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Madrid kurz vor Weihnachten, Anfang der 2000er: Elsa (Bárbara Lennie) ist Werbefilmerin und war einmal Regisseurin von Kultfilmen, Filmen, die Geheimtipps geblieben sind. Als ihre Mutter stirbt, macht Elsa, was sie immer tut: arbeiten, weitermachen, durchziehen. Bis der Körper streikt, eine Panikattacke die Notbremse zieht. So reist sie mit ihrer Freundin Patricia (Victoria Luengo) auf die Kanareninsel Lanzarote in ein Ferienhaus auf vulkanischem Grund, weit weg von Madrid und ihrem Lebensgefährten Bonifacio (Patrick Criado), Feuerwehrmann und Stripper.
Parallel dazu, in derselben Stadt, ca. 20 Jahre später: Der erfolgreiche, mit Preisen überhäufte Regisseur Raúl Durán (Leonardo Sbaraglia, »Wild Tales«) dreht seit Jahren keinen Film mehr. Nun schreibt er ein Drehbuch mit dem Titel „Bitteres Fest“. Es erzählt von einer Werbefilmerin, die nach dem Tod ihrer Mutter nicht trauern kann. Wer hier eigentlich wen erfindet, lässt der große Pedro Almodóvar mit ruhiger Entschlossenheit lange offen.
Mit seinem 24. Langfilm kehrt der 76-jährige spanische Regisseur nach dem englischsprachigen Ausflug »The Room Next Door« zu seinen Wurzeln zurück und knüpft an seinen autobiografischen Film »Leid und Herrlichkeit« (2019) an. Der Fokus verlagert sich nun vom gelebten Leben hin zur Kunstproduktion, zum schöpferischen Akt. Beide Hauptfiguren, Elsa wie Raúl, sind als Almodovars Alter Egos lesbar. Dramaturgisch fein verwoben, kreisen sie um die Beziehung zwischen Kunst und Leben und um die stete Angst vor dem Versagen der Kreativität. Unverwechselbar ist wieder die Bildsprache: perfekt durchkomponierte Räume, leuchtende Primärfarben an Wänden und Pullovern - eine Welt aus Dekors, die immer auch Seelenlandschaften sind.
Grit Dora
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Ein verhängnisvoller Autounfall in der pulsierenden Metropole Mexico City. Drei Leben prallen aufeinander, um die düstere Seite der menschlichen Natur aufzudecken.
Da ist Octavio (Garcia Bernal), der in die Welt illegaler Hundekämpfe gerät, um mit dem dort verdienten Geld und der Frau seines kriminellen Bruders abhauen zu können. Der erfolgreiche Verleger Daniel (Alvaro Guerrero) hingegen verlässt seine Frau und zwei Töchter, um mit dem Supermodel Valeria (Goya Toledo) und ihrem Schoßhündchen zusammen zu leben. Und schließlich der Obdachlose „El Chivo“ (Emilio Echevarria), einst ein Revolutionär, der nun als Auftragsmörder mit einem Rudel wilder Hunde durch die Straßen zieht und auf Erlösung hofft…
In seinem ersten Kinofilm zeichnet Alejandro González lñárritu ein wildes und mitreißendes, in mehreren Handlungssträngen raffiniert verwobenes und spannend erzähltes Drama um Liebe, Betrug, Tod, Vergeltung und Erlösung. Ein schonungsloser Film, der stellenweise an »Pulp Fiction« erinnert, jedoch in seinem innersten wesentlich realistischer ist. In diesem Jahr auf allen bedeutenden internationalen Festivals mit Preisen ausgezeichnet und darüber hinaus in der Kategorie „Bester Ausländischer Film“ für den OSCAR nominiert, auf jeden Fall ein Streifen, an dessen Bilder man sich noch lange erinnern wird.
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Die fünf Heldinnen des Films sind Expertinnen für die wichtigste Sache der Welt: Müttern zu helfen, ein Kind zur Welt zu bringen. Regisseurin Nicole Scherg begleitet Genet Gebru aus Äthiopien, „Hajja“ Aïcha El Fathi aus Marokko, Kanchan Mala Shrestha aus Nepal, Gunda Gutscher aus Österreich und Sheila Santos aus Brasilien. Wie Frauen gebären, geht uns alle an: Wir alle wurden schließlich einmal geboren. Die Hebammen begleiten diesen physiologischen Prozess, der universell und natürlich ist - und doch zutiefst individuell. Ob im hochtechnologischen OP-Saal, im frauenverwalteten Geburtshaus oder bei Regen im Dorf: Sie navigieren den Weg zwischen den Welten. Sie wissen von der Unkontrollierbarkeit des Gebärens und sind verlässliche Reiseleiterinnen in Grenzsituationen.
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Man sagt ja immer, dass man eigene Schwächen in Stärken umwandeln soll. Niki White (Leo Woodall) hat ein ausgesprochen gutes Gehör. Es ist teilweise so gut, dass er seine Ohren vor zu lauten Geräuschen schützen muss. Die Hörstörung heißt Hyperakusis und kann schnell sehr schmerzhaft für ihn werden. Zudem hat er auch noch „perfect pitch“, das bedeutet, dass er jeden Ton direkt zu einer Note zuordnen kann. Das macht ihn prädestiniert, Instrumente zu stimmen. Er findet schnell eine Anstellung als Klavierstimmer. An der Seite des schwerhörigen Harry Horowitz (Dustin Hoffman) wird er in den noblen Beruf des Klavierstimmers eingearbeitet und darf in wohlhabenden Haushalten sein Gehör für etwas Gutes einsetzen. Außerdem lernt er die Musikstudentin Ruthie (Havana Rose Liu) kennen, die begeistert ist von seinem Talent.
Eines Nachts überrascht er allerdings den zwielichtigen Uri (Lior Raz) bei einem seiner Aufträge, der gerade einen Tresor sprengen will. Da laute Geräusche nichts für Niki sind, bietet er an, den Tresor mit seinem ultrafeinen Gehör zu knacken. Uri erkennt schnell, dass Niki ihm durchaus viel helfen kann und bietet ihm einen lukrativen Nebenverdienst an. Niki ist erst abgeneigt, doch dann häufen sich medizinische Kosten für seinen Mentor Harry an und Niki entscheidet sich doch für die dunkle Seite.
Der Oscar-prämierte Dokumentarfilmer Daniel Roher hat mit »The Piano Tuner« seinen ersten fiktionalen Spielfilm auf die Leinwand gebracht. Er nutzt Ton und Musik besonders als erzählerisches Mittel, um die Hörstörung erfahrbar zu machen. Seine Weltpremiere feierte »The Piano Tuner« schon 2025 beim Telluride Festival.
Anne
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| 22:00 | 22:00 | 22:00 |
Mit 18 sind die besten Freundinnen Leonie und Marlene sich sicher, dass nichts sie trennen kann. Doch Leonie verliebt sich in Naomi, gibt sich ganz ihrer ersten großen Liebe hin und entfernt sich immer weiter von ihrer besten Freundin. Naomis depressive Schübe jedoch überfordern Leonie zunehmend. Als ihre Beziehung scheitert, merkt Leonie, wie sehr sie sich isoliert hat. Sie verlässt Berlin, beginnt eine Ausbildung und versucht, die Welt um sich herum zu ordnen. Doch auch Jahre später fehlt jemand in ihrem Leben: Marlene.
Was macht meine Identität aus? Und wem muss ich sie beweisen? Als filmische Langzeitstudie angelegt, ist „Ninja Motherf*cking Destruction“ ein wildes und ungefiltertes Porträt eines queeren Erwachsenwerdens - überbordendes Gefühlschaos inklusive. Nach acht Jahren Drehzeit und ohne Förderung oder Filmschule im Hintergrund ist Regisseurin Lotta Schwerk mit ihrem Langfilmdebüt die intensive, immer authentische Chronik einer Jugend gelungen. Dafür gab es beim Festival Achtung Berlin den Preis für die Beste Regie und das Beste Schauspiel!
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| 18:15 | 18:15 |
Eva Müller und Isabel Schneider erzählen die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 90er und früher 00er Jahre erstmals aus Frauenperspektive. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Werk und eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt.
Eine ganze Generation wurde so vor allem durch männliche Unterhalter sozialisiert - durch „Wetten, dass…?“, die „Harald Schmidt Show“ und später „TV total“. Wie hat uns diese Zeit geprägt? Und was haben Humor, Witz und Unterhaltung mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Dieser Film ist eine Zeitreise zurück zu den Lachern der 90er und 00er. „Was haben wir gelacht“ - oder vielleicht doch nicht?
„Unsere Protagonistinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins haben - jede auf ihre Weise, auch in kaum bekannten Fernsehmomenten - mehr Sichtbarkeit von Frauen im Unterhaltungsfernsehen erkämpft. Sie waren dabei Autorinnen ihrer eigenen Geschichte, aber auch Betroffene von Sexismus, Häme, Queer- und Frauenfeindlichkeit. Sie kennen sich, schätzen sich, sehen in unserem Film dieselben Archiv-Momente und schauen aus heutiger Perspektive auch kritisch auf sich selbst, ihr Schaffen und das ihrer Kolleginnen.“
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Es ist ein Experiment, eine poetische Spurensuche: Schauspielerin Sandra Hüller nähert sich dem Leben von Ingeborg Bachmann und verleiht deren Worten eine magische Präsenz. Die Literaturwissenschaftlerin Regina Schilling verdichtet improvisierte Szenen, Archivmaterial, Interviews und Bachmanns Texte zu einem kunstvollen Gewirk. Ihr Film verbindet die zentralen Lebensphasen Bachmanns von deren Kriegskindheit in Kärnten, dem Aufstieg zum Literatur-Star und Mitglied der Gruppe 47 bis zu ihren letzten Lebenstagen in Rom. „Unsere Geisterbeschwörung, unsere Seance“, nennt Regina Schilling das gemeinsame Vorgehen von ihr und Hüller an einer Stelle des Films, man sieht beide lachen, erleichtert, dass der beschrittene Weg gangbar scheint. Der Film betont in kleinen Momenten immer wieder, dass hier eine Versuchsanordnung stattfindet, Möglichkeiten abgeschritten werden, wie Ingeborg Bachmanns Leben gewesen sein könnte. Zu Wort kommen auch die Männer, zu denen sie in komplizierten Beziehungen stand. Hans Werner Henze und Max Frisch geben Auskunft, von Paul Celan wird berichtet. Zentrum bleibt aber immer Bachmanns kompromissloses Ringen um eine unverwechselbare und radikale Sprache und ihr Taumeln zwischen öffentlichem Ruhm und existenziellen Krisen. Souverän montiert, greifen die verschiedenen Archivmaterialien ineinander, überraschend und folgerichtig zugleich und sorgen in Verbindung mit Sandra Hüllers schillerndem Spiel für eine starke Sogwirkung. Bachmann, von Hüller wahrhaft kongenial dargestellt, entzog sich und ihr Werk konsequent jeglicher Vereinnahmung. Regine Schilling macht das glaubhaft. Ihr Film ist ein wunderbares Porträt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann, ein Porträt, das die Zerbrechlichkeit der Künstlerin ebenso würdigt wie ihre Kraft.
Grit Dora
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| 20:00 |
Es klingt wie eine komplett verrückte Idee, die Mathias seinem besten Freund Philippe darlegt, aber die Trauer ist eben auch groß. Mathias' Sohn Youri ist gestorben. Resigniert sieht er überall nur den Tod des Sohnes, nirgendwo dessen Leben. Also beschließt der trauernde Vater in seiner Not, sich auf die Spuren von Youris Leben zu begeben. Dieser hatte eine Fahrradtour von La Rochelle ans Schwarze Meer in der Türkei absolviert. Um Europa kennen zu lernen. Mathias bittet seinen alten Kumpel, sein Fahrrad aus dem Keller zu holen, das Handy und ein paar Klamotten einzupacken, schnappt sich seinen Hund Lucky; und auf geht's. Lass uns nach Youri suchen. Philippe springt in seinen Harry-Dean-Stanton-Anzug, weil er glaubt, korrekt gekleidet zu sein, könnte bei dieser eh völlig verrückten Idee kaum schaden, und schon radeln die zwei auf dem EuroVelo 6 Richtung Süden. Ein kleiner Dicker und ein Kettenraucher, zwei Freunde, die auch erst mal wieder ein wenig auf Touren kommen müssen, legen Etappe um Etappe zurück, treffen verrückte Leute, schätzen die Erfindung des Airbnb, und die des Translators einer großen Suchmaschine, lernen wilde Hunde in Rumänien fürchten und europäische Gebirge sowieso und erfahren Woche für Woche, dass 'die Toten nicht abwesend sind, sondern nur unsichtbar', wie es Victor Hugo einst formulierte.
Klingt das alles verrückt? Würden Sie sich auch auf ein 50 Euro Rad setzen und sechs Monate für die Trauerarbeit ihres besten Freundes eintauschen? Und würden Sie auch ein kleines Filmteam mitnehmen, damit es am Ende im Kino so aussieht wie ein richtiger Film? Als Youri Mlekuz, der Sohn des Regisseurs Mathias Mlekuz, 2022 starb, entstand nach ein paar Wochen Ausweglosigkeit diese Idee. Philippe Rebbot, Mathias' alter Kumpel, zog mit und ein fünfköpfiges Team begab sich Richtung Türkei. 180 Stunden Material bildeten die Grundlage für diese wundervolle Doku. Unabhängig von Freundschaft, Trauer oder Kino rege ich hier mal eine kleine Gesellschaftsreform an. Alle Jugendlichen Deutschlands sollten nach Beendigung der Schule ein Auslandsjahr absolvieren, sagen wir mal 12 Monate, 12 Länder. Das lässt den Tellerrand schrumpfen. Und wenn sie diese Zeit auch noch, so wie Philippe und Mathias, auf dem Fahrrad verbringen, dann erregt das sogar die Gemüter im Gesundheitsministerium.
alpa kino