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Die Landschaft ist so kriegsversehrt wie die Menschen, als aus den Nebeln ein seltsamer Soldat auftaucht und Anspruch auf einen lange aufgegebenen Gutshof stellt. Der 30-jährige Krieg ist noch in vollem Gange, die protestantische Gemeinde des abgelegenen Dorfes skeptisch. Irgendwas scheint faul an dem Fremden mit der entstellenden Narbe im Gesicht. Doch dieser erweist sich als gottesfürchtig, arbeitsam und mutig. Er behauptet sich, bewirtschaftet den Hof und gewinnt an Einfluss. Der Preis dafür ist hoch. Denn es ist eine Frau, die sich einen anderen Namen zugelegt und in Hosen gestiegen ist, um in das Dorf zu gelangen. Rose (Sandra Hüller), so heißt der Soldat wirklich, schreckt vor nichts zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Nur der Zufall kann sie enttarnen.
Der österreichische Regisseur Markus Schleinzer stellt in seinem neuen Film eine Frau in den Mittelpunkt, die in der patriarchalischen Welt des 17. Jahrhundert kühn nach Selbstbestimmung und Freiheit greift und damit notwendig scheitern muss. Dennoch wählt sie diesen unvorstellbar wirkenden Weg. Schleinzer und sein Co-Drehbuchautor Alexander Brom haben aus verschiedenen historisch verbürgten Geschichten über Frauen des 17. Jahrhunderts eine exemplarische Figur kreiert. Für Sandra Hüller bietet der Film die Gelegenheit, noch einmal ganz andere Facetten ihres unglaublichen Könnens funkeln zu lassen. Ihr Spiel und das kongeniale Maskenbild tragen diesen besonderen Film, der trotz seiner elaborierten Sprache und der artifiziellen Sprache sehr ins Heute weist. Für Hüller gab es dafür ihren zweiten Silbernen Bären bei der Berlinale 2026.
Grit Dora
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Verfilmungen von Sensations-Bestsellern sind meistens ein Garant dafür, ein Publikum zu finden. Die deutsche Regisseurin Anna Roller verfilmt mit ihrem zweiten Spielfilm »Allegro Pastell« einen Roman von Leif Randt. Das 2020 erschienene Buch erzählt die störrische Liebesgeschichte zweier Millennials. Der Autor selbst schrieb es zum Drehbuch um. Dabei wandelt er die oft um sich selbst kreisenden Gedanken von Tanja (Sylvaine Faligant) und Jerome (Jannis Niewöhner) für den Film in Off-Kommentare und Textnachrichten um. Die beiden sind seit Längerem ein Paar und leben in ständigem Austausch und mit wenigen Besuchen zwischendurch in einer Fernbeziehung. Jerome, Grafikdesigner, wohnt in einem Haus seiner Eltern im Maintal bei Frankfurt, verbringt seine Zeit mit seinen langjährigen Freunden, die mittlerweile Kinder haben, und lebt ein eher ruhiges Leben. Tanja, die gerade wieder einen Roman veröffentlicht hat, nutzt das Berliner Nachtleben, um jeden Tag zu feiern und kümmert sich wenig um klassische Beziehungsmodelle oder Freundschaften. Immer wieder kommt es so zu Zerwürfnissen zwischen den beiden, aber trotzdem können sie nicht ohne einander leben. Das ist das Porträt von Thirtysomethings, die sich entscheiden müssen zwischen ewigem Partyleben und scheinbar langweiliger Familiengründung. Dabei traut sich Roller, ihre Figuren, die alle wunderbar verkörpert werden, u.a. von der französischen Darstellerin und Newcomerin Sylvaine Faligant, unsympathisch zu zeichnen. Es zeigt, welche negativen Auswirkungen ein Um-Sich-Selbst-Kreisen hat. »Allegro Pasteli« ist dabei gut inszeniert, passt sich dem Tempo und den Lebensrealitäten der Figuren an und schafft es, den Beat dieses Lebensabschnitts einzufangen. Roller gelingt das Kunststück, dass man den Figuren trotz aller Antipathien bis zum Ende folgt und sich in die vergangene Zeit (vor Corona) wunderbar hineinfühlen kann.
Doreen