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Jean Paul Belmondo liegt Grimassen schneidend im Sterben auf der Straße und raunt Jean Seberg zu: „Du kotzt mich an“. Das war die Geburtsstunde des modernen Kinos. So wie wir es heute nicht anders kennen. Aus einer sicheren Entfernung von 46 Jahren und angesichts der bereits dritten Wiederholung damaliger Frisuren und Klamotten klingt diese Beschwörungsformel nicht sehr dramatisch. Ein durchgeknallter Typ legt aus Übermut einen Polizisten um, flieht mit dem geklauten Auto in die Hauptstadt und trifft dort ein Mädchen. Und während er so nebenher nach ein wenig Geld sucht, vertreiben sich beide die Zeit. Gehen ins Kino. Ins Bett. Oder einfach nur spazieren. Im Grunde scheint es gar nicht so wichtig zu sein, was sie da tun, sondern wie sie es tun. Die Mädchen in ganz Europa wollten plötzlich blonde Haare genauso kurz tragen wie die Seberg. Und noch Jahrzehnte später üben die Al Pacinos dieser Welt, vorm Spiegel so zu rauchen, wie einst Belmondo. Was in den atemlosen 87 Minuten von den Herren Truffaut, Godard, Melville und Chabrol aufgeschrieben, gedreht und geschnitten worden war, kann noch immer in voller Kinopracht genossen werden, weil vor drei Jahren neue Filmkopien angefertigt wurden.
alpa kino
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„Vielleicht weil wir soviel Wut in uns tragen.“, antwortet eine der Protagonistinnen in Isa Willingers Dokumentation auf die Frage, ob Frauen in Wahrheit die härteren Filme machen. Die Sentenz von der filmischen Härte der Frauen gab die ukrainische Kultregisseurin Kira Muratova der jungen Filmemacherin Willinger einst mit auf den Weg. Seitdem lässt dieser Satz Isa nicht mehr los. Zeichnen Härte und Gewalt tatsächlich weibliche Regie-Handschriften aus, während Frauen ganz allgemein noch immer vorrangig mit Empathie und Weichheit in Verbindung gebracht werden?
Isa Willinger begibt sich auf eine Reise ins Kino der Frauen und findet Filme, die von harten Realitäten, Demütigung und Vergeltung erzählen. Was sagen die Regisseurinnen selbst dazu? Große Namen wie Catherine Breillat, Alice Diop, Valie Export, Nina Menkes, Céline Sciamma, Monika Treut und Apolline Traor geben Auskunft darüber, wie sie über die Darstellung von Sex und Gewalt, über Traumata und Macht und über den noch lange nicht ausreichend in den Blick genommenen female gaze denken. Rasant und mit einer präzisen elliptischen Struktur inszeniert, erweist sich »No Mercy« als ausgesprochen aktueller Dokumentarfilm, der unter zahlreichen Produktionen, die sich mit dem Thema „Frauen und Gesellschaft“ befassen, durch seinen individuellen Ansatz hervorsticht und eine bestechende semantische und visuelle Kraft entwickelt. Willinger macht mit ihrer Dokumentation auch auf wichtige Filme aufmerksam, die sich gegen die Konventionen der Filmsprache zur Wehr setzen, aber jenseits von Festivals bisher kaum ein Publikum gefunden haben. Ein notwendiger und streitbarer, ein überzeugender filmischer Essay.
Grit Dora
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Der Film ist ein behutsam als Triptychon komponierter Spielfilm. Die drei Geschichten kreisen um die Beziehungen erwachsener Kinder zu ihren teils distanzierten Eltern und untereinander. Jedes der drei Kapitel spielt in der Gegenwart, jedes in einem anderen Land: »Father« ist im Nordosten der USA angesiedelt, »Mother« in Dublin und »Sister, Brother« in Paris. Es ist eine Reihe von Charakterstudien, ruhig, beobachtend und ohne Wertung – und zugleich eine Komödie, durchzogen von feinen Fäden der Melancholie.
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Die Oscars stehen zwar erst im März an, doch nachdem Timothée Chalamet im Januar bereits den Critics Choice Award und den Golden Globe für »Marty Supreme« einheimsen konnte, kann man sich ausmalen, wer dort die Tipplisten anführen wird. Und ja, Chalamet gibt in diesem Film alles. Er verabschiedet sich von seinem Indie-Image und verkörpert einen fast schon unangenehm präsenten Charakter, der ständig unter Strom steht.
Die Geschichte dreht sich um Marty Mauser, einen Schuhverkäufer im New York der 1950er Jahre, der heimlich vom Ruhm als Tischtennisprofi träumt. Marty ist keiner, der sich brav an Regeln hält. Er spielt, wettet, provoziert, hat eine Affäre mit einer reichen, ehemaligen Filmdiva (Gwyneth Paltrow) - und nutzt sein Talent, um sich in einer Welt durchzuschlagen, die ihm eigentlich keinen Platz zugedacht hat. Regisseur Josh Safdie erzählt keine klassische Aufstiegsgeschichte, sondern folgt Marty durch verrauchte Hinterzimmer, schäbige Hallen und improvisierte Matches, bei denen es um Geld, Ehre und das eigene Ego geht. Tischtennis wird hier nicht als Sport, sondern als Bühne verstanden: schnell, aggressiv, laut. Genau darin liegt der Reiz. Den Film interessiert weniger der Sieg als das Drumherum - vor allem jener Moment, in dem alles kippen kann.
Die Besetzung ist ähnlich verrückt wie der Film: Paltrow, „Tyler, the Creator“, Fran Drescher und Kevin O'Leary, der bisher eher als Unternehmer aus »Shark Tank« bekannt war, komplettieren das bizarre Ensemble, das dafür sorgt, dass man zweieinhalb Stunden gespannt auf der Kante des Sitzes sitzt - selbst als Nicht-Sportfan.
Viktoria Franke