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| 21:45 |
»Mystery Train« ist wie ein gut gemachter Eintopf. Schmeckt total irre, doch man weiß nicht wieso. Drei Episoden drehen sich um eine Nacht in demselben Hotel, und dann gibt es da noch den Schuss, den alle hören. Und alle hören Radio; der RadioDJ (kein anderer als Tom Waits) spielt Elvis. Und Elvis hört nicht auf, den Gästen zu erscheinen.
»Mystery Train« ist Pures Kino. Zeitlos, Raumlos und Grundlos. Da sagte mal Einer von der schreibenden Zunft; „Jim Jarmusch Filme seien wie der Nachthimmel. Je angestrengter man in die Dunkelheit starre, desto weniger begreife man von der Unendlichkeit.“
Unser Tip: macht es so wie die beiden Typen an der Rezeption des Hotels Arcade. Sie sitzen da, sehen der Zeit zu beim Vergehen und haben aufgehört, sich über die Dinge zu wundern.
Mystery Train ist neben Night On Earth der engste Berührungspunkt zwischen den beiden Independants Jim Jarmusch und Aki Kaurismäki. Kaurismäki gelang mit den Lenigrad Cowboys seinerzeit in Charlie’s BarberShop in Memphis die witzigere Szene. Er ließ in »I Hired A Contract Killer« Joe Strummer nicht nur auftreten, sondern auch musizieren. Doch das kennt ma ja. Bei Kaurismäki wird permanent Musik gemacht. Bei Jarmusch treten immer wieder Musiker vor die Kamera, John Lurie, Tom Waits, Neil Young, Iggy Pop, und in »Mystery Train« Joe Strummer, Rufus Thomas und an der Hotelrezeption Screaming Jay Hawkins.
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| 20:00 |
Der Film ist ein behutsam als Triptychon komponierter Spielfilm. Die drei Geschichten kreisen um die Beziehungen erwachsener Kinder zu ihren teils distanzierten Eltern und untereinander. Jedes der drei Kapitel spielt in der Gegenwart, jedes in einem anderen Land: »Father« ist im Nordosten der USA angesiedelt, »Mother« in Dublin und »Sister, Brother« in Paris. Es ist eine Reihe von Charakterstudien, ruhig, beobachtend und ohne Wertung – und zugleich eine Komödie, durchzogen von feinen Fäden der Melancholie.
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| 22:15 |
Die introvertierte Prinzessin Saira, Tochter der lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis, ist am Boden zerstört: Die heiße Kopfgeldjägerin Kiki hat mit ihr Schluss gemacht - aus lauter Langeweile! Dabei hat Saira ihr ein so schönes Beziehungsalbum gebastelt! Doch als Kiki von den Straight White Maliens entführt wird, den Incels der Zukunft, muss Saira den Safe Space des queeren Weltraums verlassen und sie binnen 24 Stunden freikaufen: Die Maliens fordern nämlich die berühmte königliche Labrys - eine goldene Doppelaxt von schier unglaublicher lesbischer Macht. Nur: Saira hat sie nicht!
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| 17:45 |
Algier, 1938. Meursault (Benjamin Voisin), ein ruhiger, unauffälliger Angestellter Anfang dreißig, nimmt ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teil und beginnt kurz danach eine Affäre mit seiner früheren Kollegin Marie (Rebecca Marder). Sein gleichförmiger Alltag wird von einem Nachbarn gestört, der Meursault in zwielichtige Situationen hineinzieht…
François Ozon adaptiert Albert Camus’ Klassiker von 1942 für die Leinwand und reiht sich damit in eine überschaubare Reihe filmischer Umsetzungen ein: Nach Luchino Viscontis »Lo Straniero« (1967) und Zeki Demirkubuz’ türkische Interpretation »Yazgı« (2001) folgt nun seine mit besonderer formaler Strenge inszenierte Version. Der überaus produktive französische Regisseur hält sich eng an Camus’ Text, integriert aber Archivmaterial, das die französische Kolonialherrschaft in Algier verherrlicht und verweist so auf die sozialen Spannungen, ohne sie zum zentralen Handlungselement zu machen. Im Zentrum steht Meursaults Indifferenz gegenüber gesellschaftlichen Ritualen und menschlichen Bindungen. Vom Tod seiner Mutter über deren Beerdigung und die darauf folgenden Tage bis hin zu einem schicksalhaften Ereignis am Strand von Algier verfolgt der Film Meursaults Reaktionen - weniger das Geschehen selbst als seine Wahrnehmung davon, seine Distanziertheit und existentielle Gleichgültigkeit. Die Geliebte Marie (Rebecca Marder) fungiert als Kontrastfolie, während Rückblenden die Abfolge der Ereignisse strukturieren und Meursaults Perspektive betonen.
Ozon findet schmerzhaft klare Bilder für die innere Isolation des Protagonisten. Das körnige Schwarz-Weiß des Filmmaterials sorgt für elegante Bilder und atmosphärische Dichte, die einen reizvollen Kontrast zum spröden Plot bilden. Die virtuose Neuinterpretation des gleichnamigen Literaturklassikers von Albert Camus feierte ihre Weltpremiere im Wettbewerb des Venedig Filmfest 2025.
Grit Dora