 Nazas, die als akzeptabel galten.

Überprüfen lässt sich all das nicht, das liegt in der Natur der Sache, Gründe an den Aussagen der Zeugen zu zweifeln gibt es jedoch nicht. Zu sehr ähneln sich die Berichte der Männer und wenigen Frauen, zu selbstverständlich, ja geradezu beiläufig berichten sie vom systematischen Inkaufnehmen ziviler Opfer, zu sehr stützen die Bilder aus Gaza, die seit drei Jahren von der Vernichtung einer Region zeugen, die Aussagen der Zeugen.

Neu sind die Berichte in „Naza“ meist nicht, bei der britischen Zeitung The Guardian, die den Film auch co-produzierte, und der israelischen Webseite +972, waren viele der Aussagen der Zeugen schon zu lesen. Was Yuval Abraham und Rachel Szor in „Naza“ jedoch machen, ist auf subtile Weise anzudeuten, wie sehr Anklagen israelischer Politiker auch auf das eigene Land zutreffen. Einmal sieht man den israelischen UN-Botschafter, der alle Bewohner Gazas der Mitwisserschaft beschuldigt. Doch was soll man über Israelis sagen, die den Krieg in Gaza Live im Fernsehen verfolgen, wie Abraham und Szor andeuten, indem sie mit der Kamera immer wieder über die nächtlichen Fassaden Tel Avis streifen, wo in den erleuchteten Fenster Fernseher leuchten.

Und schließlich eine Aussage Benjamin Netanjahus, der vor vielen Jahren in einem TV-Interview seine Definition von Terrorismus gab: Dies sei der Fall, wenn gezielt Zivilisten angegriffen werden, um politische Ziele zu erreichen. Wenn man dazu Aussagen hört, die von den gezielten Schlägen in Gaza berichten, der Vertreibung der Bevölkerung, dem Erschießen von Zivilisten, die verzweifelt auf der Suche nach Nahrung sind, liegt die Aussage von „Naza“ auf der Hand.

Dass die Regisseure inzwischen von ihrer eigenen Regierung des Landesverrats beschuldigt werden, ihnen mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft gedroht wird, überrascht kaum. Dabei ist „Naza“ kein wütendes, agitatorisches Pamphlet, sondern überzeugt gerade durch seine überlegte, nüchterne Art.

Michael Meyns

OmdU | Originalsprache: Englisch, Hebräisch mit deutschen Untertiteln

Naza (OmeU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15

Regie: Yuval Abraham, Rachel Szor, (Großbritannien), 2026

Naza (OmeU)

Nach dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Massaker, bei dem rund 1200 Menschen ermordet und etwa 250 Geiseln genommen wurden, reagierte Israel mit beispielloser Härte. Eine der am besten ausgerüsteten Streitkräfte der Welt drang in den nur knapp 40 Kilometer langen und sechs- zwölf Kilometer breiten Gaza-Streifen ein, mit dem erklärten Ziel, die dort herrschende Terror-Organisation Hamas zu vernichten.

Schnell mehrten sich jedoch Berichte von zivilen Toten, von wahllosen Zerstörungen von Gebäuden, dem gezielten Angriff auf Infrastruktur, auf Krankenhäuser, der Wasserversorgung. Inzwischen sind weit mehr als 70.000 Menschen in Gaza gestorben, die Mehrheit von ihnen Frauen und Kinder. Unvermeidliche Kollateralschaden heißt es dazu von Seiten der israelischen Armee, zumal sich die Hamas gezielt hinter menschlichen Schutzschilden versteckt halte. Doch Israel sei die „moralischste Armee der Welt“ heißt es, nie habe eine Armee sich so sehr bemüht, zivile Opfer zu vermeiden.

Immer mehr Menschenrechtsorganisationen zweifeln dies an, werfen Israel und seiner Armee, der IDF, vor, zumindest Kriegsverbrechen zu begehen, auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag ging sogar eine Klage ein, die das Vorgehen Israels als Genozid bezeichnet. Bis dieser Prozess entschieden sein wird, dürften Jahre vergehen, bis es soweit ist bleiben Filme wie „Naza“, der in schwer zu ertragenden 80 Minuten einen nüchternen Blick auf die Methoden Israels wirft.

24 Armeemitglieder, Soldaten und Techniker kommen zu Wort, interviewt von Yuval Abraham, des Nachts in der Metropole Tel Aviv, einer modernen Stadt, nur 60 Kilometer Nördlich des Gaza-Streifens. Im Schutz der Dunkelheit, zusätzlich mit verfremdeter Stimme, um ihre Anonymität zu wahren und unweigerliche Repressionen möglichst zu verhindern, wird von den ausgefeilten Methoden berichtet, mit denen in Gaza Terroristen gejagt werden.

Die Überwachung ist vollständig, jedes Telefon- oder Handy-Gespräch, das die dort lebenden Palästinenser führen, wird abgehört, per Drohnen-Aufklärung werden präzise Modelle der Gebäude in Gaza angefertigt, um exakt orten zu können, wo sich ein mutmaßlicher Terrorist aufhält. Doch da dieser Terrorist selten allein ist stellt sich die Frage, wie viele Zivilisten bei einem Angriff auch getötet werden dürfen, wie hoch der Kollateralschaden sein darf, der Naza, wie das hebräische Akronym lautet. Mal sind es „nur“ ein paar, in anderen Phasen des Krieges waren angeblich 20 völlig akzeptabel, einzelne der Interviewten sprechen gar von 200 oder sogar 500 Nazas, die als akzeptabel galten.

Überprüfen lässt sich all das nicht, das liegt in der Natur der Sache, Gründe an den Aussagen der Zeugen zu zweifeln gibt es jedoch nicht. Zu sehr ähneln sich die Berichte der Männer und wenigen Frauen, zu selbstverständlich, ja geradezu beiläufig berichten sie vom systematischen Inkaufnehmen ziviler Opfer, zu sehr stützen die Bilder aus Gaza, die seit drei Jahren von der Vernichtung einer Region zeugen, die Aussagen der Zeugen.

Neu sind die Berichte in „Naza“ meist nicht, bei der britischen Zeitung The Guardian, die den Film auch co-produzierte, und der israelischen Webseite +972, waren viele der Aussagen der Zeugen schon zu lesen. Was Yuval Abraham und Rachel Szor in „Naza“ jedoch machen, ist auf subtile Weise anzudeuten, wie sehr Anklagen israelischer Politiker auch auf das eigene Land zutreffen. Einmal sieht man den israelischen UN-Botschafter, der alle Bewohner Gazas der Mitwisserschaft beschuldigt. Doch was soll man über Israelis sagen, die den Krieg in Gaza Live im Fernsehen verfolgen, wie Abraham und Szor andeuten, indem sie mit der Kamera immer wieder über die nächtlichen Fassaden Tel Avis streifen, wo in den erleuchteten Fenster Fernseher leuchten.

Und schließlich eine Aussage Benjamin Netanjahus, der vor vielen Jahren in einem TV-Interview seine Definition von Terrorismus gab: Dies sei der Fall, wenn gezielt Zivilisten angegriffen werden, um politische Ziele zu erreichen. Wenn man dazu Aussagen hört, die von den gezielten Schlägen in Gaza berichten, der Vertreibung der Bevölkerung, dem Erschießen von Zivilisten, die verzweifelt auf der Suche nach Nahrung sind, liegt die Aussage von „Naza“ auf der Hand.

Dass die Regisseure inzwischen von ihrer eigenen Regierung des Landesverrats beschuldigt werden, ihnen mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft gedroht wird, überrascht kaum. Dabei ist „Naza“ kein wütendes, agitatorisches Pamphlet, sondern überzeugt gerade durch seine überlegte, nüchterne Art.

Michael Meyns

OmeU | Original Version with English Subtitles

Das Original ist besser!Moscas - Fliegen und andere Gäste (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:15
20:00 20:00 20:00 20:00 20:00 20:00

Regie: Fernando Eimbcke, (Mexiko), 2026

Darsteller: Teresita Sánchez, Enrique Arreola, Hugo Ramírez u.a.

Moscas - Fliegen und andere Gäste (OmdU)

Auf der diesjährigen Berlinale lief Fernando Eimbckes fünfter Spielfilm im Wettbewerb. Zu schlicht wirkt die Geschichte eines kleinen Jungen, der zusammen mit seinem Vater bei einer anfangs unnahbaren Frau einzieht, auf den ersten Blick. Doch gerade seine leisen Töne, die beiläufige Beobachtung und kleine prägnante Momente machen das leise Drama zu einem sehenswerten Film. Der Leserpreis der Berliner Morgenpost und der Preis der Ökumenischen Jury sprechen dafür.

Olga führt ein streng abgezirkeltes Leben in einem großen Wohnblock in Mexiko-Stadt ohne Freundschaften und Beziehungen. Als sie in einer finanziellen Notlage ein Zimmer untervermieten muss, zieht ein Mann vom Land ein, der seine erkrankte Frau im nahegelegenen Hospital unterstützt. Erst spät bemerkt Olga, dass der Mann nachts seinen 9-jährigen Sohn mit in die Wohnung schmuggelt. So groß ihre Wut sein mag, sie kann sich dem Charme des Jungen nicht entziehen, der nichts unversucht lässt, um zu seiner Mutter ins Krankenhaus zu gelangen. Olgas Leben beginnt sich auf überraschende Weise mit dem ihrer ungebetenen Gäste zu verflechten, ihre sorgsam kontrollierte Welt verwandelt sich. Was als Regelverstoß beginnt, entwickelt sich zu einer der anrührendsten Wohngemeinschaften des Kinojahres. Und seien wir ehrlich - gute Gefühle können wir alle gut gebrauchen.

„Genau darin, in kleinen Begegnungen, beiläufigen Situationen mit Menschen, liegt die größte Qualität. Fernando Eimbcke gelingen über einen lakonischen Ton hinaus auch berührende, prägnante Momente.“ Michael Meyns, programmkino.de

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Digger (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45
22:00 22:00

Regie: Alejandro González Iñárritu, (USA), 2026

Darsteller: Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman u.a.

Digger (OmdU)

Er ist erst auf den zweiten Blick wirklich wiederzuerkennen: Tom Cruise als titelgebender „Digger“ entert mit bedenklich schütterem Haar und einem Bauchansatz, der eigentlich eine Wampe ist, die Leinwand. Der (von »Eyes Wide Shut« mal abgesehen) auf Action abonnierte Mime spielt einen reißerischen Ölbaron, der die Menschheit retten soll, nachdem er eine globale Katastrophe ausgelöst hat. Den Auftrag erhält er vom so aufgebrachten wie aufbrausenden US-Präsidenten (John Goodman at his best). Aber Digger ist eher einer, der Chaos auslöst, statt es unter Kontrolle zu bringen. Cruise spielt keinen unerschrockenen Helden, sondern einen größenwahnsinnigen Machtmenschen. Der Star, dessen Körper in »Mission: Impossible« zum Instrument perfekter Selbstbeherrschung geworden ist, demontiert genüsslich den Kult um seine Person. Regie führt Alejandro González Iñárritu, der sich nie auf eine feste Handschrift festlegen lässt. »21 Gramm« und »Babel« erzählen von Zufall, Schuld, Verlust und den Folgen menschlicher Entscheidungen. »Biutiful« konzentriert diese Themen auf einen Einzelnen, »Birdman« macht daraus eine schwarze Komödie über Eitelkeit und Anerkennung, »The Revenant« ein Überlebensdrama. Was sie verbindet, sind Menschen, deren Kontrolle über das eigene Leben zerbricht. »Digger« scheint diesen Gedanken weiterzuführen. Gedreht wurde auf 35-mm-Film im VistaVision-Verfahren, mit Kameramann Emmanuel Lubezki. Besonders ist die Mischung aus schrillen Bildern, Katastrophenfantasie, schwarzer Komödie und persönlicher Hybris: Iñárritu zeigt, dass die mächtigsten Männer der Welt keine Retter, sondern ein Problem sind. Neben Cruise und Goodman spielen Sandra Hüller. Michael Stuhlbarg, Riz Ahmed und Jesse Plemons.

Grit Dora

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Teenage Sex and Death at Camp Miasma (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45

Regie: Jane Schoenbrun, (Großbritannien/Kanada), 2026

Darsteller: Gillian Anderson, Hannah Einbinder, Patrick Fischler u.a.

Teenage Sex and Death at Camp Miasma (OmdU)

In den 80ern kämpfte sich ein kleiner Indie-Slasher-Film an die Spitze der Charts und in die Herzen der Filmliebhaber:innen. Daraufhin gab es mehrere weitere Verfilmungen, allerhand Merch und sogar Actionfiguren. Die Camp Miasma Filme sind Kult. Nun soll die ambitionierte queere Filmemacherin Kris Williams (Hannah Einbinder), die gerade ein hervorragendes Regiedebüt abgeliefert hat, einen neuen Teil der Slasherfilm-Reihe drehen. Sie soll mit dem neuen Teil das Franchise wieder aus der finanziellen Notlage rausholen. Kris will jedoch nicht einfach ein Remake oder einen weiteren Teil machen, sie will etwas ganz Besonderes aus dem Stoff rausholen. Bei der Recherche zu den Camp Miasma Teilen entwickelt Kris eine zunehmende Faszination für das „Final Girl“ Billy Presley (Gillian Anderson) des Originals. Sie schafft es, die mittlerweile zurückgezogen lebende Schauspielerin ausfindig zu machen und trifft sich mit ihr. Ausgerechnet der Originalschauplatz des ersten Camp Miasma Filmes ist die Wahlheimat des ehemaligen Stars. Kris möchte Billy unbedingt für einen Cameo-Auftritt gewinnen. Doch irgendetwas stimmt mit Billy nicht. Sie nennt als Grund, warum sie ausgerechnet im Camp wohnt, dass irgendjemand da sein muss, wenn „Little Death“ (Jack Haven) wieder aufersteht. „Little Death“ ist der Serienkiller in den Camp Miasma Filmen, der als Kopf einfach einen Lüftungsschacht hat. Dass diese Figur nur fiktiv ist und nicht im wahren Leben herumlaufen kann, das scheint Billy nicht zu interessieren. Kris findet sich bald in einem Strudel aus Angst, Lust und Wahnvorstellungen wieder, in dessen Zentrum die mysteriöse Frau ihrer Träume steht.

Regie und Drehbuch von »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« stammen von Jane Schoenbrun, die z.B. auch »I saw the TV glow« machte. Der Film ist keine Parodie kultiger Slasherfilme und auch kein billiger Abklatsch, sondern eher eine nuancierte Hommage voller Liebe für das Genre.  

Anne

Vaterland

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:30

Regie: Paweł Pawlikowski, (Polen/Deutschland/Italien/Frankreich), 2026

Darsteller: Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl u.a.

Vaterland

Kehren Exilanten nach dem 2. Weltkrieg nach Deutschland zurück, lastet die Erkenntnis schwer, dass das Land der Väter zugleich das Land der Mörder ist. Der deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann kommt lange nicht den Aufforderungen aus Deutschland nach, ins Vaterland zurückzukehren und sich dem hier herrschenden Elend zu stellen, er verlegt seinen Wohnsitz aus den USA in die Schweiz. Als er 1949 anlässlich des 200. Geburtstages von J. W. v. Goethe nach Frankfurt/M. und Weimar reist, wird viel vom „größten deutschen Erzähler“ erwartet. Vier Jahre nach Kriegsende suchen die Menschen nach einem hoffnungsvolleren Bild für die Zukunft. Thomas Mann (Hans Zischler) und Tochter Erika (Sandra Hüller) begegnen mit gemischten Gefühlen den Überlebenden wie den Überlebten. Beifall mischt sich mit Anwürfen, sie finden Polizeischutz und andächtige Zuhörer in und vor der Paulskirche, sie schreiten über alte Gräben und über neue, besonders, da sie nicht Halt machen an der sogenannten Zonengrenze. Von altgedienten Wagner-Erben, belesenen Offizieren oder künftigen Kulturministern wird Mann abwechselnd beschimpft oder hofiert. Die damals grassierende Anschuldigung, es seien gerade die Exilanten die Verräter, weil sie sich der Ermordung des Landes durch ihren Weggang entzogen hätten, atmet noch ganz den alten, kaiserlichen Untertanengeist, treu bis zum Tode, wie er einst von Thomas Manns älterem Bruder zu Papier gebracht worden war. Auf die Leinwand bringt diese frei nacherzählte, höchst aktuelle Betrachtung der Pole Paweł Pawlikowski, der mit „Ida“ einen feinsinnigen und mit „Cold War“ einen politischen Blick aufs vorige Jahrhundert warf. Hier nun begleitet er den Heimkehrer bei seinem Gang durchs gespaltene Land und mitten ins neu aufkommende Trommelfeuer zweier Systeme und ihrer gegensätzlichen Narrative. Neu Stellung soll nun jeder beziehen. Dabei liegt alles noch in den alten Trümmern.

alpa kino

Hiddensee

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:00

Regie: Annekatrin Hendel, (Deutschland), 2026

Hiddensee

Dem Beschreiben, Besuchen, Bewundern der Insel Hiddensee lag immer schon ein besonderer Zauber inne. Ganz zu schweigen vom tatsächlichen Bewohnen des schmalen Streifens „süßen Landes“. Immer schon zog es Menschen weg von den mondänen Seebädern der Begüterten und Betuchten, hin zu den unverbauten, unmotorisierten 17 Kilometern Ostseesand. So wuchs übers letzte Jahrhundert ein ansehnlicher Kreis an Dauergästen und Zeit-Insulanern heran. Egal unter welchem Regime, hier war das Publikum immer erlesen, speziell und charmant. Sommers residierten hier Gerhart Hauptmann, Joachim Ringelnatz, Heinrich George oder Asta Nielsen. Fest verbunden mit der Insel ist auch der Name von Gret Palucca, die hier viele Sommermonate mit ihren Schülerinnen arbeitete. „Wer einmal hier war, kommt immer wieder - oder nie“. Wie passen Karl-Eduard von Schnitzler, Nina Hagen, Bertolt Brecht oder Feeling B. in das Urlaubsparadies und wie die Dokumentarfilmerin Annekatrin Hendel (»Anderson«, »Familie Brasch«)? Selbst bei soviel herrlichem Publikum gilt es Geschichte zu schürfen, hat Hendel sich gesagt, und erinnert sich an ihre eigene, wilde Sommer-Jugend auf Hiddensee. In einem stillen Schwarz/Weiß porträtiert sie die Insel von heute, mit ihren aktuellen kommunalpolitischen Zerwürfnissen, die Insel ihrer eigenen Jugend mit den Punkkonzerten am Strand und die Insel von anno damals, mit all den namhaften Festlandflüchtlingen, die der Inselpuppenspieler Karl Huck liebevoll verfremdet.

alpa kino

Eine Krankheit wie ein Gedicht

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15

Regie: Jelena Ilić, (Deutschland), 2026

Eine Krankheit wie ein Gedicht

Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=Lc0xc4gQKU8&t=1s

Es ist wirklich poetisch, was die Regisseurin, Autorin und Fotografin Jelena Ilić mit ihrem Dokumentarfilm »Eine Krankheit wie ein Gedicht« erschaffen hat. Ein schmerzhaftes Gedicht, das die Beziehung zu ihrem Vater nicht nur in Verse, sondern vor allem in Bilder packt. Ilićs Vater hat eine »drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp« und sitzt deswegen in der Forensik. Die Filmemacherin wünschte, er würde für immer dort bleiben; keine Gefahr für sich und andere darstellen - besonders nicht für sie. Denn da ist eine Angst in ihr, der sie sich in diesem Film stellt.

Die Kamera hilft ihr, ein bisschen Abstand zum Geschehen zu entwickeln. Und am Anfang geht es auch nur ums reine Dokumentieren, nicht ums Filmemachen. Es entwickelt sich nach und nach aber ein Film in Zusammenarbeit mit ihrem Vater, nicht über ihn. Vater und Tochter tauschen ein Skizzenbuch aus, füllen Seite für Seite. Ilić überträgt diese Formensprache auf den Film und lässt damit tief blicken, ohne immer viel sagen zu müssen. So mischen sich Angst, Überforderung und Wut alsbald mit Nähe und Akzeptanz, nehmen einen immer größeren Raum ein und spiegeln die Ambivalenz in der Vater-Tochter-Beziehung - inner- und außerhalb der forensischen Psychiatrie. Ilić sagt, sie habe keinen Weg gefunden, mit der Krankheit des Vaters umzugehen. „Ich habe nur gelernt, neben ihr herzulaufen, anstatt vor ihr wegzurennen.“ Das ist berührend und preisgekrönt. Beim Neiße Filmfestival im Frühjahr erhielt sie etwa die Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm, bei der Filmkunstmesse in Leipzig gab es zuletzt den Publikumspreis.

mana

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Letzte Vorstellung: Jim Queen

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:00

Regie: Marco Nguyen, Nicolas Athané, (Frankreich/Belgien), 2026

Letzte Vorstellung: Jim Queen

Das Leben des queeren Fitness-Influencers Jim gerät aus den Fugen, als in Paris die Heterose grassiert - ein mysteriöses Virus, das schwule Männer hetero macht. Als der muskelbepackte Star der ikonischen „Gym Queens“ sich ebenfalls infiziert, wird er auf einen Schlag zum sozialen Außenseiter, dessen einziger verbliebener Follower ausgerechnet der frisch geoutete Twink Lucien ist. Gemeinsam begeben sich die beiden auf die Suche nach einem Heilmittel, um nicht nur Jim zu retten, sondern die gesamte Community vor dem Aussterben zu bewahren…

Mit ihrer Animationskomödie für Erwachsene tauchen die Regisseure Marco Nguyen und Nicolas Athané tief in die queere Gegenwartskultur ein und lassen sich dabei von ihren persönlichen Erfahrungen innerhalb der Pariser LGBTQIA+-Szene inspirieren. Vor pointiertem Humor nur so sprühend, hinterfragt die bissige Satire neben Heteronormativität auch die ungeschriebenen Codes und Ausgrenzungsmechanismen der schwulen Community und macht augenzwinkernd deutlich, wie grau eine Welt ohne Regenbogen wäre.

Das Original ist besser!Was haben wir gelacht

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:00

Regie: Eva Müller, Isabel Schneider, (Deutschland), 2026

Was haben wir gelacht

Eva Müller und Isabel Schneider erzählen die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 90er und früher 00er Jahre erstmals aus Frauenperspektive. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Werk und eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt.

Eine ganze Generation wurde so vor allem durch männliche Unterhalter sozialisiert - durch „Wetten, dass…?“, die „Harald Schmidt Show“ und später „TV total“. Wie hat uns diese Zeit geprägt? Und was haben Humor, Witz und Unterhaltung mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Dieser Film ist eine Zeitreise zurück zu den Lachern der 90er und 00er. „Was haben wir gelacht“ - oder vielleicht doch nicht?

„Unsere Protagonistinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins haben - jede auf ihre Weise, auch in kaum bekannten Fernsehmomenten - mehr Sichtbarkeit von Frauen im Unterhaltungsfernsehen erkämpft. Sie waren dabei Autorinnen ihrer eigenen Geschichte, aber auch Betroffene von Sexismus, Häme, Queer- und Frauenfeindlichkeit. Sie kennen sich, schätzen sich, sehen in unserem Film dieselben Archiv-Momente und schauen aus heutiger Perspektive auch kritisch auf sich selbst, ihr Schaffen und das ihrer Kolleginnen.“